AVM FritzBox 7580 Langzeitbericht – ein halbes Jahr danach

Kaum ein Bericht hat so viel Resonanz verursacht wie der Test zu AVMs neustem Flaggschiff FritzBox 7580. Dank der deutlich verbesserten W-Lan sowie DECT Leistung, die es ohne Probleme mit Standalone Modellen aufnehmen kann, wurde der Router aus Berlin hier auf Techtest.org als bestes All-In-One Gerät gekürt. Wir nahmen dies zum Anlass und verfolgten die Entwicklung des Gerätes über einen Zeitraum von einem halben Jahr. Hierbei wurden nicht nur Messungen an einem zweiten Standardort durchgeführt, sondern auch auf die Stabilität sowie Updatepolitik AVMs behandelt.

Ich möchte mich bei dem Internet Provider 1&1 bedanken. Sie stellten uns ihren 1&1 BusinessServer, der bis auf die optischen Unterschiede des Gehäuses sowie der Benutzeroberfläche baugleich zu der AVM FritzBox 7580 ist, zur Verfügung. Zum aktuellen Zeitpunkt bietet 1&1 das gebrandete Modell in Verbindung mit einem DSL Vertrag für 7,99€/Monat als Leihgerät an. Alternativ kann sich auch ein Anruf bei der Hotline lohnen. Nach Angaben einiger 1&1 Kunden, kann man den Router zu einem Preis von 199€ erwerben, was einer Ersparnis von fast 100€ gegenüber dem Handelsmodell entspricht.

Ein Flaggschiff erlernt erneut das Aufrechte stehen:

Zwar ist die FritzBox 7580 nicht der offizielle Nachfolger der FritzBox 7490, platziert sich technisch gesehen aber vor jener und stellt damit das aktuelle Aushängeschild dar. Die auffälligste Änderung ist, dass die FritzBox 7580 nicht mehr liegend wie alle bisherigen Flaggschiffe (7170/7270/7390/7490), sondern wieder stehend ihren Dienst verrichtet. Das letzte Highend Modell der Berliner, der diesem Trend folgte, war die in der Nische lebende FritzBox 7570 (OEM: Telekom Speedport W920). Der Vorteil liegt klar auf der Hand. Die Antenne können aufrechtstehend eine bessere Raumabdeckung gewährleisten.


Neben der geänderten Gehäuse Form, gab es weitere optische Veränderungen. So kommt sowohl bei der Retail Variante als auch bei der 1&1 OEM Version großflächig ein Hochglanzlack zum Einsatz. Während ersteres weiß lackiert wurde, ist das gebrandete Modell in schwarz gekleidet. Fingerabdrücke sowie Putzspuren sind in kürzester Zeit die Folge und verunstaltet das ansonsten durchaus gelungene Design.

Anschlüsse:

Wie es sich für ein Flaggschiff gehört, ist die FritzBox 7580 mit einer Vielzahl an Ein- sowie Ausgängen versehen. Namentlich wären dies zwei USB 3.0 Anschlüsse, vier Gigabit Ethernet Schnittstellen (RJ45), ein gigabitfähiger Wan Port (RJ45) für externe Modems, einen ISDN-Anlagenanschluss (RJ45), zwei TAE und zwei RJ11 Ausgänge für analoge Telefone sowie die (V)DSL Modem Anschlussbuchse (RJ45).

Der Wan Port kann als regulärer, 1000Mbit/s schneller LAN Port verwendet werden, sofern man kein externes Modem im Einsatz hat. Neben einem ISDN Endgerät, können trotz der vier analogen Eingänge direkt nur zwei analoge Telefone verwendet werden. Darüber hinaus verfügt die FritzBox 7580 – wie bereits der Vorgänger – über DECT, womit drahtlos bis zu sechs Telefone mit dem Router verbunden werden können.

AVM hat gegenüber der FritzBox 7490 eine weitere technische Änderung vorgenommen. Die FritzBox 7580 unterstützt nur noch die IP-Telefonie. D.h. Nutzer von alten DSL Verträge bleiben bei der Festnetztelefonie über die reguläre Telefonleitung außen vor. Die Internetverbindung bleibt davon unbetroffen und wird wie gewohnt funktionieren.

Unter dem Strich bietet die FritzBox 7580 alle Anschlüsse, die das Herz begehrt. Hier hat sich der Hersteller nicht lumpen lassen und wird dem eines Flaggschiffs gerecht.

USB 3.0 Schnittstellen und Funktion:

Natürlich ist es wieder möglich, USB Geräte an der FritzBox 7580 zu betreiben. Die beiden interessantesten Funktionen wären zum einen die Einwahl in das Mobilfunknetz via UMTS/HSPA/LTE Stick respektive USB-Tethering und zum anderen das Einbinden lokaler Datenträger wie USB Sticks oder externe Festplatten ins Netzwerk. Darüber hinaus lassen sich u.a. auch USB Drucker netzwerkfähig machen.

Nas Performance:

Der größte Kritikpunkt der AVM Router ist die schwache NAS Performance. Ich habe mir daher einen schnellen USB 3.0 Stick geschnappt und einige Testreihen durchgeführt.

Ist der USB Stick mit dem Microsoft Dateiformat NTFS formatiert, erreicht man eine Leistung von ca. 35MB/s lesend sowie knapp 20MB/s schreibend. Zwar wird damit die Leistungswerte ders ursprünglichen Release Tests übertroffen, ein ernüchterndes Ergebnis bleibt es weiterhin.

Die Performance kann aber deutlich erhöht werden, wenn man den Datenträger im Dateiformat Ext3, was primär bei Linux Systemen zum Einsatz kommt, formatiert. Mit gut 55 MB/s lesend und fast 35 MB/s schreibend ist in beiden Richtungen fast eine Verdopplung der Werte feststellbar. Der Nachteil ist, dass weder Windows noch Mac OS mit dem Dateiformat umzugehen weiß. Möchte man den Datenträger an einem PC/Mac verwenden, muss man auf Software beziehungsweise Treibern von externen Herstellern zurückgreifen. Daher sollte man nur auf Ext3 setzten, wenn der Datenträger ausschließlich an der FritzBox Verwendung findet.

W-Lan Leistung & Reichweite:

Mit der FritzBox 7580 schließt AVM mit der aktuellen W-Lan Technologie auf. Die angegebenen Zahlen sind beeindruckend. Mit vier Datentströmen je 433Mbit erreicht man im 5 GHz-Band eine Datenübertragungsrate von bis zu 1732 Mbit. Um diese hohe Geschwindigkeit zu erreichen, benötigt man ein Endgerät, das mit den vier Streams auch umgehen kann.

Aber die FritzBox glänzt auch beim Einsatz vieler Endgeräte, denn sie gehört zu einer der ersten Routern, der Multi-User MIMO in Verwendung hat. Das Prinzip dahinter ist recht einfach. Bei der alten Single-User MIMO Technik konnte stets nur ein Gerät gleichzeitig versorgt werden, obwohl dieses beispielsweise nur einen Stream (1X1) unterstützt. D.h. es kann nur ¼ der maximalen Kapazität genutzt werden. Hier setzt die Multi-User MIMO Lösung an, die es erlaubt bis zu drei Geräte zum selben Zeitpunkt zu adressieren. Eine ideale Auslastung wäre z.B. im Falle von zwei Smartphones mit je einem Stream (1X1) sowie ein Notebook mit zwei Streams (2X2). Damit erreicht man nicht nur im Netzwerk eine höhere Datenübertragungsrate, sondern es können mehr Geräte pro Router versorgt werden.

Kommen wir nun zu den Messwerten. Ich werde hierbei eine weitere Netzwerkkarte dem Testfeld hinzufügen; der integrierte W-Lan Adapter meines Asus Rampage V Extreme 3.1 Mainboards. Die auf einem Broadcom BCM4360 Chipsatz basierte Netzwerkkarte ist direkt per PCIe an dem PC angebunden und verfügt über 3 Streams (3X3) und somit einer maximalen Übertragungsrate von 1300Mbits. Als eigentliche Antenne kommt die externe Asus 3T3R zum Einsatz.

Unter idealen Testbedienungen (Abstand von 2 Metern und freier Sicht) war es möglich, im 5,0 GHz Band eine Übertragungsrate von 74MB/s zu erzielen. Somit reiht sich meine W-Lan Karte zwischen dem MacBook Pro und dem TP-LINK T9E ein. Dies zeigt erneut auf, wie stark sich die Geschwindigkeit mit unterschiedlichen Endgeräten variiert.

Zur Reichweite fällt die FritzBox 7580 für einen Router mit Modem überdurchschnittlich gut aus. Sie kann in meinem Falle ein Einfamilienhaus inklusive Vorgarten stabil versorgen.

Ersteinrichtung die zweite & DSL Geschwindigkeit:

Loggt man sich zum ersten Mal in das Webinterface der FritzBox 7580 ein, kommt das von AVM gewohnte Webinterface zum Vorschein. Hier zeigt sich auch der einzige Softwareunterschied zum Retail Modell. Für eine Schnell-Einrichtung können 1&1 Kunden ihren Startcode eingeben, womit alle Zugangsdaten automatisch geladen werden. Kunden anderer Anbieter werden auf die reguläre Seite, wo man den Provider auswählt und die Logindaten eingibt, weitergeleitet.

Bei der Einrichtung meines Telekom VDSL 50 Mbit Anschlusses gab es im Gegensatz zu der Netcologne Leitung von Michael keinerlei Komplikationen. Die Internetverbindung wurde binnen weniger als zwei Minuten hergestellt und die Telefonie funktionierte umgehend.

Wirft man einen Blick auf die DSL Informationen, kann man gut erkennen, dass die Leitung mit voller Kapazität synchronisiert. Anhand der Störabstandsmarge sieht man zudem, dass noch genügend Luft nach Oben für einen stabilen Betrieb vorhanden ist. Anmerken muss ich zudem einen kleinen Anzeigefehler, denn G.Vector ist in beiden Richtung mit Full ausgewiesen. Dies ist falsch, denn die Telekom darf bei dem Anschluss aufgrund der EU-Förderrichtlinien kein aktives Vectoring im Einsatz haben. Aufgrund der guten Leitungswerte ist es wenig verwunderlich, dass mein Vergleichsmodem, ein TP Link VR200V, mit derselben Geschwindigkeit synchronisiert.

Kinderkrankheiten trübten anfänglich den sehr guten Eindruck:

Mit der Auslieferungsfirmware FRITZ!OS 06.53 hat sich AVM alles andere als mit Ruhm bekleckert. Der schwerwiegendste Fehler, der an beiden Leitungen verifiziert worden ist, war die kurzzeitigen und unregelmäßigen Verbindungsunterbrechungen in Spielen sowie beim Streamen von Online Radio. Bildlich gesprochen, verschluckte sich der Router in Abständen zwischen 5 – 120 Minuten. Als temporärer Workaround musste die Störsicherheit erhöht werden, die im Falle des Netcologne Anschluss (100 Mbit Vectoring) eine Leistungsreduzierung mit sich zog. Zwar wurde der Fehler nicht gänzlich eliminiert, die Abstände bis zum nächsten Aussetzer wurden damit spürbar länger.

Ein weiter Punkt waren W-Lan Verbindungsprobleme mit Amazons Fire TV Sick. Hierbei war es nicht möglich, über reguläre Art und Weise eine Verbindung mit dem W-Lan hertzstellen, sodass man erneut tricksen musste.

Es traten noch kleinere Auffälligkeiten wie Anzeigefehler und nicht reproduzierbare Konnektivitätsprobleme mit anderer, teils exotischer Hardware auf. Ein Neustart beider Geräte schuf in den meisten Fällen Abhilfe. Hierbei ist die Schuld nicht eindeutig auf dem AVM Router zurückzuführen, weswegen man den Punkt höchstens als Indiz werten kann.

Natürlich muss man als Early Adopter bis zu einem gewissen Grad mit dem einen oder anderen Problem rechnen. Grundlegende Funktionen müssen aber am „Day One“ stabil funktionieren. Gerade von einem Branchen Veteranen hatte ich mir zu einem Produkt Release mehr erwartet.

Firmwarestand März 2017:

In den gut sechs Monaten hat sich einiges getan. Die Versionsnummer hat einen großen Schritt auf 06.81 getan und über die Zeit wurden die meisten Fehler durch mehrere Updates ausgebügelt. Einzig und alleine sind leider noch immer ein unregelmäßiges Abreißen des Online Radio Streams feststellbar. Der Amazon Fire TV Stick kann hingegen ohne Probleme über mehrere Stunden streamen. Ich bin daher guter Dinger, dass AVM mit zukünftigen Updates weiter nachbessern wird.

Davon abgesehen verhält sich die FritzBox 7580 positiv unauffällig und stabil. Selbst unter größerer Belastung sind keinerlei Aussetzer spürbar. Sei es nun große Dateien im W-Lan kopieren, während nebenbei Web TV läuft, Windows Updates runterlädt, jemand Online spielt und nebenbei ein Anruf getätigt wird: Die FritzBox 7580 steht ihren Mann.

Es kamen über die Updates einige neue Funktionen dazu. So übernimmt die FritzBox mit aktivem Band-Steering die Wahl, in welchen Frequenzband sich das W-Lan Gerät – abhängig von der Last der Bänder und Signalqualität – verbinden soll, um einen schnelleren sowie stabileren Betrieb zu garantieren. Die Technik funktioniert vollkommen dynamisch und im Hintergrund. Der Nutzer bekommt den Bandwechsel nicht mit.

Eine weitere Verbesserung unterlag dem Gastzugang. Bevor der Nutzer überhaupt Zugriff auf das Internet bekommt, wird er, wie man es von klassischen Hotspots kennt, auf eine Anmeldeseite weitergeleitet, die neben einem Logo auch beispielsweise die AGB anzeigt und bestätigt werden müssen. Darüber hinaus kann man global die Internetzeiten sowie die Bandbreite des Zugangs beschränken als auch Internetseiten sperren.

Freunde der Festnetztelefonie werden sich zudem über die Unterstützung des offenen Standards CAT-iq 2.0 freuen, womit man auf eine deutlich höhere Auswahl an Handgeräten zurückgreifen kann. Auf der einen Seite ist es lobenswert, dass der Hersteller hier nachbessert, auf der anderen Seite hingegen hätte AVM die Unterstützung bereits seit geraumer Zeit geben können.

Das Update auf FRITZ!OS 06.8X brachte noch weitere Feature mit ans Board. Ich verweise daher auf die Übersichtsseite des Herstellers:
https://avm.de/produkte/fritzos/fritzos-680/

AVM Support und Beta Firmware:

An dieser Stelle möchte ich festhalten, dass AVM bestrebt ist, die Probleme zu lösen. Um ihnen dabei unter die Arme zugreifen und die genau Ursache zu ermitteln, werden Router Logs angefragt. Zudem stellt der Support für Experimentierfreudige Beta Firmware bereit. Obwohl man Betas immer mit Vorsicht genießen sollte, konnte ich keinerlei Instabilitäten der FritzBox 7580 feststellen. Insbesondere in den ersten Wochen wurden damit einige Fixes bereitgestellt, die die gröbsten Probleme beseitigt hatten, bevor eine offizielle Firmware in Reichweite war. Solltet ihr auf nicht lösbare Probleme stoßen, empfiehlt sich daher eine E-Mail an den Support zu senden.

Fazit:

Obwohl die FritzBox 7580 zu Anfang einen holprigen Start hatte, wurden vieles nachgebessert und noch weitere Funktionen hinzugefügt. Zwar zeigt sich der Support bemüht, komplett 100% fehlerfrei ist die Firmware selbst nach einem halben Jahr nicht.

Auf hardwaretechnischer Seite gibt es an dem Gerät nichts auszusetzten und ist immer noch an der Speerspitze angesiedelt. An meinem 50 Mbit Telekom Anschluss synchronisiert das integrierte Modem mit voller Geschwindigkeit. Das W-Lan brachte gegenüber dem Vorgänger die größte Überraschung. Bei entsprechender Hardware auf der Client Seite kann nahezu Gigabit Geschwindigkeit erreichen werden. Auch die W-Lan Reichweite kann selbst mit guten standalone Access Points mithalten. Einzig der Datendurchsatz des Netzwerkspeichers per USB fällt unterdurchschnittlich niedrig aus. Wer die FritzBox als NAS verwenden möchte, sollte den Datenträger für einen spürbaren Perfomanceboost in das Ext3 Dateiformat bringen.

Was allgemein für AVM Router spricht ist neben den 5 Jahren Garantie, der umfangreichen Software wie dem VPN Dienst und der kinderleichten Einrichtung, die perfekte Integration der eigenen Produkte im Ökosystem. Dies ist gut vergleichbar mit Apple und ihren iDevices. Alles greift perfekt ineinander.

Dies hat natürlich seinen Preis. Für die Retail Variante werden beinahe 300€ fällig. Ob dies gerechtfertigt ist, muss jeder selbst entscheiden. Fakt ist, sie ist zur Zeit die stärkste FritzBox, die AVM im Repertoire hat und auch die Bedenken gegenüber der Firmware könnte sich mit einem weiteren Update in Luft auflösen. Dennoch kann man von so einem hochpreisigen Router einen genauso unproblematischen Betrieb, wie es der Vorgänger gezeigt hat, erwarten.

Bekommt man die FritzBox 7580 durch den Provider quersubventioniert, würde einem die Wahl deutlich einfacher fallen. Gerade im Bereich um die 200€ würde ich die Wette mit AVM und deren Update Support eingehen und zugreifen. Der Testbericht sowie auch die Vergangenheit des Unternehmens haben gezeigt, dass sie einen guten als auch langanhaltenden Aftersale Support bieten.

Nicolas Guggenberger

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1 Comment
Marc

Informativer Bericht, mit Aussetzern habe ich mit der aktuellen Firmware 6.92 immer noch zu kämpfen, Streaming macht so einfach keinen Spaß.

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