Sennheiser GSP 500 – neue Gaming Headset Referenz?

Wer auf der Suche nach einem Headset mit offener Bauweise ist, wird feststellen, dass die Auswahl an guten Geräten schlicht mager ausfällt. Sennheiser ist einer der wenigen Hersteller, der seit Jahren ihr Portfolio kontinuierlich erweitert und verbessert. Ihr neuster Wurf ist das Sennheiser GSP 500, dessen Wurzeln auf das legendäre PC360 zurückzuführen ist.

Sennheiser GSP 500 im Detail:

Mit der Einführung der GSP-Serie hat Sennheiser einen neuen Weg im Design ihrer Gaming Peripherie eingeschlagen. Während beispielsweise das Sennheiser Game Zero eher einem klassischen Kopfhörer mit zusätzlich angebrachten Mikrofon entspricht, sieht man dem Sennheiser GSP 500 auf dem ersten Blick den Primäreinsatzzweck Gaming an. Nahezu jedes Bauteil des Headsets fällt wuchtig aus. Seien es nun die großen, ovalen Ohrmuscheln, der relativ steife Mikrofonarm, die silbernen Scharniere, die mit dem Hersteller Logo versehene Höhenarretierung oder das besonders breite Kopfhörerband. Unterstrichen wird der Eindruck mit der verspielten schwarz-roten Farbwahl des Gehäuses.

Auf der linken Seite der Kopfhörermuschel wurde nicht nur das erwähnte Mikrofon verbaut, sondern auch der Eingang für das Audiokabel. Der Stecker ähnelt stark dem einer regulären 2,5mm Klinke. Zur Befestigung wird das Kabel schlicht in die Buchse ohne weitere Dreharretierung, wie es bei dem Sennheiser HD598 der Fall ist, gesteckt. Dem Headset werden insgesamt zwei Stoffummantele Kabel für den Einsatz am PC (2,5 Meter, 2 x 3,5mm Klinke) respektive an der Konsole und Smartphone (1,5 Meter, 1 x 3,5mm Klinke) beigelegt. Ersatz kann unter anderem direkt bei Sennheiser für einen schmalen Taler von 18€ bzw. 20€ geordert werden. Dank eines niedrigen Innenwiderstandes von lediglich 28 Ohm ist das Headset an jedem erdenklichen Audiogerät lauffähig.
Auf der rechten Seite befindet sich das großes Drehrad zur Lautstärkeregulierung. Damit umgeht der Hersteller geschickt zwei Probleme einer klassischen Kabelfernbedienung. Weder treten bei Berührung mit dem Oberkörper Störgeräusche auf, noch kann man versehentlich die Lautstärke ändern.

Als Materialmix kommt primär Hartplastik sowie Metall für die beiden Scharnieren zum Einsatz. Das Kopfband, welches großflächig mit Velour Polster versehen ist, besteht aus flexiblen Kunststoff, das sich angenehm an die Kopfform anpasst. An der Verarbeitung gibt es kaum etwas auszusetzten. Die Kunststoffabdeckungen erweisen sich materialstark, die Nähte sind sauber gefertigt und die Mechanik an allen verstellbaren Elementen laufen einwandfrei.

Gegenüber dem Geschwister Modell Sennheiser GSP 600 sind nicht nur die Seitenabdeckungen offen, sondern es kommen anstelle von Kunstleder, Polster aus weichem, atmungsaktivem Velour zum Einsatz. Dies wirkt sich nicht nur positiv auf dem Tragekomfort aus, es beeinflusst zudem die Klangcharakteristik. Zu Beidem später mehr. Bei Bedarf können die Polster mit einem Handgriff entfernt und getauscht werden. Ein weiterer Punkt, der für die Langlebigkeit des Headsets spricht.

Tragekomfort:

Mit fast 400 Gramm ist das Sennheiser GSP 500 alles andere als ein Leichtgewicht. Es ist also umso wichtiger, dass das Headset perfekt auf dem Kopf anliegt und sich die Last gleichmäßig verteilt. Um dies zu erzielen, verfügt es nicht nur über die obligatorische Höhenverstellung der Ohrmuscheln, sondern auch über einen Mechanismus zur Veränderung der Kopfbügelspannung. Diese wird über einen Regler an der Oberseite des Kopfbandes angepasst.Der Effekt fällt zwar geringfügiger aus als das, was das Werbevideo vermuten lässt, der Unterschied ist dennoch spürbar. So wäre mir der Anpressdruck bei der standardmäßigen Einstellung schlicht zu hoch. Anstelle nun den Kopfhörer über Nacht zwischen Büchern zu spannen, wie es manch ein anderer deutscher Hersteller empfiehlt, muss man nur die Schieberegler verstellen.

Eine Neuerung sind zudem die aus Metall gefertigten Gelenke zur Aufhängung der Ohrmuscheln. Sie lassen sich um bis zu 45° drehen und passen sich angenehm der Kopfform an. Als komfortabel weich fällt auch die großflächige Bepolsterung aus. Das atmungsaktive Gewebe verhindert bei längeren Spielesaisons Schweißbildung Rund um die Ohrregion. Als Träger einer Brille mit breiten Bügeln kann ich zudem vollständige Entwarnung geben. Selbst nach mehrstündiger Arbeit mit dem Gerät konnte ich keine schmerzenden Druckstellen feststellen.

Klang:

Dass Headsets einen schlechten Ruf bezüglich Klangqualität haben, ist in vielen Fällen nicht von der Hand zu weisen. Mit einer gewissen Zurückhaltung durfte das Sennheiser auf meinem Kopf Platz nehmen. Die anfängliche Vorbehalten waren völlig unbegründet und wurden beim erste Probehören direkt hinfort gespült. Ich garantiere, euch wird das Sennheiser GSP 500 ebenso überraschen. Warum? Es klingt nicht wie ein typisches Headset!

Wie bereits geschrieben, setzt Sennheiser mit dem GSP 500 auf einen offenen Aufbau. Dadurch werden Außengeräusche nur geringfügig abgeschwächt. Ihr werdet also nicht von der Welt abgekapselt. Dies ist ebenso umgekehrt der Fall. Die Außenwelt bekommt von dem abgespielten Ton ebenfalls etwas mit. Desweitern hört sich eure eigene Stimme, wenn ihr sprecht, gewohnt natürlich und nicht gedämpft an.
Auch die Klangcharakteristik verändert sich maßgeblich. Durch die Bauweise besitzt das Sennheiser GSP 500 für ein Headset eine unglaubliche Räumlichkeit. So macht es nicht nur Spaß, bei Musik den Stellplatz der Instrumente in der gedachten Bühne auszumachen, sondern ein genaues Orten von Gegnern in Spielen wird dadurch besser ermöglicht. Interessant ist vor allem die räumliche Position im Vergleich zu dem Studiokopfhörer Sennheiser HD650. In einem virtuellen Saal, indem die Instrumente in einem Halbkreis aufgebaut sind, befindet man sich mit dem Sennheiser GSP 500 nahezu zentral. Töne, die direkt von rechts oder links kommen, werden auch so wahrgenommen. Der Sennheiser HD650 fühlt sich dabei distanzierter an, als ob man einen großen Schritt nach hinten gemacht hätte.

Im Widerspruch zur Gaming Aufschrift steht hierbei die klangbildliche Abstimmung, denn im Gegensatz zu vielen typischen Headsets werden nicht die Mitten, mit dem Hintergrund Schrittgeräusche bewusst hervorzugeben, angehoben, sondern vielmehr die Höhen und insbesondere die Tiefen betont. . Viele Modelle von Beyerdynamic setzten auf diese Badewannen Charakteristik und auch die Softwarelösung „SBX Pro Studio Crystalizer“ von Creative macht nichts anderes. Man schränkt das Einsatzgebiet daher nicht auf Spiele ein, sondern kann das Headset auch im alltäglichen Betrieb genießen.

Was die eigentliche Klangqualität angeht, muss sich das Sennheiser GSP 500 nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Der Bass wird präzise sowie mit einem gewissen Punch wiedergegeben und die zurückhaltenden Mitten werden in jeder Situation sauber dargestellt. Eine kleinere Schwäche zeigt sich jedoch beim Übergang zwischen dem mittleren Frequenzbereich und den etwas kalten Höhen. Das Headset schafft es nicht, jenen Raum in ähnlich hoher Auflösung darzustellen. Davon abgesehen braucht sich das Sennheiser GSP 500 nicht vor meinen ähnlich teuren Kopfhörer Sennheiser HD598 verstecken.

Mikrofon:

Kommen wir nun zu dem Bauteil, was einen Kopfhörer von einem Headset unterscheidet: dem Mikrofon. Der relativ starre Mikrofonarm lässt mich mit wenig Kraftaufwand in die gewünschte Position vor dem Mund platzieren. Gleichzeitig ist der Halt des Gelenks ausreichend hoch, dass selbst bei schneller Kopfbewegung eher das Headset vom Kopf fällt als sich der Mikrofonarm verstellt. Ab einem Einstellwinkel von unter 45° wird das Mikrofon mechanisch, das durch ein hörbares Klicken bestätigt wird, deaktiviert. Insbesondere bei Verwendung an der Konsole, wo man keinen dedizierten Mute Button auf eine Taste programmieren kann, ist dies ein unkompliziertes Komfortfeature. Gleichzeitig verschwindet der Arm aus dem Sichtfeld, sodass man sich besser auf das Geschehen vor einem konzentrieren kann. Wie immer auf Techtest wird eine entsprechende Testaufnahme mit dem Mikrofon aufgenommen.

Die Klangqualität kann sich sehen lassen. Die Stimme wird deutlich und laut aufgenommen. Für die leicht näselnde Stimme ist der aktuelle Pollenflug verantwortlich. Dies bitte ich zu entschuldigen. Das Mikrofon erfüllt alle Anforderungen für Skype, Teamspeak oder Discord Gespräche. Selbst angehende Twitch Streamer werden damit ihre Freude haben.

Fazit:

Mit dem Sennheiser GSP 500 haben wir ein in vielerlei Hinsicht besonderes Headset auf dem Prüfstand gehabt. Dies fängt schon bei dem extravaganten Design an und hört bei der offenen Bauweise auf. Diese vermittelt einem nicht nur ein Gefühl von Räumlichkeit und Freiheit, sondern sorgt für eine gute Lokalisierung von anderen Spielern. Die Klangqualität auf beinahe Kopfhörer Niveau bereitetet einem – abseits der virtuellen Spielewelten – viel Spaß bei Film und Musik. Für eine verständliche (einwandfreie?) Kommunikation mit der Außenwelt bedingt das gute Mikrofon.

Der Hersteller hat sich auch viele Gedanken bezüglich des Tragekomforts gemacht. Die Einstellbarkeit der Kopfbügelspannung erweist sich ich als ein simples aber effektives System für einen komfortablen Sitz. Für eine lange Lebensdauer spricht neben der sehr guten Materialverarbeitung auch der kostengünstige sowie einfache Austausch der Hauptverschleißteile Audiokabel und Ohrpolster.
So kristallisiert sich das Sennheiser GSP 500 als ein waschechter Allrounder heraus. Egal welches Szenario man das Headset aussetzt, es zeigt dabei stets eine gute Figur. Sei es nun mobil am Smartphone, an der Konsole oder am PC. Der relativ hohe Preis von ca. 220€ ist durch das runde Gesamtpaket gerechtfertigt.

Nicolas Guggenberger

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