Kingston DC600M im Test, eine Datacenter SSD fürs Heimische NAS?

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Wenn du auf der Suche nach einer besonders zuverlässigen SATA SSD für dein NAS oder Home-Server bist, hast du einige Optionen, beispielsweise die WD Red SSDs.

Allerdings setzen SSDs wie die WD Red SA500 auf normale “Consumer” Technik. Willst du wirklich etwas Zuverlässiges und Professionelles, dann musst du zu Modellen wie der Kingston DC600M greifen.

Die Kingston DC600M ist eine richtige Data Center SSD mit entsprechender Hardware. Allerdings ist auch diese letztendlich auch “nur” eine SATA SSD.

Wollen wir uns die Kingston DC600M doch einmal im Test ansehen, auch im Vergleich zur WD Red SA500.

An dieser Stelle vielen Dank an Kingston für das Zurverfügungstellen der DC600M für diesen Test.

 

Kingston DC600M im Test

Obwohl es sich bei der DC600M um eine Enterprise-SSD handelt, setzt diese auf den normalen SATA-Formfaktor und passt entsprechend in jedes normale NAS oder jeden Desktop-PC.

Auffällig ist jedoch, dass das Gehäuse der SSD vergleichsweise dick und massiv gebaut ist, gerade im Vergleich zu den WD Red Modellen. Ansonsten sieht die SSD sehr professionell und hochwertig aus.

 

Controller und NAND

Die Kingston DC600M setzt auf den Phison PS3112-S12DC Controller. Der Phison PS3112-S12DC ist ein Enterprise SATA SSD Controller, welcher auf Zuverlässigkeit und eine hohe konstante Leistung ausgelegt ist.

Mehr zu diesem findest du direkt bei Phison.

Auf Seiten des NANDs kommt allerdings recht klassischer BiCS5 zum Einsatz. BiCS5 stammt vom Hersteller KIOXIA und ist in vielen SSDs verbreitet, von normalen Consumer Modellen bis hin zu großen Enterprise SSDs.

Entsprechend nutzt die DC600M TLC NAND.

 

Mit Power-Loss Protection

Die DC600M verfügt über Power-Loss Protection. Das bedeutet, in der SSD sind Kondensatoren verbaut, die im Falle eines plötzlichen Stromausfalls der SSD genug Zeit geben, Daten im DRAM Cache im NAND zu speichern.

Dies haben normale SATA SSDs nicht und kann helfen, Datenverlust bei Stromausfällen zu vermeiden.

 

Im Inneren

Ich habe auch einen Blick ins Innere der DC600M gewagt und hier sehen wir einige spannende Punkte.

Neben den auffälligen Kondensatoren ist zu sehen, wie voll das PCB ist. Zum Vergleich hier die 4TB WD Red SSD.

WD RED SA500

So verfügt die DC600M über satte 10 Speicherbausteine (Kingston FB51208UCT1 BiCS5), was für eine SSD selbst mit 4 TB bzw. 3,84 TB unüblich ist. Entsprechend hat Kingston den BiCS5 etwas weniger eng gepackt, was bei der Hitzeverteilung und eventuell auch Zuverlässigkeit hilft.

Hinzu kommen gleich 4 RAM Speicherchips von Micron (Micron D8CJV) mit jeweils 2GB. Entsprechend verfügt die SSD über 8 GB DDR4 DRAM!

Dies ist sehr viel für eine SSD und erklärt auch, warum die Power Loss Protection hier so wichtig ist. Der große DRAM soll helfen die Leistung der SSD konstant zu halten und verbessert zudem die Haltbarkeit.

Weitere Pluspunkte gibt es für die Wärmeleitpads, auf welche beispielsweise WD bei seinen neueren SATA SSDs komplett verzichtet.

 

Datenraten

Die Kingston DC600M gibt es mit 480GB, 960GB, 1,92TB, 3,84TB und satten 7,68TB. Abseits der kleinen 480 GB Version bieten alle Modelle laut Kingston folgende Datenraten:

  • 560 MB/s lesend
  • 530 MB/s schreibend

Damit hängt die SSD absolut am SATA 6GB/s Limit.

 

Extrem hohe TBW

Die Haltbarkeit und Datensicherheit ist bei der Kingston DC600M der wichtigste Faktor. So bietet die SSD eine Garantie von 5 Jahren und eine sehr hohe TBW, gerade für eine SATA SSD.

Die TBW Angabe sagt an sich nicht direkt etwas über die Haltbarkeit aus. Sondern eher über das Vertrauen des Herstellers in seine SSD und die Bereitschaft im Fall des Falles diese auszutauschen.

Bei der 960 GB bzw. 1 TB Version haben wir einen TBW Wert von 1750 TB, was sehr hoch ist! Gerade da SATA SSDs oftmals deutlich niedriger geratet werden als NVME SSDs.

So wirbt die WD Red SA500 (SATA SSD) lediglich mit einem TBW Wert von 600 TB.

 

Testsystem

Folgendes Testsystem kommt für folgende Benchmarks zum Einsatz

  • AMD Ryzen 5 7600X
  • ASUS ROG Strix X670E-E Gaming WIFI
  • 16GB RAM
  • Windows 11 Pro 22H2

 

Benchmarks der Kingston DC600M (CrystalDiskMark, AS SSD, Anvil’s Storage Utilities)

Starten wir mit CrystalDiskMark in den Test der Kingston DC600M. CrystalDiskMark ist der bekannteste und auch beste Speicher Benchmark, wenn es um die Ermittlung der maximalen Datenraten unter optimalen Bedingungen geht.

So beginnt der Test doch gut, die DC600M kann mit 563 MB/s lesend und 539 MB/s schreibend die Herstellerangabe ein Stück weit übertreffen. Hiermit ist diese absolut am Limit der SATA Verbindung.

Verglichen mit den anderen SSDs im Testfeld fällt vor allem die sehr gute Schreibleistung auf, welche alle anderen SATA Modelle übertrifft. Lesend ist diese auch sehr stark und gerade einmal 5 MB/s hinter dem Top-Modell.

Auch im AS SSD Benchmark zeigt sich die DC600M sehr stark! Diese muss sich hier lediglich der Samsung 870 EVO knapp geschlagen geben, liegt aber merklich vor der WD Red SA500.

Fast das gleiche Bild sehen wir in Anvil’s Storage Utilities. Hier ist aber auffällig, dass die SSD schreibend im Verhältnis doch ein gutes Stück stärker ist als lesend. Dies werden wir auch noch in anderen Benchmarks sehen.

 

PC Mark

Der PC-Mark SSD Test versucht, alltägliche Anwendungen wie Büroanwendungen und Spiele zu simulieren. Entsprechend präsentiert sich dieser Test etwas alltagsnäher als reine “Benchmarks” wie wir diese zuvor hatten.

Es stehen drei Testoptionen zur Verfügung: die „Quick“-Variant, “Data” und die „volle“ Version. Die „volle“ Version nutzt größere Dateigrößen, was dazu führt, dass SSDs mit langsamer Schreibgeschwindigkeit oder aggressiven Schreibcaches schlechter abschneiden.

Hier sehen wir in dem “Quick” und “Full” Test ein überraschend schlechtes Abschneiden SSD. Wobei dies vermutlich gar nicht so überraschend ist, denn die DC600M ist weniger für die Nutzung als System Laufwerk ausgelegt und mehr als “Daten-Laufwerk”.

Dies zeigt auch das sehr gute Abschneiden in der Data-Drive Kategorie.

 

3D Mark SSD Test

Wo PC Mark die Allround Leistung eines Systems messen soll, spezialisiert sich 3D Mark hingegen auf die Messung von Spieleladenzeiten. Diese werden dabei intern richtig “simuliert” und es gibt nicht einfach nur eine theoretische Messung.

Folgendes testet der 3D Mark SSD Test:

  • Loading Battlefield™ V from launch to the main menu.
  • Loading Call of Duty®: Black Ops 4 from launch to the main menu.
  • Loading Overwatch® from launch to the main menu.
  • Recording a 1080p gameplay video at 60 FPS with OBS (Open Broadcaster Software) while playing Overwatch®.
  • Installing The Outer Worlds® from the Epic Games Launcher.
  • Saving game progress in The Outer Worlds®.

Auch hier sehen wir ein erneutes mittelmäßiges Abschneiden der DC600M. Was Ladezeiten angeht scheint diese nicht die schnellste SSD auf dem Markt zu sein.

 

Praxis-Test

Kopieren wir zum Schluss noch zwei große Archive auf die SSD, welche wir anschließend von dieser entpacken. Dieser Benchmark ist auch repräsentativ für beispielsweise das Installieren von Spielen und Programmen.

  • Datei-Paket A – Installation von Tiny Tinas Wonderland ca. 52GB
  • Datei-Paket B – Installation von Tiny Tinas Wonderland, Total War Warhammer 3 und GW2 ca. 231 GB

Dies ist wiederum ein Test welcher der DC600M zu liegen scheint. Hier schafft es die SSD die anderen Modelle signifikant zu schlagen, was für eine sehr konstante Leistung spricht.

Dies ist aber auch nicht unerwartet, denn dies ist eine Art Test für welche die DC600M auch eher gedacht ist.

 

SLC Cache

Kommen wir zum Abschluss noch auf einen wichtigen Punkt zu sprechen, den SLC Cache. Auch wenn es manchmal unglaublich erscheint, moderner NAND ist schreibend um einiges langsamer als wir es teils denken.

So schafft kaum eine SSD konstant über 2000 MB/s. Alles darüber hinaus ist in der Regel ein sogenannter SLC-Cache.

Die meisten aktuellen SSDs nutzen TLC oder QLC NAND, welcher entsprechend mit 3 oder 4 Bit pro Zelle beschrieben wird. Umso mehr Bits wir in eine Zelle schreiben, umso komplexer wird der Schreibvorgang, was diesen langsamer macht.

Dabei potenziert sich das Problem, je mehr Bits wir pro Zelle schreiben. QLC ist hier entsprechend nochmals deutlich langsamer als TLC.

Um dies in der Praxis zu kompensieren, nutzen viele SSDs (gerade NVME SSDs) einen “SLC” Cache. Hierbei wird der NAND Temporär nur mit einem Bit pro Zelle beschrieben, was die Geschwindigkeit signifikant erhöht.

Bei einer Datacenter SSD wie der Kingston DC600M wäre eine besonders gleichmäßige und hohe Leistung zu erwarten.

Aber ist das auch in der Praxis der Fall? Dies teste ich mit H2Testw, welches die SSD einfach voll schreibt.

Und ich glaube zu diesen Ergebnissen gibt es nicht viel zu sagen. Ein herausragendes Abschneiden der DC600M!

Dies zeigt sich auch wenn wir uns die reinen Datenraten während des Tests ansehen. Hier sehen wir, dass die Schreibrate der SSD absolut stabil ist. Lediglich die Samsung 870 EVO bietet ebenfalls eine stabile Schreibrate.

Beispielsweise die WD Red SA500 ist doch ein gutes Stück wackeliger.

 

Fazit

Wenn du eine SATA SSD mit maximaler Zuverlässigkeit und einer extrem konstanten Leistung suchst, ohne dabei irrsinnig viel Geld investieren zu müssen, dann ist die Kingston DC600M das Modell deiner Wahl!

Zwar ist auch die Kingston DC600M recht teuer, aber gerade verglichen mit beispielsweise den WD Red SATA SSDs auch nicht unbezahlbar.

Im Gegensatz zu den WD Red Modellen, welche in der Regel auf normale Endkunden-Hardware setzen, nutzt die Kingston DC600M echte “Server” Technik und eine entsprechende interne Qualität.

Angefangen beim professionellen Phison PS3112 Controller, über die Power Loss Protection bis hin zu Kleinigkeiten wie den internen Wärmeleitpads (welche sich mittlerweile fast alle Hersteller bei SATA SSDs sparen) haben wir hier eine sehr robuste SSD vor uns.

Dies bestätigt sich auch bei der Leistung. Als System SSD gibt es auch im SATA-Bereich durchaus etwas schnellere Modelle, beispielsweise die Samsung 870 EVO, welche auch sehr stark ist. Die große Stärke der DC600M ist die konstante Leistung, gerade schreibend.

Hier arbeitet diese beispielsweise ein gutes Stück stabiler als die WD Red SA500 und hält absolut stabil vom ersten bis zum letzten Byte ihre Schreibleistung.

Gerade in einem Server oder NAS und einem RAID-Verbund eine sehr wichtige Eigenschaft.

Auch als SSD Cache wäre die Kingston DC600M hervorragend einzusetzen. Dies auch dank des sehr hohen TBW-Werts, welcher z.B. die Samsung 870 EVO, welche als einzige Endkunden SSD mithalten kann, deutlich übertrifft.

Kurzum die Kingston DC600M ist absolut empfehlenswert, wenn du eine schnelle, zuverlässige SATA SSD mit konstanter Leistung und Profi-Qualität suchst.

Kingston DC600M
POSITIV
Die DC600M bietet eine hohe Zuverlässigkeit und Haltbarkeit
Power-Loss Protection
Konstante Leistung: Sehr stabile Schreibleistung über die gesamte Kapazität hinweg
Hoher TBW Wert
Qualität der Komponenten: Einsatz von professionellen Komponenten wie dem Phison PS3112-S12DC Controller
Integrierte Wärmeleitpads
NEGATIV
SATA-Schnittstelle begrenzt die maximalen Datenraten deutlich
Gehobener Preis
Performance als Systemlaufwerk eher Mittelmäßig. Die DC600M ist klar für die Nutzung als Datenlaufwerk optimiert.
90

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Michael Barton
Michael Barton
Hi, hier schreibt der Gründer und einzige Redakteur von Techtest.org. Vielen Dank für das Lesen des Beitrags, ich hoffe dieser konnte dir weiterhelfen. Mehr Informationen über den Autor

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