7 Lautsprecherkabel Querschnitte und Typen im Vergleich

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An sich ist der Kauf eines Lautsprecherkabels kein Hexenwerk, müsste man meinem. Allerdings gibt es hier durchaus Tücken.

Es gilt beispielsweise einen geeigneten Querschnitt zu wählen. Reichen 1,5mm oder doch lieber 2,5mm?!

Aber neben dem Querschnitt gibt es noch einen anderen wichtigen Faktor, das Material! „Aber Lautsprecherkabel sind doch alle aus Kupfer?!“ Wenn Ihr dies denkt, irrt Ihr Euch. Die meisten günstigen Lautsprecherkabel sind nicht aus Kupfer sondern aus Aluminium welches kupferbedampft wurde.

Aluminium ist natürlich ein sehr suboptimaler elektrischer Leiter. Das nun ein 2,5mm Kabel aus reinem Kupfer besser leitet als ein 2,5mm Aluminium/Kupfer Kabel sollte nicht die Überraschung sein.

Aber was wenn wir 1,5mm Kupfer haben, leitet dieses immer noch besser als das 2,5mm Aluminium/Kupfer Kabel? Wie sieht es mit noch exotischeren Materialien aus? Silber leitet noch besser als Kupfer, wie groß ist der Unterschied zwischen einem Silber- und einem Kupferkabel? All dies versuchen wir in diesem Bericht herauszufinden!

 

OFC und CCA

Wenn man bei Amazon oder auch im Handel sich Lautsprecherkabel ansieht, wird man oft über die OFC und CCA Kennzeichnung stolpern.

Was heißt OFC und CCA?

CCA steht für opper-clad Aluminium, also kupferbeschichtetes Aluminium.

OFC steht für Oxygen Free Copper, also reines Kupfer!

Solltet Ihr die Wahl haben, wäre ein OFC Kabel ganz klar zu bevorzugen. Allerdings ist natürlich Kupfer deutlich teurer als Aluminium, dementsprechend sind auch Aluminiumkabel günstiger als Kupferkabel.

Sofern man kein unbegrenztes Budget hat, hat man meist die Wahl zwischen einem dünneren reinen Kupferkabel oder dem dickeren Aluminiumkabel. Was ist besser? Dies wollen wir herausfinden!

 

Kupfer gegen Aluminium gegen Silber

Auch wenn man Kontakte gerne mit Gold beschichtet, ist Gold gar nicht so ein guter elektrischer Leiter.

Silber ist das Metall mit der besten Leitfähigkeit, vor Kupfer, vor Gold und vor Aluminium.

  • Silber: 62 · 106 S/m
  • Kupfer: 58 · 106 S/m
  • Gold: 45,2 · 106 S/m
  • Aluminium: 37,7 · 106 S/m

Quelle

Solltet Ihr Reich sein und Ihr wollt das beste Lautsprecherkabel, dann kauft eins aus Silber. Allerdings für den Normalnutzer ist dies eher unpraktisch. Ein Kg Silber kostet ca. 460€, Kupfer liegt bei 5,90€ und Aluminium bei 1,84€ pro Kg.

Es ist das silberne Aluminium im „Kupfer“ zu sehen

Hieran sieht man auch warum Aluminium Kabel nochmals ein gutes Stück günstiger ist als reines Kupferkabel.

Allerdings gibt es durchaus silbernes Lautsprecherkabel, welches für den normalen Nutzer bezahlbar ist. Ähnlich wie es kupferummanteltes Aluminium gibt, gibt es siberummanteltes Kabel aus Kupfer.

 

Die Kabel

Ich verwende auch gelegentlich Lautsprecherkabel für irgendwelche Niederspannungs Projekte. Hier ist natürlich eine gute Kabelqualität noch wichtiger als bei normalen Lautsprechern.

Dies war letztendlich auch die Veranlassung für diesen Bericht. Ich habe mir auf Amazon insgesamt sieben Lautsprecherkabel gekauft um diese praktisch zu testen.

Zwar hängt der Preis auch etwas von der Menge ab, die Ihr kauft, aber man kann grob sagen, dass Aluminiumkabel weniger als die Hälfte von Kupferkabeln kosten.

Das Silberkabel kostet rund das 10x von Aluminium und das 5x von Kupfer. Daher habe ich mir hier auch nur 4 Meter bestellt.

Auf den ersten Blick machen die Kabel alle samt einen brauchbaren Eindruck. Zwar wirkt das 0,75mm CCA Kabel von Manax extrem billig, aber dies spiegelt sich im Preis wieder.

Die Ummantelungsqualität ist beim Oehlbach Silverline Kabel ganz eindeutig die beste, gefolgt von dem KabelDirekt 1,5mm Kupferkabel.

Bei dem DCSk 25m Kupferkabel (2 x 0,75mm²) genau wie bei dem DCSk Lautsprecherkabel PROflat war mir die Markierung für Plus/Minus etwas sehr dezent, abseits davon wirkt die Qualität aber ausreichend.

 

Der Test

Es macht keinen Sinn die Kabel an einem Lautsprecher zu testen. Zwar erwarte ich hier klangliche Unterschiede, diese werden aber primär die Lautstärke bzw. Dynamik betreffen und sind daher nur schwer auszumachen.

Um die Qualität der Kabel, was ihre Leitfähigkeit angeht, besser zu beurteilen, habe ich diese einfach an eine Stromquelle gehängt und den Energieverlust über das Kabel gemessen.

Hierdurch ist es möglich den Wiederstand des Kabels zu errechnen.

Der genaue Versuchsaufbau sieht wie folgt aus. Alle Kabel wurden von mir an ein 5,2V USB Ladegerät gehängt. Hierbei habe ich jeweils eine Länge von 4 Metern von jedem Kabel getestet (effektiv 8 Meter da Hin- und Rückkanal). Auf dieses Kabel wurde eine Last von 3A gelegt und die Spannung am Anfang und Ende gemessen.

Umso höher der Spannungsverlusts über das Kabel ist umso schlechter ist dieses.

Wir sehen signifikate Unterschiede, welche allerdings auch nur bedingt eine Überraschung darstellen. Das schlechteste Kabel ist das 0,75mm CCA (Aluminium) Manax Lautsprecherkabel. Hier gab es über die Länge von 4(8) Metern einen Spannungsverlusts von über einem Volt!

Ganz grob ausgedrückt über 1/5 der Energie ist auf diese Distanz durch das Kabel verlorengegangen.

Dieser Wert würde natürlich bei höhere Längen nochmals deutlich steigen! Sobald wir allerdings etwas höhere Querschnitte auch beim Aluminiumkabel betrachten werden die Werte langsam akzeptabler.

Hierbei fällt auf, das grob gesagt Kupfer immer ca. eine „Stufe“ besser ist als Aluminium. Ein 2,5mm Aluminium Kabel entspricht grob dem 1,5mm Kupfer Kabel.

Wie steht es um das Silberkabel? Das Silberkabel war leicht besser als das Kupferkabel der gleichen Dicke. Allerdings muss man auch klar sagen, dieser Unterschied ist an sich zu gering, um das Silberkabel zu rechtfertigen.

Vielleicht bei super hohen Leistungen und sehr hohen Längen, aber nicht bei den üblichen 0-30 Metern und selbst darüber hinaus ist das Ganze als „Luxus“ zu betrachten.

Klanglich macht das Kabel im Übrigen ansonsten keinen Unterschied. Lediglich maximale Lautstärke und Dynamik können durch ein schlechtes Kabel beeinflusst werden.

 

Fazit

Lasst Euch nicht das billigste Lautsprecherkabel andrehen! CCA Kabel sind keine Kupferkabel, auch wenn diese gerne so vermarktet werden.

Dies muss kein Weltuntergang sein! Wenn es nur darum geht ein paar einfache Regallautsprecher, welche vielleicht 20-50W haben, mit Signal zu versorgen, reicht ein günstiges CCA Kabel mit einem 1,5mm Querschnitt durchaus aus, sofern das Kabel nicht länger als 3-4 Meter ist!

Von den super dünnen 0,75mm CCA Kabeln würde ich die Finger lassen, wenn es um mehr als 10-20W geht, andernfalls verliert Ihr zu viel Leistung.

Geht es allerdings um große Standlautsprecher, geht nichts über reine OFC Kupferkabel! Zwar würde ich günstigeres CCA Kabel mit einem hohem Querschnitt (2,5mm+) für kurze Distanzen auch als okay einstufen, aber letztendlich ist der Preisunterschied zwischen 1,5mm Kupferkabel und 2,5mm CCA Kabel nur sehr gering.

Das Silberkabel war gerade aus Sicht der Preis/Leistung mäßig sinnvoll. Zwar konnte ich minimal bessere Werte messen, aber sofern Ihr nicht 100 Meter Kabel mit einem 2,5mm Querschnitt verwenden wollt/müsst, ist ein gutes Kupferkabel gleich gut. Allerdings sieht das Silberkabel schon cool aus.

Zusammenfasst, was für Kabel würde ich empfehlen?

Alles darüber hinaus 2,5mm oder sogar mehr Kupferlautsprecherkabel.

Michael Barton
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4 Kommentare

  1. Super, danke dir für diesen Test. Dann kann ich ja beruhigt die geplanten 2.5mm2 OFC Kabel für meine Kera 360.2 Standlautsprecher besorgen.

  2. Gut gemacht, nicht so gut recherchiert.
    Weder der Spannungsbereich hat etwas mit modernen Lautsprechersignalen zu tun, noch der Frequenzbereich. Es handelt sich bei Audiosignalen wohl bekannt nicht um eine lineare Gleichspannung, sondern um „gepulste“ frequenzmodulierte überlagerte Spannungen.
    Nur soviel : einen wesentlichen Beitrag zum „hören“ haben hier die Anzahl der Adern.
    Allgemein ist bekannt, dass Lautsprecherkabel als Litze aus möglichst vielen, feinen Adern besten. Dies dient aber nicht dafür, um sich mit den aufgedröselten Enden der Kabeln sanft die Wange zu streicheln, sondern dienen zur maximalen Vergrößerung der Oberfläche innerhalb des Kabels.
    Also müsste man, wenn man schon die Querschnitte vergleicht, auch gleich die Anzahl der Litzen innerhalb des Kabels und deren einzelnen Querschnitt nennen.
    ( Zum Vergleich etwas trivial formuliert: „Es gibt viele Autos die 200 km/h auf der Geraden erreichen, nur die wenigsten kommen damit auch durch die nächste Kurve“ )
    Also nicht böse sein, wenn jetzt ein etwas überheblicher Satz folgt:
    Das kommt dabei heraus, wenn interessierte Laien Elektronik messen.
    ( „Wer misst, misst Mist“ sagte mein Prof. immer; langsam verstehe ich, was er meinte … )

    • Interessant wäre noch ob es wirklich das OFC Kabel Sein muss, wäre ein Kupferkabel welches nicht Sauerstoff frei ist nicht sinnvoller?

  3. Trotzdem vielen Dank für diese Vergleichsmessungen. Ja, es gibt noch weitere Faktoren. Dennoch wenn das Auto die 200 km/h nicht schafft, dann kommt es auch nicht schnell um die Kurve. Aus den Messungen oben habe ich die unterschiedlichen Leitfähigkeiten entnehmen können. Und Dein Fazit, Michael, erscheint mir passend. Und ja, Joe, wir sollten kein massives Kupferverlegekabel im Audiobereich verwenden ;-)

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