Was ist ein Mesh WLAN System? Und ein erster Blick auf AVMs Ansatz

Mesh WLAN ist aktuell ein ganz heißes Thema im Netzwerkbereich. Aber was ist Mesh WLAN? Lohnt es sich für dieses Geld auszugeben oder ist das einfach nur Marketing Bla Bla?

Dies möchte ich versuchen in Folgendem etwas zu klären und Euch vielleicht ein paar Hinweise zu geben warum Mesh WLAN das neue heiße Thema ist und was es zu beachten gilt.

Zusätzlich habe ich auch einmal einen Blick auf AVMs neues „Mesh“ WLAN geworfen. Neugierig?

 

Was ist „Mesh WLAN“?

Die erste Frage die sich sicherlich die meisten stellen, ist: Was ist Mesh WLAN überhaupt und warum ist dies so toll?

Das „Problem“ ist erst einmal, das jeder Hersteller Mesh WLAN anders umsetzt. Es gibt grundsätzlich keine feste Definition was Mesh WLAN ist, macht und kann. Netgear nutzt beispielsweise Mesh WLAN anders als AVM.

Die Gemeinsamkeit bei allen Systemen ist, dass das WLAN System aus mehreren Stationen besteht. Die Basisstation ist via Kabel mit dem Netzwerk verbunden und die anderen Stationen verbinden sich via WLAN mit der Basisstation.

Je nach System können die einzelnen Satelliten auch untereinander kommunizieren oder setzten auf ein komplett eigenes WLAN Netz für die interne Kommunikation.

Letzteres ist beispielsweise bei Netgears Orbi System der Fall. Hier ist ein zweites 5GHz Band im System integriert, welches für die Kommunikation zwischen Basis und Satelliten reserviert ist. Hierdurch können höhere Geschwindigkeiten erzielt werden.

Ubiquiti setzt beim AmpliFi HD genau wie AVM nicht auf solch ein gesondertes 5GHz Band für die interne Kommunikation.

 

Was macht dann das Mesh System besser als ein einfacher Repeater?

Oftmals haben Repeater eine gesonderte SSID wie „WLAN_Repeater“ in welche man sich gesondert einloggen muss. Hier ist natürlich das manuelle hin- und herspringen nervig.

Nun könnte man auch hingehen WLAN Router und Repeater die gleiche SSID geben, in diesem Fall wählt sich der Empfänger in das jeweils signalstärkere Netz.

Leider passiert dies aber nur einmal. Heißt, wenn Euer Smartphone sich ins WLAN einloggt, wählt dieses, beim Herstellen der Verbindung, den jeweils signalstärksten WLAN Sender. Bewegt Ihr Euch in Eurer Wohnung, bleibt aber das Smartphone bei dem Gerät, in dem es sich ursprünglich eingeloggt hat, bis das Signal zu schwach wird und meist kurz vorm Abreißen ist.

Erst dann wird neu gescannt und sich erneut mit dem signalstärksten Sender verbunden.

Bei den meisten Mesh Systemen sieht das anders aus, hier wird Euer Smartphone automatisch dem jeweils signalstärksten Sender zugeordnet.

Zudem ist bei Mesh Systemen die Zeit beim „Umloggen“ meist deutlich kürzer. Ihr solltet nicht mal merken, wenn Ihr von Station zu Station springt, unterbrechungsfreies Roaming ist hier das Stichwort.

Es gibt noch weitere Vorteile. Meist ist die Basisstation schneller als ein Repeater, da die Basisstation direkt via LAN angebunden ist. Das weiß aber Euer Smartphone nicht, dieses wird sich nicht mit dem Schnelleren, sondern mit dem signalstärkeren Sender verbinden.

Einige Mesh Systeme versuchen Euch/Euer Smartphone also eher direkt mit der Basisstation zu verbinden, selbst wenn das Signal eigentlich schwächer ist.

Auch kommunizieren die einzelnen Satelliten untereinander. Ein normaler Repeater kommuniziert immer nur steif mit seiner Basis Station. Bei Mesh Systemen verbinden sich einige Satelliten entweder direkt mit der Basis oder über einen anderen Satellit, je nachdem was schneller ist.

Ich hoffe das Ganze war soweit verständlich. Mesh WLAN ist zwar sicherlich sehr, sehr viel „Marketing Bla Bla“ aber es stehen wirklich einige sehr nützliche Features dahinter.

Das Problem ist hier die Übersicht zu wahren. Nicht jedes Mesh WLAN System unterstütz jedes der hier genannten Features. Die Hersteller machen es hier einem meist auch nicht leichter, oftmals wird nicht mal genau angegeben was welches System unterstützt und was nicht.

 

Was macht AVM?

AVM geht einen anderen Weg als alle anderen Hersteller. AVM hat einigen seiner Produkte nachträglich per Software Update „Mesh“ fähig gemacht. Das ist natürlich für den Kunden super! So ist es nicht nötig ein teures Mesh System eines anderen Herstellers zu kaufen.

Aber wie viel Mesh steckt wirklich in AVMs Mesh System?

 

Der erste Test von AVMs Mesh System

Für diesen ersten Test habe ich eine FRITZ!Box 7590 und einen FRITZ!WLAN Repeater 1750E verwendet. Hierbei handelt es sich um die Flaggschiffe von AVM, beste Voraussetzungen also.

Beide Produkte macht Ihr aktuell durch die Installation einer Beta Software von der AVM Webseite „Mesh“ fähig.

Dieses Update geht recht flott und problemlos. Nach dem Update erst einmal nicht viel Neues?! Die Fritzbox und der AVM Repeater können nun Ihre Einstellungen untereinander synchronisieren.

Auch wird nun von beiden Geräten die gleiche SSID verwendet (eventuell müsst Ihr diese allerdings per Hand ändern, sofern die SSID zuvor von Euch anders eingestellt wurde).

Ansonsten ist auf den ersten Blick kein Unterschied zu vorher zu erkennen, abgesehen von einigen Änderungen in der Benutzeroberfläche.

AVM spricht selbst von „Der Begriff ‚Mesh‘ bedeutet, dass die FRITZ!-Produkte ein homogenes Netz bilden, optimal miteinander verbunden und aufeinander abgestimmt sind, für mehr Komfort und Leistung. Alle FRITZ!-Produkte tauschen sich im Mesh untereinander aus, gleichen Einstellungen ab, optimieren die Leistung der angeschlossenen Endgeräte und dies selbstständig, reibungslos und ohne Zutun des Nutzers.“

Ich habe einige Benchmarks vor dem Update und nach dem Update durchgeführt um besser vergleichen zu können, ob es Leistungsänderungen gibt.

Ich erspare Euch hier die langweiligen Zahlen, denn es gibt rein vom Datendurchsatz keinen Unterschied vor dem Mesh und nach dem Mesh Update. Meine Messwerte lagen alle in einem +-10% Rahmen.

Wo es allerdings Veränderungen gibt, ist beim Roaming. Das Switchen zwischen den einzelnen Stationen funktioniert nach dem Update um einiges flüssiger. Hier scheint nun die Firtzbox etwas gezielter zu kontrollieren, mit welcher Station der Nutzer verbunden ist, auch wenn das Ganze noch weit von einem AmpliFi HD entfernt ist.

Auch die UI bringt ein paar kleine Änderungen mit sich. Es ist nun in der Netzwerk Übersicht besser zu erkennen mit welchem Gerät ein Smartphone/Tablet usw. verbunden ist.

Unterm Strich bin ich von dem Update positiv überrascht. Die offensichtlichen Änderungen sind zwar recht klein aber unter der Haube gibt es durchaus ein paar Veränderungen, welche einen Vorteil darstellen.

Jedoch handelt es sich hier ganz klar um ein Mesh Lite System. Einige erweiterte Features wie beispielsweise das bevorzugte Verbinden mit der Basis Station (der FritzBox), auch wenn das Signal des Repeaters stärker ist, fehlen hier noch.

Auch ist natürlich die Hardware weiterhin ein normaler Repeater. AVM nutzt kein Tri-Band System wie Asus, Netgear, Linksys usw. Das heißt, die reine Performance ist diesen Systemen unterlegen.

Vorteile gibt es bei der Nutzung und Einrichtung wie auch bei der „Nahtlosigkeit“ der Nutzung. Mit dem Mesh geupdatet fühlt sich das WLAN Netzt etwas mehr wie eins an und weniger wie ein Router + mehrere Repeater.

Jedoch Mesh Systeme wie Ubiquiti AmpliFi HD bieten doch noch mal deutlich mehr Software Tricks, um das WLAN nochmals zu verbessern. Hier fühlt sich das Ganze in der Praxis noch mal ein gutes Stück flüssiger und stabiler an als bei AVM.

Netgear Orbi oder Linksys Velop bieten hingegen eine höhere Grundleistung aufgrund des Nutzens von Tri Band WLAN.

Ich denke dennoch, für viele Nutzer ist sicherlich AVMs Ansatz auch schon ein guter Sprung! Gerade wenn man den Preis betrachtet. Ein AVM FRITZ!WLAN 1750E Repeater kostet um die 70€, eine FritzBox ist meist bereits im Haushalt vorhanden.

Daher probiert das aktuelle FritzBox Labor Update aus! Und solltet Ihr für Eure Fritzbox einen Repeater kaufen wollen, ist das ein dicker Pluspunkt sich für einen AVM Repeater zu entscheiden!

 

Brauche ich wirklich ein Mesh System?

Brauchen ist in eine Sache, nein man braucht meist kein Mesh WLAN System. Ein einfacher Repeater macht meist auch einen brauchbaren Job.

Ein Mesh System macht aber Sinn, wenn Euer Haus oder Eure Wohnung recht groß ist. Hier ist es einfach schön ein WLAN System zu haben, welches gut ineinander vernetzt ist und bei welchem man sich keine Sorgen machen muss „bin ich nun mit dem richtigen AccessPoint verbunden“.

Also ja ich würde ein Mesh System ganz klar einem Router + diverse Repeater vorziehen. Je nach System gibt es Performance, Usability oder Stabilität Vorteile.

 

Welche Mesh Systeme sind empfehlenswert?

Das kommt auf diverse Punkte an. AVMs Mesh System ist zwar nicht das beste, aber es wird sicherlich vielen Nutzern reichen.

Solltet Ihr also bereits eine unterstütze Fritzbox besitzen, ist ein AVM FRITZ!WLAN 1750E Repeater für gerade mal 70€ durchaus ein Versuch Wert.

Wer mehr will, sollte sich Netgears Orbi System, Linksys Velop oder auch Asus Lyra ansehen. Alle drei Systeme setzten auf ein Tri Band System, sind also von der Performance AVMs Ansatz oder klassischen Repeatern oftmals deutlich überlegen.

Als Geheimtipp würde ich Ubiquiti AmpliFi HD bezeichnen. Dieses System besitzt zwar kein Tri Band WLAN nutzt aber einige clevere Software Algorithmen und Funktionen um dieses Defizit praktisch gut ausgleichen zu können.

Lediglich von Googles WIFI System würde ich aktuell abraten. Neben Datenschutzbedenken funktioniert dieses aktuell nicht gut in Kombination mit bereits bestehenden Routern (welche meist aufgrund des Modems weiterhin benötigt werden). Doppeltes NAT und DHCP ist hier das Stichwort.

Michael Barton

Vielen Dank fürs Lesen! Sollte mein Bericht euch geholfen haben würde ich mich über einen erneuten Besuch meiner Webseite und/oder dem Folgen meines Twitter freuen! Vielen Dank!

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