Die Seagate Exos 26 TB Factory Recertified Festplatten im Test

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Wenn du nach günstigen Festplatten suchst, sind momentan die Seagate Exos in der „Factory Recertified“-Version der heißeste Anlaufpunkt.

Diese Factory‑Recertified-Festplatten werden nicht von Seagate offiziell beworben, tauchen aber immer mal wieder bei Händlern – vor allem kleinen Marketplace-Händlern – im Sortiment auf.

Dies meist zu fantastischen Preisen! So habe ich für 2 × 26 TB Seagate Exos 26 TB Factory Recertified ST26000NM000C jeweils um die 330 € gezahlt. Die günstigste reguläre 26‑TB‑HDD im Handel liegt bei 500 € (Western Digital Ultrastar DC HC590) und die Western Digital WD Red Pro 26 TB sogar bei 650 €.

Und ähnliche Ersparnisse gibt es in allen Kapazitätsklassen.

Aber was genau kaufen wir da mit „Factory Recertified“ Festplatten? Warum sind diese so günstig, und warum werden sie nur etwas unter der Hand angeboten? Sind die Festplatten vielleicht beschädigt oder Fake? Ich habe mir 2 × Seagate Exos 26 TB Factory Recertified gekauft, von zwei unterschiedlichen Händlern.

Wollen wir uns einmal im Test ansehen, ob mit den beiden Platten alles in Ordnung ist!

 

2 × 26 TB Factory Recertified

Ich habe 2 × Seagate Exos 26 TB Factory Recertified Festplatten (ST26000NM000C) über Amazon gekauft für ca. 330 €.

Dies von zwei unterschiedlichen Händlern:

  • Platte 1 stammt von „Merity GmbH“ und wurde von Amazon versendet.
  • Platte 2 stammt von „XINU GmbH“ und wurde direkt von diesen versendet.

Grundsätzlich wurden beide Festplatten ausreichend gut verpackt geliefert – hier habe ich nichts zu bemängeln.

Platte 1 – Merity GmbH

Platte 2 – XINU GmbH

Beide Festplatten waren verschweißt und in einem absolut neuwertigen Zustand.

Es ist natürlich möglich, dass sie in einem werkzeuglosen Hot‑Swap-Schacht steckten, der keine Spuren auf dem Gehäuse hinterlassen hat; ebenso könnten beide Platten äußerlich neu vom Band gerollt sein.

Zubehör oder Ähnliches gab es nicht. Ebenso gibt es natürlich keinen bedruckten Verkaufskarton oder sowas.

 

Was bedeutet Factory Recertified?

Hier beginnen die großen Rätsel: was bedeutet Factory Recertified bei Seagate im Detail? Offiziell können wir dies wie folgt zusammenfassen:

„Factory Recertified („werksüberholt“) bedeutet, dass die Festplatte zum originalen Hersteller (also Seagate) zurückgekehrt ist, etwa wegen Überschuss, Rückgabe, Demo‑ oder leichten Mängeln. Diese Geräte durchlaufen ein strenges Prüfverfahren: Diagnosetests, Firmware‑Updates, S.M.A.R.T.-Checks – kurz gesagt: sie müssen den Standards einer neuen Seagate‑Festplatte entsprechen. Danach erhalten sie eine neue, typische „Recertified“-Kennzeichnung und oft einen grünen Rand am Label.“

Theoretisch handelt es sich hierbei also um Festplatten, die möglicherweise in einem Datacenter aussortiert wurden – beispielsweise wegen leichten SMART‑Fehlern –, dann zu Seagate zurückgegangen sind, dort repariert (oder als fehlerhaft eingestuft) wurden, getestet und anschließend als „Factory Recertified“ weiterverkauft werden.

Platte 1
Platte 2

Dabei werden alle SMART‑Werte gelöscht bzw. auf den Standard zurückgesetzt. Wir können also nicht sehen, wie viele Betriebsstunden die Festplatten bereits absolviert haben oder welche Fehler möglicherweise vorlagen.

Dies macht Factory‑Recertified-Festplatten zu einer Art Wundertüte.

Allerdings – vor allem bei den großen Versionen – können wir davon ausgehen, dass diese gar nicht lange genutzt worden sein konnten, da es diese Modelle noch nicht lange gibt.

Spannenderweise bietet Seagate im Falle der 26 TB‑Version gar nicht offiziell eine solche Festplatte an. Verdächtig!

 

Kapazität ist echt

Beginnen wir mit dem wichtigsten: die Kapazität der Festplatten ist echt. Wir haben hier also nicht die gleiche Situation wie bei einigen Fake‑USB-Sticks.

Genau genommen haben wir 23,6 TB nutzbare Kapazität in Windows – das ist aber normal.

 

Leistung der Festplatten

Werfen wir einen Blick auf die Leistung der Festplatten.

Zunächst sehen die Leistungswerte sehr gut aus:

  • Platte 1 erreicht 239 MB/s in der Spitze und 190 MB/s im Schnitt.
  • Platte 2 ist allerdings ein Stück schneller mit 252 MB/s in der Spitze und 200 MB/s im Schnitt.

Dies ist schon eine gewisse Abweichung, aber noch im Rahmen üblicher Mess‑ und Fertigungstoleranzen. Es ist natürlich möglich, dass Platte 2 „frischer“ und besser ist als Platte 1 – das lässt sich aber anhand der Zahlen nur schwer exakt bestimmen.

In anderen Tests (Zugriffszeiten usw.) zeigten sich ebenfalls minimale Unterschiede, aber generell würde ich die Werte beider Platten als unauffällig gut bezeichnen.

 

Lautstärke

Auch bei der Geräuschentwicklung gab es nichts Auffälliges. Im Leerlauf sind beide Platten fast komplett lautlos. Lediglich bei Random‑Zugriffen gibt es das übliche Klicken.

 

Effektiv keine Garantie

Seagate Factory Recertified Festplatten haben nach offiziellen Angaben lediglich 0,5 Jahre Garantie. Theoretisch hast du auch 2 Jahre Gewährleistung.

Effektiv würde ich aber davon ausgehen, dass du bei Seagate Factory Recertified Festplatten „keine“ Garantie hast.

 

Fazit

Natürlich sind Seagate Factory Recertified Festplatten etwas „riskanter“, was die Zuverlässigkeit angeht, als reguläre „neue“ Festplatten.

Allerdings kann ich bisher nichts Negatives über die Festplatten sagen. Die hier getestete 26‑TB-Version ST26000NM000C ist nicht meine einzige Factory Recertified-Festplatte – ich habe auch einige 18‑TB-Modelle im Einsatz, welche bisher ebenfalls tadellos funktionieren.

Zwar gab es im Test einen leichten Geschwindigkeitsunterschied zwischen den beiden Platten (ca. 10 MB/s im Schnitt), aber beide boten mit 200 MB/s bzw. 190 MB/s im Schnitt eine mehr als ordentliche Leistung und zeigten ansonsten keine negativen Auffälligkeiten.

Seagate Exos 26TB Int. Server Festplatte ST26000NM000C (Factory...
  • - Instandgesetzt und zertifiziert durch den Hersteller Seagate...

Kurzum: Wenn du bereit bist, ein leichtes Risiko einzugehen und effektiv auf die Garantie zu verzichten, sind Seagate Factory Recertified Festplatten ein wirklich guter Weg, etwas Geld zu sparen.

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Michael Barton
Michael Barton
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5 Kommentare

  1. Naja, die Frage ist worin das Risiko besteht. Nicht vorhersehbarer, plötzlicher Verlust aller gespeicherten Daten? Dann wäre selbst die billigste aller Festplatten zu teuer, oder?

  2. @klause: Deine Daten sollten natürlich nie am Wohl und Wehe einer einzigen Platte liegen. Dafür hat man dann RAID und Backups. Allerdings sind 330 € immer noch eine Stange Geld, das im Schadensfall zum Fenster hinaus geworfen ist. Dieses Risiko nimmt einem auch kein Backup. Ich drücke Michael jedenfalls die Daumen, dass seine Platten viele Jahre halten mögen.

    • 🤣NATÜRLICH habe ich backups (wie hoffentlich jeder)! Aber mal ehrlich, wie oft macht man diese (wenn man kein Profi / Unternehmen ist)? Meist seltener als man sollte, speziell wenn man relativ langsame Platten (non-SSD) einsetzt. Merkt man dann wenn die Platte crasht und alle aktuellen Daten weg sind…😦
      Mein Punkt: solche langsame non-SSD-Platten setzt man eigentlich gerade für Backups ein (Arbeitsplatten heute eher SSDs). Sind diese aber nicht zuverlässig sind sie m.E. wertlos. Und der „TT-Test“ als solcher war diesmal ziemlich aussagelos…

  3. Mit externen Tools wie z.B. den smartmontools können Sie die sog. FARM-Werte Ihrer Platten auslesen und so die tatsächlichen Laufzeiten ermitteln.

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