Linksys Velop Set, Mesh-WLAN-System im Test

WLAN ist eigentlich in jedem modernen Haushalt essenziell. Ob nun für Notebooks, Smartphones, Tablets oder diverse Smart Home Systeme wie „Smarten WLAN Glühbirnen“.

Hier ist das WLAN Tempo ohne Frage deutlich im Laufe der Zeit gestiegen, soweit, dass wir bei kurzen Distanzen schon das Tempo von kabelgebundenen Verbindungen erreichen.

Die Betonung liegt hierbei auf „kurzen Distanzen“, denn was im Laufe der Zeit kaum besser geworden ist, die Reichweite.

Wer eine größere Wohnung oder Haus besitzt wird in der Regel kaum um Repeater herumkommen. Ich glaube aber schon jeder hat seine Erfahrungen mit Repeatern gemacht und wie „nervig“ diese sein können.

Nun haben sich die großen Netzwerkzubehör -Produzenten etwas neues ausgedacht „Wi‑Fi mesh“ Systeme.

Hierbei handelt es sich um mehrere Basisstationen, welche untereinander kommunizieren und so immer den schnellsten Weg für Eure Daten zu suchen ohne, dass Ihr dabei Euch mit unterschiedlichen SSIDs usw. herumschlagen müsst. Wie das Ganze funktioniert variiert von Hersteller zu Hersteller etwas.

Eins der neusten System stammt hierbei von Linksys und hört auf dem Namen Velop. Wollen wir doch einmal im Test schauen ob das Ganze funktioniert und vor allem wie gut!

 

Was für ein WLAN Gerät wird benötigt?

Klären wir erst einmal was für ein WLAN Gerät Ihr benötigt und welche Rollen das Velop System erfüllt.

  1. Ihr habt eine FritzBox, Speedport oder einen anderen WLan Router und wollt nur die Reichweite vergrößern, in diesem Fall wird vermutlich ein Repeater das Richtige für Euch sein.
  2. Ihr habt eine FritzBox, Speedport oder einen anderen WLan Router und wollt einen weiteren WLAN „Sender“ per Kabel anschließen (dies kann auch in einem anderen Raum sein) oder die schlechte W-Lan Funktion in Eurem Router ersetzen (ohne den Router komplett auszutauschen), dann benötigt Ihr einen Access Point.
  3. Ihr habt von Eurem Internet Anbieter nur ein Modem und wollt dieses mit WLAN „ausstatten“ dann benötigt Ihr einen Router.
  4. Ihr wollt Eure alte Fritzbox, Speedport oder anderes Modem welches Ihr von Eurem Internet Anbieter bekommen habt komplett gegen etwas Besseres ersetzten, dann benötigt Ihr im Normalfall einenRouter mit Modem, achtet gegebenenfalls auch auf die Unterstützung von VoIP!
  5. Und zu guter Letzt Ihr habt einen Smart TV, Spielekonsole oder etwas Derartiges was kein eingebautes WLAN Modul besitzt, sondern lediglich einen LAN Port und wollt diese mit Eurem bereits bestehendem WLAN Netzwerk verbinden. In diesem Fall benötigt Ihr eine WLAN Bridge.

Das Linksys Velop Set ist im Grunde eine Mischung aus Repeater und Router. Ihr benötigt also weiterhin ein Modem.

Solltet Ihr also eine Fritzbox oder einen Speedport von Eurem internet Anbieter bekommen haben, wird das Velop System an diesem angeschlossen als „Zusatz“. Es empfiehlt sich natürlich hier das WLAN im Router abzuschalten, sofern vorhanden.

 

Linksys Velop Set

Die erste wichtige Frage welche Ihr Euch beim Velop Set stellen müsst, ist wie viele „Stationen“ Ihr benötigt.

Umso mehr Stationen umso mehr Reichweite aber auch umso teurer. Ihr müsst mit rund 150-200€ pro Station rechnen, hierbei lassen sich diese natürlich auch nachkaufen.

Bei den „Stationen“ handelt es sich um weiße säulenartige Stationen, die relativ Schmal und hoch sind. Hierbei besitzen diese Stationen keine externen Antennen oder sonstige Auffällige Elemente außer einer kleinen LED auf der Oberseite.

Die Anschlüsse befinden sich auf der Unterseite. Hier gibt es zwei LAN Ports und den Anschluss für das Netzteil, das war es auch schon.

Dies gilt natürlich für alle Stationen, USB Ports oder Ähnliches werdet Ihr vergeben suchen.

Kurzum Linksys setzt hier auf Minimalismus und ein recht „wohnzimmerfreundliches“ Design was auch durchaus bei einem Produkt wie dem Velop Sinn macht, welches ja im Haus verteilt werden soll.

 

Software und Einrichtung

Linksys möchte das man sein Velop System über die Linksys Smartphone App einrichtet. Anscheinend gibt es hierzu auf keine Alternative, das System scheint über keine Web UI zu verfügen.

Die Linksys App ist wie üblich für IOS und Android verfügbar. Der Einrichtungsprozess ist erfreulich einfach, eine gesonderte Anleitung wird nicht benötigt. Auf dem Bildschirm wird in kurzen klar verständlichen Sätzen angezeigt was zu machen ist bzw. was gerade gemacht wird.

Anscheinend nutzt das Velop System Bluetooth für die Kommunikation und die Ersteinrichtung, was die ganze Sache noch etwas schneller und einfacher macht. Genau genommen habt ihr mit dem Ganzen nichts zu tun außer weiter zu tippen und den WLAN Namen/das Passwort einzugeben.

Wie man schon an der Einrichtung über eine Smartphone App erkennen kann, richtet sich das Linksys Velop System an Nutzer, die wollen, dass ihr Netzwerk funktioniert und nicht erst x Stunden in den Einstellungen verbringen wollen.

Positiv die Linksys App ist in Ordnung und optisch wie auch funktional sehr ordentlich aufgebaut.

Leider sind doch die Funktionen recht stark eingeschränkt. Ihr könnt sehen wer mit Eurem Netzwerk verbunden ist, ein Gastnetzwerk einrichten, Passwort ändern usw.

Aber feinere Einstellungen sind kaum bis gar nicht möglich. Beispielsweise ist es nicht möglich eine separate 5GHz und 2,4GHz SSIDs zu erstellen. Auch die gesonderten Basisstationen haben zwingend immer die selbe SSID wie die Basisstation.

Das Ganze kann man sowohl als Nachteil wie aber auch als Vorteil sehen. Linksys Velop richtet sich weniger an den „Hobby Heim Administrator“ sondern viel mehr an den normalen Technikenthusiasten, welcher ein einfaches und funktionierendes System sucht.

Nach diesem Motto ist auch die App aufgebaut.

Kleine Info am Rande, man kann das Velop System sogar mit Amazon Echo steuern, also beispielsweise Gastnetzwerke ein/ausschalten.

 

Leistung

Kommen wir zur WLAN Leistung. Hier bietet das Velop System natürlich Unterstützung für den aktuellen AC Standard wie auch b,g,n und h.

Die Leistung gibt Linksys mit „AC2200“ an, was etwas schön gerechnet ist. In der Praxis bietet eine Station 400Mbit/s auf dem 2,4GHz Band wie auch 867Mbit/s auf dem 5GHz Band. Hinzu kommt ein weiteres 5GHz Band mit 867Mbit/s welches für die Kommunikation der einzelnen Stationen untereinander reserviert ist.

Kurzum das Beste was dem Nutzer zur Verfügung steht, sind 867Mbit/s, klingt ja verglichen mit vielen anderen High End- Routern erst einmal eher mäßig gut. Praktisch sind aber 867Mbit/s in der Regel ausreichend.

Smartphones, Tablets und auch Notebooks haben in der Regel keine schnelleren WLAN Karten verbaut, können also von noch schnelleren Routern nur sehr bedingt Gebrauch machen.

Leider gab es beim Testen ein kleines Problem was meinen Testablauf etwas beeinflusst. Ich konnte das 2,4GHz Band nicht testen da es nicht möglich ist 5GHz abzuschalten oder beiden Frequenzen unterschiedliche SSIDs zuzuweisen. Mein Testcomputer wurde also immer wieder auf das 5GHz Band geschoben, was ja an sich ein gutes Verhalten ist.

Daher nur ein Test des 5GHz Bands. Dieser Test läuft wie bei mir üblich ab unter halbwegs optimalen Bedienungen. Router und Test-PC sind auf ca. 2 Meter Distanz und eine Datei wird auf einen lokalen Server kopiert/heruntergeladen.

In Folgendem wird der Mittelwert der erreichten Übertragungsrate angegeben.

Für den Test verwende ich den TP-LINK 9E PCI-e WLAN Empfänger, ein aktuelles High End Modell welches zu 1300Mbit/s fähig ist, wie auch die Intel ac 7260 WLAN Karte (867Mbit/s), die gerade in Notebooks recht verbreitet sein sollte.

Wie zu erwarten bietet das Velop System kein rasantes Tempo verglichen mit normalen High End Routern.

Lasst Euch davon nicht zu sehr abschrecken. Die Hier erreichten 50MB/s bzw. 60MB/s sind mehr als genug! Wir reden von MB nicht Mbit, 4K Streaming benötigt via Netflix beispielsweise rund 4MB/s, daher ist mit den 50-60MB/s, welches das Velop System liefert, genug Luft nach oben auch auf größere Distanz genug Leistung zu bekommen.

Der interessante Punkt ist aber natürlich das Zusammenspiel mehrerer Stationen. Warum ist das Velop System besser also einfach ein paar Repeater?

Das Entscheidende hier ist das Linksys ein Tri Band System nutzt. Sagen wir mal Ihr habt einen WLAN Repeater, welcher 1000Mbit/s schafft, soweit so gut, das Problem ist aber zum einen werden diese 1000Mbit/s halbiert, da ja zum einen eine Verbindung zwischen Basis Station und Repeater und zum anderen eine Verbindung zwischen Repeater und Client aufgebaut werden muss.

Das zweite Problem ist der „Stress“, welchen der Repeater auf die Basisstation ausübt. Letztendlich wird die Basisstation immer mitbelastet, ein zweiter Nutzer, der sich mit der Basisstation direkt verbindet, wird also durch den ersten Nutzer, welcher über dem Repeater verbunden ist ausgebremst.

Beide Probleme habt Ihr beim Velop System nicht. Die Stationen nutzen ein separates 5GHz Netz für die Kommunikation untereinander. Daher steht Euch immer die volle Leistung zur Verfügung, da diese nicht für die Verbindung untereinander benötigt wird.

Praktisch fallen die Vorteile ähnlich wie Netgears Orbi System aus. Auf eine mittlere Distanz erhaltet Ihr, selbst verglichen mit einem Linksys RE7000 „high end Repeater“, eine nahezu doppelte Bandbreite.

Je nach Positionierung konnte ich zwischen 25%- 60% mehr Leistung messen. Hierbei scheint aber wirklich die mittlere Distanz zwischen den einzelnen Stationen besonders gut zu funktionieren, verglichen mit einem normalen Repeater.

Auf hohe bis sehr hohe Distanz (zwischen Basis Station und Node) sinkt die Leistung wieder ein Stück. Vermutlich da die Verbindung über das 5GHz Band geschieht und nicht wie bei einem normalen Repeater flexibel ist.

Linksys wirbt zudem mit einem „nahtlosen WLAN“.

Das System wählt immer den passenden und optimalen Verbindungspunkt für Euch aus. Heißt, Ihr müsst Euch keine Gedanken machen mit welchem WLAN Netz man sich gerade verbindet, dem Repeater, der Basis Station usw.

In meinem Test funktionierte dies sehr gut, beim Bewegen durchs Haus gab es keinen Verlust der Verbindung, obwohl man zwischen verschiedenen Stationen hin und her sprang.

Allerdings scheint das Velop System keine „Zero-time hand-off time“ zu unterstützen. Bei VoIP Anwendungen könnte es also zu kurzen Verbindungsabbrüchen kommen, wenn Ihr Euch durchs Haus bewegt.

 

Reichweite

Die Reichweite des Velop Systems zu beurteilen ist nicht ganz so leicht. Natürlich ist das gesamte System darauf ausgelegt mit mehreren Stationen verwendet zu werden.

Habt Ihr beispielsweise ein 3er Set ist die effektive Reichweite, verglichen mit einem normalen „WLAN Router“ selbst einem absoluten High End Gerät, natürlich gigantisch.

Aber selbst die Reichweite einer einzelnen Station ist erstaunlich hoch. Ich würde sogar sagen, dass diese zu den Routern mit der stärksten Reichweite, aktuell auf dem Markt, gehören.

Bei mir konnte ich aus der ersten Etage durch 4 Wände bis in den Garten problemlos Empfang bekommen. Das wird Euch sicherlich nicht viel sagen aber die meisten WLAN Router schaffen dies nicht! Mit einer AVM FritzBox 7490 beispielsweise wäre so etwas undenkbar.

Daher scheint sich Linksys beim Velop System nicht nur auf die Anzahl der Basisstationen zu verlassen, was den Empfang angeht, sondern auch auf die Signalstärke der einzelnen Stationen.

Mit einem 3er Set wäre problemlos ein Einfamilien Haus abgedeckt auch über 1-2 Etagen hinweg.

 

Stromverbrauch

Eine Station des Linksys Velop Systems benötigt im Leerlauf rund 5,7 W Strom und unter Last rund 7W.

Das Ganze ist recht wenig, selbst wenn man mehrere Stationen nutzt.

Fazit

Kann man Linksys Velop System empfehlen? Ja kann man ohne Frage! Gerade für Eigenheimbesitzer ist ein Mesh WLAN System das Optimum.

Hohe Reichweite, kein Repeater „Generve“ welche nicht so funktionieren wie man will, gute Leistung auch für 4K Streaming oder sogar Datentransfers und eine einfache Einrichtung.

Klingt wie das perfekte WLAN System und dies ist Linksys Velop auch für sehr viele Nutzer!

Ähnlich wie bei Netgears Orbi System sehe ich aber Probleme bei der Zielgruppe. An sich richtet sich das Linksys Velop System an den Normalnutzer, welcher schnelles unkompliziertes WLAN für Smartphone, Tablet und Notebook möchte, ohne sich mit der Materie groß beschäftigen zu müssen. Das Problem ist, dieser Nutzer gibt keine 500€ für ein WLAN System aus. Dieser „08715“ Nutzer rennt in den Saturn/Mediamarkt usw. und kauft den billigsten WLAN Router und wenn von dem die Reichweite nicht passt nen 30€ Repeater, fertig. Performance ist schlecht und hat gegebenenfalls bei der Einrichtung viele Nerven gekostet, egal.

Wer ist aber bereit 500€ für so ein System auszugeben? Richtig, Technikenthusiasten welche ein WLAN Mesh System cool finden. Viele von diesen wollen aber nun mal mit den Einstellungen herumspielen, getrennte 2,4GHz und 5GHz Netze, eine Web UI usw. Warum bietet das Velop System sowas nicht?! Warum versucht Linksys, und auch Netgear bei seinem ähnlich teuren Orbi System, den ganzen Spaß teilweise so unnötig zu vereinfachen und einem nicht mal gute erweiterte Optionen zu bieten.

Schade, aber dennoch schmälert dies nur ein wenig die ansonsten hervorragende Leistung des Linksys Velop Systems. Seid Ihr Enthusiasten und wollt ein schnelles und gut funktionierendes WLAN System mit hoher Reichweite und könnt mit den „Basic“ Einstellungsmöglichkeiten leben? Dann kann ich das Velop problemlos empfehlen.

Michael Barton

Vielen Dank fürs Lesen! Sollte mein Bericht euch geholfen haben würde ich mich über einen erneuten Besuch meiner Webseite und/oder dem Folgen meines Twitter freuen! Vielen Dank!

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