Die Homematic CCU3 im Test und was sind die Unterschiede zum Homematic IP, ein Blick in beide Benutzeroberflächen

Wenn Ihr Euch für Smart Home und Heim Automatisierung interessiert, werdet Ihr früher oder später über Homematic IP stolpern.

Homematic ist eine Produktreihe des deutschen Herstellers EQ-3, welche sich auf das vernetzte Haus konzentriert. Im Gegensatz zu anderen Smart Home Systemen bietet Homematic IP sehr viele Sensoren und Module an, auch für speziellere Einsatzorte.

Neben den üblichen Modulen, wie vernetzte Steckdosen Adapter, Tür/Fenster Sensoren, bietet Homematic IP auch Thermostate, „Smarte“ Lichtschalter und andere Unterputz Module an. Aktuell finden sich über 60 verschiedene Komponenten im Sortiment!

Allerdings fährt EQ-3 bzw. Homematic zweigleisig. Es gibt zwei unterschiedliche Basisstationen für das Homematic IP System, zwischen welchen Ihr Euch entscheiden müsst.

Es gibt die „alte“ Smart Home Zentrale, welche mittlerweile auch in Generation drei ist, und den neueren Homematic IP AccessPoint.

Die Homematic CCU3 ist für eine lokale Steuerung über Weebrowser oder 3. Anbieter Apps gedacht und gemacht. Der Homematic IP Accesspoint hingegen ist eine Cloud basierte Plattform, die ausschließlich eine Steuerung über die passenden Smartphone Apps erlaubt.

Sämtliche verfügbaren Module passen zu beiden Systemen, welches sollte man nun aber wählen? Ich hatte vor ein paar Jahren zuerst kontakt mit dem Homematic IP System, habe mich aber nun auch mal entscheiden die Homematic CCU3 Smart Home Zentrale mal anzuschauen.

Vielleicht steht Ihr vor einer ähnlichen Entscheidung, CCU3 oder Homematic IP.

In diesem kleinen Bericht soll es eine Art Vorstellung des Homematic Systems mit kleinem Vergleich zum Cloud basierten Homematic IP System geben. Neugierig?

Die Homematic CCU3 Basis im Test

Das Herz jedes Smart Home Systems ist natürlich die Basis. Die Homematic CCU3 Smart Home Zentrale ist wie man vielleicht schon am Namen erraten kann, bereits die 3. Generation und auch aktuelle Generation dieser Basis.

EQ-3 setzt hier auf ein schickes und schlichtes weißes Kunststoffgehäuse, welches etwas größer ist als eine Handfläche. Auf der Oberseite bzw. der Front je nachdem wie Ihr dieses anbringt, findet sich eine Status LED und eine Taste.

Die Anschlüsse sind auf der Unterseite versteckt. Hier findet sich ein 5V Stromanschluss, LAN und zwei USB Ports. Die CCU3 besitzt kein integriertes WLAN! Ihr müsst also den vorhanden LAN Port nutzen, was auch aus Sicht der Stabilität und Zuverlässigkeit Sinn macht.

Im Gegensatz zum Homematic IP System und auch anderen Smart Home Systemen handelt es sich bei der CCU3 nicht um eine einfache Bridge, die nur eine Art Brücke zwischen den einzelnen Funkmodulen und dem Internet herstellt, sondern auch gleichzeitig um das Gehirn.

Ihr seid bei der CCU3 nicht auf irgendwelche Cloud Server des Herstellers angewiesen. Die CCU3 arbeitet völlig eigenständig, also auch bei einem Internetausfall oder viel drastischer sollte mal der Hersteller Pleite gehen, könnt Ihr die CCU3 einfach weiternutzen.

Dieses eigenständige Arbeiten hat natürlich auch seine Nachteile, dazu aber später mehr.

Sehr interessant ist die Hardware welche EQ-3 bzw. Homematic in der CCU3 verbaut hat. Da diese natürlich aufgrund des eigenständigen Designs etwas mehr zu arbeiten hat und somit mehr Rechenleistung als eine einfach Bridge benötigt, hat der Hersteller „Leistungsfähige Hardware mit 4-Kern ARM Prozessor, 64 Bit-Architektur und langlebigem 8 GB-Flash-Speicher“ verbaut.

Öffnet man die CCU3 erlebt der technikaffine Nutzer eine kleine Überraschung. EQ-3 setzt im Inneren der CCU3 auf einen Raspberry Pi, welcher mit einem zusätzlichen Funkmodul ausgestattet ist. Cool!

Es handelt sich genau genommen um einen Raspberry Pi 3 Model B mit ARM-Cortex-A53 4x 1,2GHz SOC und 1GB RAM. Damit hat die CCU3 wie beworben wirklich ordentlich Power! Solch einen Raspberry Pi kann man sogar glatt als Office PC nutzen.

 

Die Module und Sensoren

Ein sehr wichtiger Teil des Homematic Systems sind die vielfältigen Module die verfügbar sind. Als Nutzer der CCU3 habt Ihr hier die volle Auswahl aus dem Homematic und HomematicIP System. Ja alle Homematic IP Komponenten lassen sich auch in der CCU3 einbinden!

Hier eine kleine Übersicht über die aus meiner Sicht besonders interessanten Module:

  • Homematic IP Heizkörperthermostat
  • Homematic IP Wandthermostat
  • Homematic IP Fenster- und Türkontakt – optisch
  • Homematic IP Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensor
  • Homematic IP Schalt-Mess-Steckdose
  • Homematic IP Schalt-Mess-Aktor für Lichtschalter
  • Homematic IP Fernbedienung – 8 Tasten
  • Homematic IP Schlüsselbundfernbedienung – 4 Tasten
  • Homematic IP Bewegungsmelder mit Dämmerungssensor
  • Homematic IP Präsenzmelder – innen
  • Homematic IP Bewegungsmelder mit Dämmerungssensor – außen
  • Homematic IP Lichtsensor
  • Homematic IP Durchgangssensor mit Richtungserkennung
  • Homematic IP Rollladenaktor
  • Homematic IP Jalousieaktor
  • Homematic IP Alarmsirene
  • Homematic IP Wassersensor
  • Homematic IP Rauchwarnmelder

Dies ist nur eine kleine Auswahl an Modulen die verfügbar sind. Damit könnt Ihr das Homematic System als Alarmanlage, zur Steuerung Eurer Heizung und Heizkörper nutzen usw.

Selbst Kombinationen sind möglich wie ein automatisches Auffahren Eurer Markise bei einer gewissen Helligkeitsschwelle usw.

Während die meisten Smart Home Systeme nur eins können, kann die Homematic CCU3 und auch die Homematic IP Basis im Grunde genommen alles.

 

Unterschiede zwischen der Smart Home Zentrale und des AccessPoints

Wie bereits erklärt gibt es zwei mögliche Basen/Steuerungseinheiten für das Homematic System, die Smart Home zentrale CCU3 und den Cloud AccessPoint.

Funktional sind zwar beide sehr ähnlich aber die Präsentation und Zielgruppe ist doch eine ganz andere.

Die Homematic Smart Home zentrale CCU 3 richtet sich an „High End“ Nutzer die die volle Kontrolle über Ihr Heim haben wollen und dafür auch bereit sind teilweise eine etwas umständlichere Bedienung in Kauf zu nehmen.

Der Homematic IP AccessPoint richtet sich an den „Normalnutzer“, der ein schnelles und unkompliziertes System sucht.

So könnte man das Ganze gut zusammenfassen. Gehen wir aber einmal ins Detail.

 

Die Benutzeroberfläche der CCU3

Starten wir mit der Benutzeroberfläche der CCU3. Diese ist von Haus aus erst einmal nur im lokalen Netzwerk über die Eingabe der IP Adresse in Euren Webbrowser zu erreichen.

Eine App oder Ähnliches für Euer Smartphone gibt es nicht! Zumindest nicht von Haus aus. Es gibt gefühlt duzende 3. Anbieter Lösungen für einen Appzugriff oder allgemein einen sicheren Zugriff aus dem Internet. Diese Lösungen sind aber auch als komplizierter einzustufen und meist mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Auch bei der Einrichtung wird man so ein wenig ins kalte Wasser geworfen, sofern man nicht das Handbuch liest. Beispielsweise muss man von Haus aus nicht mal ein Admin Passwort setzen und selbst dann ist eine Auto Log-in Funktion vorhanden, welche man für einen sicheren Zugriff abschalten muss.

Informiert wird man darüber zwar zu Beginn durch ein Popup, welches aber viele Nutzer einfach wegklicken werden.

Die Benutzeroberfläche selbst würde ich als sehr klassisch und technisch bezeichnen. Erwartet Ihr hier eine einfach Nutzung in verständlichen Worten, dann werdet Ihr vielleicht etwas enttäuscht.

Alle verbunden Sensoren haben sehr lange Namen und werden im System oftmals mehrfach für alle Daten aufgelistet. Beispielsweise die Schalt- und Messsteckdose besteht aus fünf einzelnen Sensoren, für Spannung, Strom, Ein/Aus usw.

Das Anlegen von Verknüpfungen kann, wenn man dies das erste Mal macht, recht komplex sein. Verknüpfungen sind, „wenn dies ist, dann mache das- Anweisungen“. Beispielsweise wenn die Sonne untergeht, schalte das Licht ein.

Das aktuelle Sonnenlicht könnt Ihr mit einem Helligkeitssensor messen um dann mit dieser Information eine Steckdose zu schalten.

Ebenfalls recht kompliziert ist das Steuern von Heizkörperthermostaten und das Anlegen von „Plänen“.

Wobei kompliziert nicht ganz richtig ist. Für einen Technik begeisterten Nutzer ist dies mit ein wenig probieren alles kein Problem. Allerdings beispielsweise meinen Eltern wäre dies zu kompliziert. Erwartet Ihr eine „das System soll alles für mich so einfach wie möglich machen“ Lösung wählt lieber das HomematicIP System.

Allerdings bietet das Homematic System auch einige mehr Freiheiten. Ihr könnt einige Sensor Daten auslesen, die bei HomematicIP versteckt werden und diese auch mitprotokollieren.

Habt Ihr einen Temperatur-Sensor könnt Ihr über Monate/Jahre hinweg diese Daten mitschreiben und in ein Diagramm verpacken lassen, oder sogar in eine CSV Datei exportieren.

Gibt es irgendein Feature, das Ihr wollt aber die Zentrale nicht kann? Dann stehen die Karten gut, dass Ihr dieses mit irgendeinem Plug-in nachrüsten könnt.

Wollt Ihr eine spezielle App? Es gibt diverse App Baukästen mit welchen Ihr Eure eigenen mobile Apps mit dem Layout, das Ihr wollt, bauen könnt. Eine Lizenz für den AIO Creator Neo liegt bei der CCU3 beispielsweise bei.

Auch gibt es zu guter Letzt eine große Community mit sehr vielen enthusiastischen Nutzern die viele Anleitungen und Bastelprojekte auf Basis des Homematic Systems im Angebot haben.

Kurzum die Homematic Smart Home zentrale CCU3 bietet nicht die schönste und vor allem die einfachst zu bedienende UI, aber sie bietet Euch viele Freiheiten und Details die man bei kaum einen anderen Smart Home System bekommt und damit meine ich nicht nur die X verschiedenen Sensoren und Modulen aus allen Bereichen.

 

Die Benutzeroberfläche von Homematic IP

Sieht Euch das Ganze zu kompliziert aus oder Ihr wollt einfach nur ein einfaches System, dann ist Homematic IP eher etwas für Euch.

UPDATE! Am 26.11 gab es ein Update für die Homematic IP App, welche diese Optisch ein gutes Stück verändert hat. Funktional gab es aber keine Veränderungen.

Screenshots der alten Homematic IP App


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Homematic IP ist ein Cloud basiertes System. Ihr habt zwar auch einen „Controller“ bzw. „AccessPoint“ wie ihn der Hersteller nennt, dieser ist aber was die Hardware angeht, ein gutes Stück einfacher gehalten.

Neue Homematic App (1) Neue Homematic App (3)

Die komplette Steuerung verläuft über die Server von Homematic. Fallen diese also mal aus oder Euer Internet hat einen Hänger kann dieses zu einem Ausfall des Homematic IP Systems führen.

Dafür erhaltet Ihr aber einen schönen und vor allem einfachen App Zugriff, von der ganzen Welt aus, ohne, dass Ihr etwas speziell konfigurieren müsst. Selbiges gilt auch für die Sicherheit des Systems. Ihr müsst Euch hier keine Gedanken machen, Homematic IP kümmert sich um das Ganze.

Wie bereits erwähnt erhaltet Ihr eine schöne App. Ein Webinterface gibt es keins! Ihr müsst also ein Android oder IOS Smartphone zur Steuerung nutzen.

Neue Homematic App (2) Neue Homematicip App

Darauf ist aber auch die Nutzung angepasst. Sämtliche Funktionen sind gut und einfach verständlich verpackt. Dinge wie eine Zeitsteuerung von Heizkörperthermostaten besitzt eine schöne UI und auch Automatismen, also „wenn dies dann das- Verknüpfungen“ sind gut verständlich gemacht.

Dies ist eine Benutzeroberfläche mit der eigentlich jeder Nutzer klar kommt. Zugegeben es gibt noch einfachere Cloud Smart Home Produkte, aber das Homematic IP System ist auch für Anfänger gut bedienbar.

Neue Homematic App (6) Neue Homematic App (4)

Im Gegenzug ist das Homematic IP System aber auch etwas abgespeckt. Ist eine Funktion die Ihr wollt nicht vom Hersteller so vorgesehen, dann Pech gehabt. Auch fehlen beispielsweise Verlaufsdaten von Temperatur Sensoren usw.

Das ganze System ist halt auf eine Plug and Play Funktionalität zugeschnitten.

 

Fazit

Ich hoffe dieser kleine Artikel zum Thema Homematic IP* und Homematic Smart Home Zentrale* konnte Euch etwas weiterhelfen bei einer potenziellen Kaufentscheidung.

Beide System haben Ihre für und wider. Letztendlich kommt es aber stark darauf an, was für ein Nutzer Ihr seid. Seid Ihr ein „Bastler“ hat sicherlich die Smart Home zentrale CCU3 mehr Reiz für Euch. Diese bietet einfach mehr Funktionen, Statistiken und auch Erweiterungsmöglichkeiten.

Dies kommt aber zum Preis einer deutlich unintuitiveren Benutzeroberfläche und einem komplizierteren App Support.

Homematic IP hingegen ist auf den modernen Nutzer zugeschnitten, der sein Smart Home System via Smartphone bedienen möchte und ein einfaches und gut funktionierendes System erwartet.

Wie so oft bedeutet dies aber auch etwas den Wegfall von einigen Freiheiten.

Ich würde Euch das Homematic IP System vor allem für die Heizkörper Steuerung und die Nutzung als Alarmanlage empfehlen. Hier konnte ich im direkten Vergleich kaum Nachteile aber viele Vorteile gegenüber der Homematic Smart Home Zentrale* feststellen.

Die Smart Home Zentrale gefiel mir mit dem Wetter/Temperatur Sensoren, wie auch mit den diversen Schalt- und Messmodulen besser, vor allem aufgrund der detaillierten Statistiken.

Den meisten Nutzern würde ich aber aktuell zum Homematic IP System* raten. Letztendlich spricht aber nichts gegen beide Systeme(Ihr könnt auch beide Systeme in einem Haus nutzen, jedes für das was es am besten kann).

Unterm Strich aber nochmals meine Empfehlung für das Homematic System an sich. Kein anderes Smart Home System ist so vielfältig wie dieses.

Michael Barton

Vielen Dank fürs Lesen! Sollte mein Bericht euch geholfen haben würde ich mich über einen erneuten Besuch meiner Webseite und/oder dem Folgen meines Twitter freuen! Vielen Dank!

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3 Comments
Rooleristi

Um eine Entscheidung über die beiden Systemen zu erleichtern, würde ich euch raten mal einige Videos bei Youtube anzuschauen! Ich fand die Programmierung der CCU2 (CCU3) nicht so schwer, denn man findet alles im Netz und wenn man es einmal gemacht hat, geht das meiste Problemlos von der Hand. Mein Fernbedienung habe ich mit Mediola kreiert und als Steuerpult verwende ich mein altes Ipad2, das ich in die Wand verbaut habe! Ich verwende auch bereits beide Versionen der Aktoren und kann nur sagen, bei Neukauf nur IP Aktoren, die können einfach mehr! Angefangen habe ich mit der Automatisierung der Rollladen mit Sommerschaltung auf 70%, wird nur ausgelöst bei über 24 Grad vom Thermometer. Hinzu gekommen sind diverse Fensterkontakte und Wassermelder im Keller. Somit weiß ich welche Türe/Tor offen ist und ab 22:00 wird somit automatisch das Garagentor geschlossen, sollte es offen sein! Meldungen vom Keller bekomme ich per Mail aufs Handy! Und das alles ohne Programmierkenntnissen durchgeführt! Mein Fazit: Traut euch ruhig etwas mehr zu, auch wenn es nicht gleich beim ersten mal klappt, der Erfolg stellt sich aber ein!

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Ralf

Naja dem schön zu lesenden Vergleich fehlt eine für mich absolut entscheidende Information.
Das Homematic IP System hat einen Pferdefuß würde ich sagen, da es nur funktioniert wenn jemand die Cloud betreibt. Da wird man dem Hersteller ausgeliefert, so dass wenn der mal nicht will oder kann im Haus das Licht ausgeht. Dan sitzt man auf einer Installation ohne Steuerung.
Deshalb würde ich niemanden dieses System empfehlen. Es gibt ja das normale Homematic System (ohne IP) das funktioniert auch wenn es die liebe Cloud nicht mehr gibt oder diese mal nicht erreichbar ist.
Besonders bei Heizungssteuerung und Alarmanlage möchte ich dann doch lieber nicht ohne Steuerung sein.

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Peterh61

Irrtum sprach der Igel und stieg von der Bürste.
Spaß beiseite, ich habe mich für die Homematic IP Schiene mit der CCU3 entschieden, weil sie eben auch OHNE Cloud auskommt und nur Lokal betrieben werden kann. Außerdem stehen einem dann ALLE Komponenten beider Systeme zur Verfügung.

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