Günstig vs. Teuer, lohnt sich eine teurere AIO? ASUS vs. Thermalright

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Wenn es um die PC-Kühlung geht, sind AIO-Wasserkühlungen ohne Frage das beliebteste Mittel der Wahl.

Allerdings gibt es hier große Preisspannen! Einfache Modelle bekommst du problemlos für 50–60 €, selbst mit großen 360-mm-Radiatoren, während die Premium-Modelle 150 €+ kosten.

Hier stellt sich die Frage: Wie groß sind die Unterschiede in der Praxis wirklich? Um dies zu klären, schicke ich die Thermalright Frozen Notte 360 und das ASUS TUF Gaming LC III 360 in den Vergleich.

Beide Modelle besitzen einen 360-mm-Radiator, preislich ist aber der Unterschied enorm!

So kostet das ASUS-Modell fast 3x so viel wie das Thermalright. Sehen wir einen großen Unterschied bei der Kühlleistung? Oder ist der Preisunterschied nur der Optik und dem Herstellernamen geschuldet?

 

Unterschiede gering?

Oft hört man die „Weisheit“, dass die Unterschiede bei AIOs minimal seien. Woher kommt diese Aussage?

Viele AIOs basieren auf einem Asetek-Design. Asetek hatte sich 2005 ein Patent gesichert, das die Integration von Pumpe und CPU-Kühlblock abdeckte. Dieses Patent zwang über 20 Jahre lang die meisten Marken dazu, ihre AIOs bei Asetek fertigen zu lassen oder das Design zu lizenzieren, sonst drohten Klagen. Gerade in den früheren Generationen kam daher in vielen AIOs dieselbe oder eine sehr ähnliche Pumpe zum Einsatz, was die Leistungsunterschiede überschaubar machte. Mehr zum klassischen Asetek-Aufbau findest du auch in meinem Test der NZXT Kraken Z63 RGB.

So halte ich es auch hier für gut möglich, dass die ASUS TUF Gaming LC III 360 AIO auf ein Asetek-Design setzt.

Wichtig zu wissen: Im Mai 2025 ist das Asetek-Patent ausgelaufen. Hersteller können sich seitdem frei austoben, und das sieht man bereits an der wachsenden Design-Vielfalt am Markt.

Schon vorher haben einige Hersteller das Patent kreativ umgangen. Bei der Thermalright Frozen Notte 360 z. B. sitzt die Pumpe nicht im CPU-Block, sondern in einer Verdickung im Schlauch. Ein kleiner, aber feiner Designunterschied. In diesem Fall sind die AIOs also durchaus etwas anders aufgebaut.

 

Große Unterschiede bei Design und Bonus-Funktionalität

Große Unterschiede zwischen Modellen der verschiedenen Preisklassen sehen wir vor allem beim Design und der Ausstattung.

Erstaunlicherweise bzw. erfreulicherweise ist auch die Thermalright Frozen Notte 360 V2 bereits recht gut ausgestattet und, wie ich finde, auch schick designt.

So habe ich hier die weiße Version, welche nicht nur über RGB-Lüfter verfügt, sondern auch über einen Pumpenkopf mit Spiegeldesign und RGB-Beleuchtung. Diese lässt sich auch über dein Mainboard (und einen entsprechenden Header) frei anpassen und steuern.

Für 54 € alles andere als schlecht!

ASUS setzt hier mit der TUF Gaming LC III 360 ARGB LCD aber noch einen drauf. Neben RGB-Lüftern haben wir hier vor allem ein kleines LCD-Display auf dem Pumpenkopf. Dieses kann nicht nur diverse Designs anzeigen, sondern auch verschiedene Systeminformationen.

Nett, wenn du ein entsprechendes Seitenfenster hast.

Kleinere „Luxusunterschiede“ sehen wir bei der Verkabelung. Bei der Thermalright Frozen Notte 360 V2 hat jeder Lüfter ein eigenes Kabel und ein eigenes RGB-Kabel, also viel Kabelsalat.

Bei der ASUS TUF Gaming LC III 360 sind z. B. die 3x 120-mm-Lüfter „eine Einheit“ mit einem Kabel = deutlich weniger Kabelsalat.

 

Deutliche Unterschiede bei der Halterung

Weitere Unterschiede sehen wir bei der Montage und der Halterung. Ich habe beide AIOs auf der AM5-Plattform genutzt.

Die Thermalright Frozen Notte 360 V2 nutzt einfach die „AM4“-Halterung mit zwei seitlichen Clips. Das ist die einfachste und vermutlich auch günstigste Methode.

ASUS hingegen nutzt eine komplett eigene Halterung, welche in der Backplane verschraubt wird.

Theoretischer Vorteil: ein besserer und vor allem gleichmäßigerer Anpressdruck.

Ich bevorzuge hier das ASUS-Design klar.

 

Testsystem mit AMD Ryzen 5 7600X, sehr schwer zu kühlen!

Du fragst dich vielleicht: Ein „nur“ Ryzen 5, was soll daran schon schwer zu kühlen sein? Die Antwort: einiges!

Der AMD Ryzen 5 7600X gehört trotz seiner Mittelklasse-Positionierung zu den anspruchsvollsten CPUs am Markt, wenn es um die Kühlung geht. Der Hauptgrund liegt im Chiplet-Design der Zen-4-Architektur.

Der 7600X besitzt ein einzelnes CCD (Core Complex Die), gefertigt im 5-nm-Prozess bei TSMC. Dieses Chiplet ist mit rund 70 mm² extrem klein, und genau hier liegt das Problem. Auf dieser winzigen Fläche werden bis zu 142 W abgeführt. Die resultierende Hitzedichte ist absurd hoch!

Zum Vergleich: Ein Ryzen 9 7900X verteilt seine Last auf zwei CCDs und ist im Verhältnis sogar leichter zu kühlen, obwohl er insgesamt deutlich mehr Hitze produziert. Beim 7600X kommt die gesamte Wärme aus einem einzigen, winzigen Punkt.

Dazu kommt: AMD hat den Heatspreader (IHS) bei den Ryzen 7000er bewusst sehr dick gestaltet, damit ältere AM4-Kühler weiterhin passen. Nett für die Kompatibilität, fügt aber eine zusätzliche thermische Barriere zwischen Die und Kühler hinzu.

Und das Sahnehäubchen: Zen 4 ist so designt, dass die CPU bis 95 °C boostet, das ist von AMD so gewollt. Der Prozessor erhöht seinen Takt einfach so lange, bis er thermisch ins Limit läuft. Bei einer schwächeren Kühlung throttelt er entsprechend früher und du verlierst Boost-Takt und damit Leistung. Wenn du das Verhalten zähmen willst, findest du in meiner Anleitung, AMD Ryzen 7000 kühler und sparsamer zu machen, die passenden BIOS-Einstellungen.

Für unseren AIO-Vergleich ist das ideal! Genau hier zeigt sich, was eine gute Wasserkühlung wirklich kann und wo die Unterschiede zwischen Thermalright Frozen Notte 360 und ASUS TUF Gaming LC III 360 in der Praxis sichtbar werden.

 

Leistungsvergleich

Kommen wir zum spannenden Punkt: der Leistung. Vergleichen wir hier die CPU-Temperatur bei einem 10-minütigen Durchlauf von Cinebench R23. Dies bei 100 % Pumpen-Power und 100 % und 50 % Lüftern.

Und hier gibt es eine Überraschung!

Die Thermalright Frozen Notte 360 WHITE ARGB V2 schafft es NICHT, den AMD Ryzen 5 7600X zu kühlen!

Egal bei welcher Lüfter-Einstellung, springt die Temperatur sofort auf 95 Grad. Das sagt mir: Das Problem ist die Abfuhr der Wärme bzw. der Sitz des Kühlers.

Ich habe mehrfach überprüft, ob der Kühler sauber sitzt, und ich habe die Wärmeleitpaste getauscht, keine Änderung. Auch sah der Abdruck auf der Wärmeleitpaste „sauber und gleichmäßig“ aus. Ich kann mir das extrem schwache abschneiden nicht zu 100% erklären.

Die ASUS TUF Gaming LC III 360 ARGB LCD Wasserkühlung schlägt sich deutlich besser. Wir sehen hier zwar auch hohe Temperaturen, wie es beim AMD Ryzen 5 7600X üblich ist, aber bei 100 % Lüftergeschwindigkeit pendelt diese sich bei ca. 84 Grad ein. Bei 50 % bei ca. 89–90 Grad.

Heißt: Die CPU kann die volle Leistung liefern.

Wie kommt es, dass die Thermalright Frozen Notte 360 WHITE ARGB V2 so schlecht abschneidet? Ich nehme an, das CPU-Wasserblock-Design wird hier entweder nicht gut mit der extrem punktuellen Wärme des Ryzen 5 7600X klarkommen, oder durch die einfache Halterung ist der Anpressdruck nicht optimal bzw. nicht gleichmäßig.

Und ja, die Pumpe schien zu laufen (andernfalls hätte die AIO auch nicht 60 W+ Wärme abgeführt bekommen).

Wie auch immer, es machte hier einen massiven Unterschied, den ich so echt nicht erwartet hätte.

 

Unterschiede bei der Lautstärke

Aber was ist mit der Lautstärke?

Die Lüfter der ASUS-AIO sind ein Stück kräftiger und auch lauter als bei Thermalright, zumindest wenn wir beide AIOs auf 100 % fahren.

Hier wird die ASUS TUF Gaming LC III 360 schon sehr deutlich hörbar, eine Lüftersteuerung ist also Pflicht.

Das heißt aber nicht, dass die ASUS zwingend lauter ist; beide Modelle sind ca. bei 20–40 % Lüftergeschwindigkeit „leise“.

Eigentlich hatte ich einen Vergleich bei gleicher Lautstärke geplant, z. B. 50 % bei ASUS entsprechen 65 % bei der Thermalright, aber da die Thermalright so gar nicht den Ryzen 5 7600X unter Kontrolle bekommt, spielt das keine Rolle. Wenn dir ein besonders leiser Betrieb wichtig ist, lohnt sich übrigens auch ein Blick auf meinen Test der Arctic Liquid Freezer II 360 RGB.

 

Garantie und Haltbarkeit

Was bei AIOs gerne übersehen wird, ist die Haltbarkeit bzw. die zu erwartende Lebensdauer. Im Gegensatz zu einem Luftkühler, der praktisch unkaputtbar ist, haben AIOs deutlich mehr potentielle Ausfallquellen.

Schauen wir uns zunächst die Garantie an. Die Thermalright Frozen Notte 360 V2 kommt mit 5 Jahren Garantie, die ASUS TUF Gaming LC III 360 ARGB LCD mit 6 Jahren. Beide bieten somit eine sehr ordentliche Garantielaufzeit, ASUS liegt mit den 6 Jahren aber auf dem Niveau anderer Premium-Hersteller wie NZXT, Corsair oder Arctic.

Aber warum ist das überhaupt so ein Thema? AIOs haben einige bekannte Schwachstellen, die du auf dem Schirm haben solltest.

Das wohl bekannteste Problem ist das „Verklumpen“ der Kühlflüssigkeit. Über die Jahre kann es zu chemischen Reaktionen innerhalb des Systems kommen, vor allem, wenn günstigere Kühlflüssigkeiten zum Einsatz kommen oder die Materialpaarung zwischen Radiator (meist Aluminium) und CPU-Kühlblock (Kupfer) nicht optimal abgestimmt ist. Hier entsteht galvanische Korrosion. Das Resultat: Es bilden sich Ablagerungen und „Schlamm“, die die feinen Microfins im CPU-Kühlblock zusetzen. Genau diese Microfins sind aber für den effektiven Wärmetransfer entscheidend! Sind sie verstopft, sinkt die Kühlleistung dramatisch, meist schleichend über mehrere Jahre. Irgendwann throttelt deine CPU dann, obwohl sie noch vor 2 Jahren problemlos lief.

Ein weiteres Problem ist die Permeabilität der Schläuche. Klingt erstmal komisch, aber über die Schlauchwände kann Kühlflüssigkeit über Jahre langsam entweichen, wodurch sich Luft im System sammelt. Du erkennst das oft am charakteristischen „Gurgeln“ der Pumpe. Hochwertige AIOs setzen daher auf gummiummantelte oder verstärkte Schläuche, ASUS wirbt z. B. explizit mit „Reinforced Sleeved Tubing“ bei der TUF Gaming LC III.

Und natürlich hat auch die Pumpe selbst eine begrenzte Lebensdauer. Thermalright gibt für die Frozen Notte 360 V2 eine MTTF (Mean Time To Failure) von 40.000 Stunden an, das sind theoretisch über 4,5 Jahre Dauerbetrieb.

Mein Fazit zu dem Thema: Wenn du eine CPU hast, die deine AIO ohnehin schon ans Limit bringt (so wie der 7600X die Thermalright im Test), wird sich die Kühlleistung über die Jahre weiter verschlechtern. Eine bessere AIO hat hier nicht nur am Tag X mehr Reserven, sondern bleibt auch in 3–4 Jahren noch in akzeptablen Temperaturbereichen. Das ist neben der reinen Leistung ein weiterer guter Grund, nicht zwingend beim absolut billigsten Modell zuzuschlagen. Wer alternativ über einen High-End-Luftkühler nachdenkt, dem sei mein Test des Noctua NH-D15S auf AM5 empfohlen.

Fazit

Dieser Vergleich ist etwas anders gelaufen als erwartet. Ich hatte schon erwartet, dass die Thermalright Frozen Notte V2 etwas schwächer ist als die ASUS TUF Gaming LC III 360, aber ich bin von einem minimalen Unterschied ausgegangen.

In der Praxis hat die Thermalright Frozen Notte V2 bei mir in Kombination mit dem Ryzen 5 7600X komplett versagt.

Klar, der Ryzen 5 7600X ist ein Worst Case, wir haben hier nur einen kleinen CCD, auf welchem die komplette Hitze „fokussiert“ ist, aber dennoch habe ich erwartet, dass eine 360er-AIO diesen irgendwie unter 95 Grad bekommt.

Ich nehme einfach an, dass hier das Coldplate-Design nicht gut genug ist für solche punktuelle Hitze.

Die ASUS TUF Gaming LC III 360 hingegen schaffte es, die CPU effektiv zu kühlen.

Kurzum: Hast du eine „kühlere CPU“ oder ein Modell, das hier einfach unproblematisch ist, dann ist sicherlich eine 50-€-AIO wie die Thermalright Frozen Notte V2 OK, wobei man dann streiten kann, ob es eine 360er-AIO braucht.

Im direkten Vergleich zur ASUS TUF Gaming LC III 360 hatte die Thermalright aber keine Chance! Hast du also eine größere oder problematischere CPU, würde ich nicht die billigste AIO wählen. Dies kann auch aus Sicht der Haltbarkeit Sinn machen.

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Michael Barton
Michael Barton
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