Ich hatte mir vor Jahren für Techtest die Bosch GTC 400 C Wärmebildkamera gekauft, welche mit über 700 € eine große Investition war. Allerdings gab es lange Zeit einfach kaum gute und günstigere Wärmebildkameras.
Mittlerweile gibt es aber einige interessante asiatische Hersteller wie HIKMICRO oder Thermal Master. Besonders spannend bei diesen Herstellern sind die kleinen Wärmebildkameras, die sich an das Smartphone anstecken lassen.
Diese bieten für +- 200 € eine überraschend gute Qualität. Aber was, wenn du nach einem Standalone-Gerät suchst?
Thermal Master bietet mit der Thor 001 eine “professional-grade” Wärmebildkamera an, welche unter anderem mit einer besonders hohen Auflösung von 512 × 384 punkten soll.
Diese ist dabei mit rund 500 € zwar durchaus in einer gehobenen Preisklasse unterwegs, verglichen mit den Ansteck-Modulen, aber für einen professionellen Nutzer ist die Thor 001 fast schon ein Schnäppchen.
Aber wie sieht es in der Praxis aus? Wie gut ist die Thermal Master Thor 001 auch verglichen mit der Bosch GTC 400 C? Finden wir dies im Test heraus!
Die Thermal Master Thor 001 im Test
Bei der Thermal Master Thor 001 handelt es sich um eine recht typische handgehaltene Wärmebildkamera.
Diese richtet sich ganz klar an professionelle Nutzer. So ist die Kamera nicht nur recht robust gebaut, sondern wird auch in einer “gepolsterten” Box geliefert.
Dabei ist sowohl der Bereich um das Display als auch um den Sensor recht dick mit Gummi “gepolstert”, um einen Sturzschutz sicherzustellen. Und ja, die Kamera wirkt sehr robust und gut gebaut.
Auf der Front finden wir den Sensor mit einer integrierten Abdeckung, um diesen zu schützen.
Auf der Rückseite haben wir das 3,5-Zoll-Display, wie auch die Tasten zur Steuerung.
Die Tasten der Wärmebildkamera sind vergleichsweise groß und stark abgehoben. Dies hilft bei der Bedienung mit Handschuhen.
Auf der Oberseite haben wir einen microSD-Kartenslot wie auch den USB-C-Port der Kamera. Beides ist unter einer Klappe geschützt. Ein offizielles IP-Rating konnte ich leider aber nicht finden.
Der USB-C-Port wird auch genutzt, um die Kamera zu laden. Eine Ladung reicht für ca. 8 Stunden Nutzung. Dies ist eine gute Laufzeit, aber im Gegensatz zur Bosch GTC 400 C ist der Akku nicht tauschbar.
Die Technik
Das Wichtigste ist aber natürlich die Technik. Thermal Master wirbt bei der Thor 001 mit einer 512 × 384 Auflösung des Wärmebilds. Dies ist für eine Wärmebildkamera sehr viel!
Allerdings ist das auch nicht ganz richtig, denn die eigentliche Auflösung liegt bei 256 × 192 Punkten. Allerdings wird das Wärmebild hochskaliert auf 512 × 384, was auch durchaus gut funktioniert.
Zum Vergleich:
- Thermal Master Thor 001 – 256 × 192 bzw. 512 × 384
- Bosch GTC 400 C (ca. 700 €) – 160 × 120
- Bosch GTC 600 C (ca. 1000 €) – 160 × 120
- FLIR E4 (ca. 200 €) – 80 × 60
- FLIR E96 (ca. 12.000 €) – 640 × 480
- Fluke TiS20+ (ca. 1900 €) – 120 × 90
- Fluke TiS60+ (ca. 4000 €) – 320 × 240
Dies einfach nur, um der Auflösung etwas Kontext zu geben. Allerdings setzen auch viele “Mini”-Wärmebildkameras im Preisbereich um 300 € auf einen Sensor mit 256 × 192 Punkten Auflösung. Es kann hier angenommen werden, dass es sich um den gleichen Sensor mit einer anderen Linse handelt.
Dabei wirbt Thermal Master mit einem Messbereich von –20 °C bis 550 °C, was erfreulich groß ist. Dabei soll die Wärmebildkamera mit einer Genauigkeit von +- 1,5 % arbeiten, was ebenfalls sehr beeindruckend wäre.
Mit Makro-Aufsatz
Mit im Lieferumfang der Thor 001 liegt eine Makrolinse. Diese Linse/Aufsatz erlaubt es dir, auch kleinere Komponenten mit hoher Bildschärfe zu überwachen.
Ohne die Makrolinse ist die Wärmebildkamera primär für mittelgroße Geräte wie Heizungsanlagen usw. geeignet.
Standalone oder mit App
Grundsätzlich lässt sich die Thermal Master Thor 001 komplett Standalone nutzen! Du schaltest die Kamera ein, machst ein Wärmebild und dieses wird einfach auf der eingesetzten microSD-Speicherkarte gesichert.
Am PC kannst du die Wärmebilder einfach als JPG aufrufen, erneut ist keine weitere Software erforderlich, wenn du die Bilder nicht weiter bearbeiten willst.
Also du kannst die Thor 001, wenn du willst, komplett ohne Software, App, Internet, Registrierung usw. nutzen.
Wenn du willst, kannst du die Kamera aber natürlich auch mit deinem Smartphone verbinden, um dort beispielsweise auch die Bilder im Nachhinein zu bearbeiten.
Messgenauigkeit?
Aber wie steht es um die Messgenauigkeit? Dies ist nicht ganz einfach immer zu beurteilen. So habe ich immer die Bosch GTC 400 C als Referenz, aber wie genau ist die Bosch?
Im Folgenden habe ich das Druckbett meines Bambu Lab H2C auf 40, 60, 80, 100 und 120 Grad geheizt. Natürlich ist auch hier die Frage, wo der H2C seine Temperatur misst, denn diese ist nicht komplett gleichmäßig.
Aber es gibt uns ein gewisses Ziel und eine Referenz, in welchem Temperaturbereich die Messung sein sollte.
Wichtig! Ich konzentriere mich hier auf die Maximal-Temperatur und nicht auf die Mittelpunkt-Messung. Dies sollte sicherstellen, dass beide Kameras die gleiche Stelle im Wärmebild „anzielen“.
Grundsätzlich bieten beide Wärmebildkameras ähnliche Messwerte. Allerdings misst die Thermal Master Thor 001 tendenziell etwas niedrigere Temperaturen als die Bosch GTC 400 C.
Allerdings liegen die Hot-Spot-Temperaturen der Thermal Master Thor 001 dichter an der Zieltemperatur des 3D-Druckers.
Auch bei anderen Messungen liegen beide Wärmebildkameras dicht beieinander, sind aber nicht immer identisch. Bei einer Stichprobe war die Thermal Master im Vergleich zu einem IR-Thermometer etwas dichter dran.
Am Ende muss ich klar sagen: Wärmebildkameras sind alle nie zu 100 % akkurat. Aber tendenziell sehe ich die Thermal Master Thor 001 fast etwas vor der Bosch GTC 400 C.
Dies gilt gerade bei mittleren oder höheren Distanzen! Hier verliert die Bosch sehr stark an Präzision und die Werte werden ungenau.
Die Thermal Master Thor 001 schlägt sich hier ein Stück besser und liefert auch auf Mitteldistanz noch saubere Ergebnisse.
Wie kommt’s? Ich vermute, dies liegt einfach an der höheren Auflösung der Thermal Master, welche gerade auf Distanz hilft, kleine Hitze- oder Kälte-Punkte zu finden, welche von der Bosch verschluckt werden.
Etwas langsamer beim Starten
Beim Vergleich mit der Bosch GTC 400 C gibt es einen Punkt, der mir zugunsten der Bosch aufgefallen ist. Dies wäre die Startzeit.
- Thermal Master Thor 001 – 26 Sekunden
- Bosch GTC 400 C – 6 Sekunden
Du kannst sehen, wie viel schneller die Bosch verglichen mit der Thermal Master startet.
Fazit
Mit der Thor 001 liefert Thermal Master eine Wärmebildkamera ab, die sich klar an anspruchsvolle Anwender richtet und dort auch überzeugt. Du bekommst ein robustes Standalone-Gerät, das ohne App-Zwang, Cloud oder Registrierung sofort einsatzbereit ist und dabei eine Bildqualität liefert, die in dieser Preisklasse alles andere als selbstverständlich ist. Gerade die höhere effektive Auflösung macht sich in der Praxis bemerkbar, vor allem auf mittleren Distanzen, wo Details sichtbar bleiben, die ältere Modelle schlicht verschlucken.
Auch bei der Messgenauigkeit hinterlässt der Thor 001 einen sehr guten Eindruck. Absolut perfekt ist keine Wärmebildkamera, doch im direkten Vergleich bewegt sich die Thermal Master mindestens auf Augenhöhe zur Bosch GTC 400 C. Die mitgelieferte Makrolinse erweitert den Einsatzbereich zusätzlich und macht die Kamera auch für feinere Arbeiten interessant.
Kritikpunkte gibt es trotzdem: Die lange Startzeit ist im Alltag spürbar und der fest verbaute Akku dürfte nicht jedem gefallen. Auch ein offizielles IP-Rating hätte dem professionellen Anspruch gut zu Gesicht gestanden. Das sind aber Punkte, die den Gesamteindruck nicht entscheidend trüben.
Unterm Strich bekommst du mit der Thermal Master Thor 001 eine sehr leistungsfähige Wärmebildkamera, die preislich deutlich unter klassischen Pro-Geräten liegt, sich in der Praxis aber erstaunlich nah an diese heranschiebt. Ich denke, die größte Konkurrenz für die Thor 001 sind aber die Smartphone-Module, welche oftmals nochmals eine +- gleiche Messqualität zu einem nochmals günstigeren Preis bieten. Dies sind dann aber keine Standalone-Geräte mehr.






















