Sennheiser GSX 1000 im Test – der Virtual Surround Sound König!

Der Soundspezialist Sennheiser wagt mit der neuen GSX 1000 Serie den Einzug in den externen Gaming Soundkarten Markt. Mit umfangreicher Ausstattung, intuitiver Bedienung und einer neuen Virtual Surround Sound Technologie greift der deutsche Hersteller den Highend Sektor an.

Sennheiser GSX 1000 im Detail:

Das Sennheiser GSX 1000 ist eine USB Soundkarte mit Kopfhörerverstärker. Mit einer Unterstützung von Endgeräten bis 150 Ohm Impendanz wird nahezu jedes Headset ausreichend stark angetrieben. Dass Sennheiser vor allem Spieler anspricht, spiegelt sich im Featureumfang wider. Mikrofonrückführung, EQ Profil für Spiele und vor allem der Virtual Surround Sound sollen das Spielerlebnis auf eine neue Ebene heben. Der Hersteller verzichtet komplett auf eigene Software und setzt auf eine direkte Steuerung am Gerät selber.

Im Lieferumfang befindet sich die Soundkarte, ein 1,2 Meter langes USB Kabel, eine Kurzanleitung sowie die Garantiebestimmungen.

Mit rund 150€ im Preisvergleich ist das Sennheiser GSX 1000 ein gutes Stück teurer als die direkte Konkurrenz von Creative oder Asus. Der Hersteller gewährt auf das Produkt zwei Jahre Garantie.

Schlichtes Design:

Die schwarz-silberne Box hinterlässt für ein Gaming Equipment einen ungewöhnlich schlichten Ersteindruck. Mit einer Kantenlänge von knapp unter 10cm benötigt das Sennheiser GSX 1000 kaum Platz am Schreibtisch oder in der Notebooktasche. Dank großzügig dimensionierten Gummiflächen an der Unterseite ist eine gute Rutschfestigkeit gewährleistet. Bei Bedarf kann zudem das Aufstellfüßchen hochgeklappt werden, das für einen angenehmeren Bedienungswinkel sorgt.Schließt man die Soundkarte an, erwacht das Auge zum Leben. Bei der Beleuchtung des Displays, der touchsensitiven Außenzonen sowie des Lautstärkerings wird auf die Farbe Rot gesetzt. Um nicht vom Geschehen abzulenken, werden alle beleuchteten Elemente nach zwei Sekunden ausgeblendet. Einzig die Lautstärkeanzeige und der Lautstärkering werden auf minimale Helligkeit gedimmt, damit man selbst bei Nacht das Sennheiser GSX 1000 zielsicher finden kann.

Anschlüsse:

Auf der Hinterseite sind alle Ein- und Ausgänge untergebracht. Für die Audioübertragung werden zwei 3,5mm Klinken Ausgänge für Kopfhörer und Lautsprecher sowie eine 3,5mm Klinke Eingang für ein Mikrofon zur Verfügung gestellt. Erfreulicherweise wurde genug Abstand zwischen den Buchsen gewählt, sodass selbst bei Verwendung der breiten 6,3mm auf 3,5mm Adapter kein Anschluss verdeckt wird. Die Daten- und Stromversorgung erfolgt lobenswerterweise über Micro USB. Ist das mitgelieferte Kabel zu kurz oder geht kaputt, ist ein Ersatz schnell und kostengünstig beschaffbar.

Plug’N’Play mit einem Aber:

Die reine Geräteinstallation geht selbstständig vonstatten. Sowohl Windows 10 als auch Mac OS erkennen die Soundkarte, ohne irgendwelche Treiber aus dem Internet zu beziehen. Ein nerviger Software Download wie beispielsweise bei der Creative ZxR entfällt daher vollständig.

Der erste Soundcheck dürfte für viele aber eine gewisse Ernüchterung darstellen, da das Sennheiser GSX 1000 als zwei Audiowiedergabegeräte erkannt und – zumindest unter Windows 10 – das Falsche mit deutlich schlechterer Klangqualität standardmäßig ausgewählt wird. Ein Besuch in den Windows Ton Einstellung („Sound“) ist daher von Nöten. In dem aufkommenden Fenster muss das richtige Gerät „Lautsprecher (GSX 1000 Main Audio)“ ausgewählt werden. Damit ist die Ersteinrichtung noch nicht abgeschlossen. Für einen korrekten Virtual Surround Sound muss die Soundkarte noch als 7.1 Lautsprecher Setup eingerichtet werden. Dies schränkt jedoch die maximale Bittiefe sowie Abtastrate ein. Von maximal 24 Bit und 96 kHz, die das Gerät als „2.0 HD“ anzeigt, ist nur noch eine Auswahl von 16 Bit und einer Abtastrate von 48 kHz verfügbar.

Einzigartiger Komfort:

Abgesehen von der Ersteinrichtung verläuft jede weitere Anpassung an dem Gerät selber. Zur Lautstärkeänderung bedarf es einer Drehung des Aluminiumrings. Eindrucksvoll kommt hierbei die gute Verarbeitungsqualität zum Vorschein. Über den ganzen Laufbereich lässt sich das Bedienelement gleichmäßig und ohne etwaiges Kratzen oder Spiel verstellen. Man könnte fast meinen, dass es sich um ein HiFi Produkt aus den 80er handele, wenn nicht das Kunststoffgehäuse und die Touchelemente wären.

Apropos Touchelemente. Davon weist das Sennheiser GSX 1000 einige auf. Rundum um die Laustärkeanzeige wurden sechs mit Icons ausgestatte Touch-Bedienfelder zur Abstimmung der verschiedenen Einstellmöglichkeiten untergebracht. Die Umsetzung ist, wie man es von einem Gerät jener Preisklasse erwarten kann, durchgehend gelungen. Der kapazitive Touchscreen erkennt präzise und fehlerfrei jede Eingabe. Durchgeführte Anpassungen werden umgehend am Gerät angezeigt.

Es stehen zudem vier berührungsempfindlichen Zonen in den Außenbereichen der Front zur Verfügung, womit selbstdefinierte Presets geladen werden können. Bereits nach kurzer Nutzungsdauer lernt man dies zu schätzen. Nerviges auf dem Display Rumgetippe entfällt mit einer Handbewegung. In meinem Fall habe ich ein Profil für Musik mit Kopfhörern sowie mit Lautsprechern und zwei für Multiplay Titel erstellt. Damit nicht aus Versehen ein Profil geladen wird, muss der Finger für ca. 0,5 Sekunden auf dem Element aufliegen.

Klang- und Aufnahmequalität:

Der Punkt Klangqualität dürfte wohl für die meisten eines der wichtigsten Kriterien sein. Hier braucht sich das Sennheiser GSX 1000 nicht vor der Creative ZxR verstecken. Töne werden an einen Sennheiser HD 598 sowie AIAIAI TMA-2 klar und kraftvoll dargestellt. Bei den deutlich hochohmigeren Sennheiser HD 650 ist ein hörbarer Vorteil für Creatives Lösung feststellbar. Zugegeben, ein etwas unfairer Vergleich. Die Sennheiser HD 650 überschreiten mit 300 Ohm Impedanz den für das GSX 1000 maximal empfohlenen Wert um den Faktor zwei. Die Klangcharakteristik ist ohne aktiven Equalizer für eine Gaming Peripherie erfreulicherweise neutral abgestimmt und fällt im Vergleich zur Creative ZxR sogar einen Tick analytischer aus. Das gute Ergebnis lässt sich auch bei der dargestellten Bühne ausmachen.

Der Mikrofoneingang muss hingegen für die unterdurchschnittliche Aufnahmequalität gerügt werden. Die Aufnahmen wirken etwas blechern und ohne Dynamik. Bei einer nicht einstellbaren Rauschunterdrückung, eine Bittiefe von 16 Bit und einer Abtastrate von nur 16 kHz ist dies wenig verwunderlich.

Features, Features, Features:

Kommen wir nun zu den zusätzlichen Features des Sennheisers GSX 1000. Wer neben Kopfhörern noch Lautsprecher am PC betreibt, kennt sicherlich das ewige hin und her Gestöpsele der Klinkenstecker. Dank des zweiten Audioausganges haben nun beide Wiedergabegeräte einen festen Platz. Die Umschaltung erfolgt wie bei allen Einstellungsänderungen über das Touchinterface.

Darüber hinaus ist ein Equalizer mit insgesamt drei verschiedenen Profilen am Board. Das Gaming Profil eliminiert jedwede Tiefen und verstärkt den mittleren sowie hohen Frequenzbereich massiv. Das Ziel ist es, Fußschritte sowie Nachladegeräusche für einen spielerischen Vorteil hervorzuheben und das klappt im Tests einwandfrei. Die Spielatmosphäre wird dabei vollständig zerstört. Möchte man aber die Rangliste anführen, führt kein Weg daran vorbei.

Die Musik sowie Film Presets weisen viele Ähnlichkeiten auf. Bei beiden erhält man einen Badewannen typischen Klang: Tiefen und Höhen werden angehoben. Der Unterschied liegt in der Intensität und dem Frequenzbereich der angetastet wird. Das Film Profil wirkt allgemein in den Tiefen nicht so radikal, überspannt mit der Anhebung auch noch den Niederfrequenzbereich. Bei den Höhen dreht sich das dargestellte Muster. Eine eigene Equalizer Kurve zu erstellen, ist leider nicht möglich. Man muss gezwungenermaßen auf Drittanbieter Software zurückgreifen. Das führt das Prinzip des Gerätes ad absurdum.

Ein weiteres Highlight ist die durch das seitliche Rad unabhängig einstellbare Lautstärke von Sprachanwendungen wie Teamspeak oder Skype zum Spielesound. Diese Funktion haben wir bereits bei dem SteelSeries Arctis 5 gesehen. Man kann damit on-the-fly den Fokus entweder mehr auf das Gespräch oder auf das virtuelle Spielgeschehen legen. Wer den eigenen Lautstärkepegel des Mikrofons überprüfen möchte, kann dies mit der zweistufigen Mikrofonrückführung vollziehen.

Virtual Surround Sound:

Mithilfe der auf den Namen Sennheiser Binaural Rendering Engine getauften Technik wird der virtuelle 7.1 Ton erzeugt. Das Ergebnis ist schlicht überwältigend. Mit einer Handbewegung wird der virtuellen Welt neuer Atem eingehaucht. Die Soundkulisse erhält mehr Plastizität. Stimmen, flackernde Fackeln oder das Jaulen der Wölfe erhalten in Witcher 3 gegenüber dem 2.0 Ton mehr Tiefe. In Battlefield 4 kommt wahres Gänsehaut Feeling auf, wenn ein Jet, Helikopter oder eine Rakete dicht an einem vorbeifliegt. Am besten vergleichbar ist das Ganze mit einem 3D Film, in dem sich Objekte in bzw. vor der Leinwand bewegen. Insbesondere offene Kopfhörer profitieren von der neu gewonnenen Räumlichkeit deutlich.

Auch das Tracking von Objekten und Gegnern funktioniert einwandfrei. Mit geschlossenen Augen kann man die Richtung und Entfernung, zu welcher Position die Geräuschquelle zum virtuellen Alter Ego steht, sicher abschätzen. Es besteht zudem eine Option, die Laustärke des vorderen bzw. hinteren Bereiches anzuheben. Zusätzlich lässt die der Halleffekt um zwei Stufen erhöhen. Dies soll den räumlichen Effekt weiter verstärken. Für meinen Geschmack ist man damit am Ziel vorbeigeschossen. Dadurch wird ein offenes Feld in eine Oper oder Höhle verwandelt.

Eine Klangverfärbung findet selbst ohne zusätzlich eingemischten Halleffekt statt. Der etwas matte Ton ist wenig störend beim Spielen. Für Musik empfehle ich, den Raumklang zu deaktivieren. Erneut reicht dafür eine kurze Berührung auf dem Gerät aus.

Playstation 4 Unterstützung?

Spätestens seit der 8. Konsolen-Generation wurden die Weichen für eine breite Unterstützung an Dritthersteller Peripherie gestellt. So ist es immer wieder spannend rauszufinden, ob das zu testende Objekt einwandfrei funktioniert.

Wie man dem Screenshot entnehmen kann, konnte die PlayStation 4 Pro mit Firmware 5.0 das Sennheiser GSX 1000 ordnungsgemäß erkennen. Gegenüber dem PC fällt jedoch jegliche Konfigurationsmöglichkeit weg. Das bezieht sich nicht nur im positiven Sinne auf die Ersteinrichtung, sondern auch auf alle weiteren Features. Selbst eine Änderung der Lautstärke ist nicht über das Drehrad möglich. Hierfür muss man dem Quick Menü der PS4 einen Besuch abstatten. So wird das Sennheiser GSX 1000 auf einen einfachen, aber hochwertigen DAC reduziert.

Fazit:

Sennheiser hat mit der GSX 1000 aus dem Stand eine überzeugende Gaming Soundkarte auf dem Markt gebracht. Die Klangqualität kann sich getrost mit der Konkurrenz messen lassen. Die extra entwickelte Binaural Rendering Engine für den Virtual Surround Sound definiert wahrhaftig den Spielesound neu und die Bedienung einer Soundkarte war noch nie so einfach, direkt und innovativ. Dank zweitem Soundausgang kann man mit einer einfachen Fingerbewegung bequem zwischen Kopfhörer und Lautsprecher wechseln. Insbesondere für den mobilen Einsatz sind wechselbare, standardisierte Kabel ein wahrer Segen und ist als großer Pluspunkt zu werten.

Der Verzicht von eigener Software erspart einem das nervige Downloaden auf der Herstellerwebsite, zieht aber eine notwendige Ersteinrichtung in den Windows Soundeinstellungen mit sich. Gleichzeitig wäre ein optionales Programm für eigene Equalizer Profile wünschenswert gewesen. Mit einer maximal empfohlenen Kopfhörerimpedanz von 150 Ohm werden zwar nahezu alle Headsets abgedeckt, schränkt aber die Auswahl von manch schwer anzutreibenden Hifi Kopfhörern ein.

Negativ aufgefallen ist nur die schwache Aufnahmequalität des Sennheiser GSX 1000. Zugegebenermaßen wird einem die Person in Skype, Discord oder Teamspeak verstehen, jedoch stellt dies selbst gegenüber dem Onboard Mikrofoneinganges einen Rückschritt dar.

So kristallisiert sich das Sennheiser GSX 1000 als elegante Soundlösung für Liebhaber von Singleplayer Spielen und Lone Wolves heraus. Dank der kompakten Ausmaße ist das Gerät für den mobilen Einsatz prädestiniert und wer will, kann es als sehr guten 2.0 DAC an der Playstation 4 verwenden.

Nicolas Guggenberger

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