Videoüberwachung ist ein Thema, das immer wichtiger wird. Viele Hersteller bieten hier eigene Ökosysteme und Lösungen an.
Allerdings gibt es auch Lösungen, welche die zentrale Speicherung und Auswertung von Überwachungskameras verschiedener Hersteller erlauben. Beispielsweise bieten viele NAS-Systeme eine entsprechende NVR-Funktionalität an.
Allerdings bieten einige NAS-Hersteller auch gesonderte Systeme speziell für die Videoüberwachung an. So bietet beispielsweise QNAP das TVR-AI200.
Bei dem QNAP TVR-AI200 handelt es sich um ein NVR-System mit integriertem PoE-Switch und zwei HDD-Slots. Dabei soll dieses auch Funktionen wie eine Personenerkennung bieten.
Wollen wir uns das QNAP TVR-AI200 doch in einem Test etwas näher ansehen.
Das QNAP TVR-AI200 im Test
Das TVR-AI200 setzt auf einen recht typischen Formfaktor für ein NVR-System. So würde ich den Formfaktor am ehesten „DVD-Player-ähnlich“ bezeichnen.
So misst dieser 44 × 360 × 333 mm und kann wahlweise auf einem Tisch platziert werden oder mit Rackohren in einem Server-Rack montiert werden.
Dabei ist das Design „unspektakulär“ und ziemlich langweilig.
Anschlüsse
Auf der Front besitzt der QNAP TVR-AI200 lediglich einen USB-A-2.0-Port. Deutlich spannender wird es auf der Rückseite.
- 1x Gbit LAN Uplink
- 16x Gbit PoE Ports
- 1x HDMI 1.4
- 1x USB 2.0
- 1x USB 3.0
Die große Besonderheit beim TVR-AI200 sind die 16x Gbit LAN Ports auf der Rückseite. Im Kern ist hier ein Switch integriert.
Diese Ports bieten auch PoE, genau genommen PoE+ „802.3at“ mit maximal 25,5 W pro Port. Insgesamt kann der NVR 130 W über diese PoE-Ports bereitstellen.
Der Gedanke ist, dass du hierdurch Überwachungskameras direkt mit dem NVR verbinden kannst.
Neben diesen Anschlüssen haben wir auch einen Gbit Uplink, um auf das System aus dem Netzwerk zugreifen zu können, wie auch HDMI und einige USB-Ports. Über HDMI kannst du direkt einen Monitor verbinden, um Kameras usw. zu beobachten.
2x 3,5 Zoll im Inneren
Im Inneren des QNAP TVR-AI200 findest du zwei „Slots“ bzw. Anschlüsse für SATA-Festplatten oder SSDs.
Diese werden hier „fest verbaut“ und lassen sich ohne ein Zerlegen des Gehäuses nicht entfernen, was auch aus Sicht der Sicherheit absolut Sinn macht.
KEIN NAS!
Wichtig, das QNAP TVR-AI200 ist nicht neben der NVR-Funktionalität als NAS-System nutzbar. Die Software des TVR-AI200 bietet keine Möglichkeit für das freie Anlegen von freigegebenen Ordnern usw.
Bis zu 16 Kameras
Das TVR-AI200 unterstützt grundsätzlich bis zu 16 Kameras. Wichtig: 16 Kameras mit Full-HD-Auflösung.
Kameras mit höheren Auflösungen werden auch unterstützt, aber dann im Maximum entsprechend weniger.
Ich habe für diesen Test zunächst eine Ubiquiti UniFi G5 Turret Ultra verbunden, später auch noch eine Reolink-Kamera.
16-Port-Switch
Der Switch im TVR-AI200 kann in zwei Modi genutzt werden. Du kannst diese „separieren“ von deinem restlichen Netzwerk mit eigenem DHCP-Server usw., aber du kannst angeschlossene Geräte auch im Netzwerk verfügbar machen, wie bei einem normalen Switch.
„TVR OS (QNE)“
Als Betriebssystem beim TVR-AI200 kommt das QNAP-eigene „TVR OS (QNE)“ zum Einsatz. TVR OS scheint im Kern das bekannte QTS NAS-Betriebssystem zu sein, bei welchem aber alle Apps und Features weggeschnitten sind, die nichts mit der Videoüberwachung oder Funktion als NVR zu tun haben.
Grundsätzlich haben wir hier eine Web-UI, die eher einem „Betriebssystem“ im Webbrowser entspricht. So haben wir hier nach dem Einloggen einen Desktop, Fenster-Manager usw.
Du kannst auch mehrere Fenster auf einmal öffnen usw.
Dabei ist die Benutzeroberfläche grundsätzlich optisch sehr gut gelungen und ansprechend. Sicherlich ist diese etwas komplexer als bei einem 0815-Überwachungssystem, dafür aber auch etwas mächtiger.
QVR Surveillance
Im Kern besteht das TVR-AI200 aus zwei Komponenten. Auf der einen Seite haben wir die klassische NVR-Funktionalität, auf der anderen Seite die KI-Features.
Starten wir mit der klassischen NVR-Funktionalität über die QVR Surveillance App.
Diese erlaubt dir zunächst das Verbinden von Überwachungskameras, das Aufzeichnen dieser und das Auswerten der Aufnahmen.
QVR Surveillance hat jetzt erst einmal keine „erweiterten“ Features. Dieser Teil des TVR-AI200 ist sehr klassisch und ohne KI oder Ähnlichem.
Du hast die Wahl aus hunderten Überwachungskameras, wie aber auch die Möglichkeit, universell Modelle via Onvif oder RTSPS zu verbinden.
Einmal verbunden, kannst du einen Zeitplan für die Aufnahme erstellen oder halt dauerhaft aufnehmen.
Nichts Besonderes, alles soweit klassisch.
Dies funktioniert beim TVR-AI200 mit bis zu 16 Kameras (Lizenzen dafür sind inbegriffen). Du kannst auch mehrere Kameras auf einmal live betrachten usw.
Die Aufnahmen werden dabei in 5-Minuten-Häppchen unterteilt und nach Datum/Uhrzeit sortiert. Hier aber ein Kritikpunkt: Das Auswerten und Durchsehen der Aufnahmen ist relativ verworren und kompliziert!
Beispielsweise die Timeline-Ansicht bei UniFi Protect ist um einiges schöner und besser gelöst.
QVR Pro Client
Etwas besser und schöner ist vor allem das Auswerten der Aufnahmen über die App (Desktop-App) „QVR Pro Client“ gelöst.
Diese kannst du einfach herunterladen und lokal mit dem NVR verbinden. Dort lassen sich Aufnahmen auch in einer Timeline betrachten, durch Scrollen usw.
Auch kannst du hier die KI-Ereignisse sehen, direkt zu diesen springen usw.
Ich denke, für eine effiziente Nutzung/Auswertung ist der QVR Pro Client mehr oder weniger Pflicht.
Die KI-Funktionen
Aber wie es sich für jedes Produkt im Jahr 2026 gehört, hat natürlich auch das TVR-AI200 „KI“. Wobei KI bei der Videoüberwachung auch wirklich sinnvoll sein kann.
Welche KI-Features bringt das TVR-AI200 mit?
- Gesichtserkennung
- Personenzählung
Sieht im ersten Moment recht überschaubar aus und leider haben wir z. B. keine Objekterkennung oder so was. Aber gerade die Gesichtserkennung ist recht ausgeprägt.
So wird auf Wunsch jedes Gesicht einer Person erkannt und „mitgeloggt“. Du kannst bekannte Personen hinterlegen und auch beispielsweise eine Benachrichtigung anlegen, wenn Person XYZ auftaucht.
Du kannst auch Benachrichtigungen anlegen, wenn eine „nicht autorisierte“ Person einen Bereich betritt.
Bis zu 1000 Gesichter lassen sich beim TVR-AI200 anlegen.
Zudem kann das TVR-AI200 auch die Personen noch weiter einordnen.
- Geschlecht
- Alter
- Stimmung
- Maske Ja/Nein
Sehr interessant, gerade dass das NVR auch die Stimmung erkennen kann. Und ja, dies funktioniert auch in einem gewissen Rahmen. Wenn ich recht deutlich mit verzogener Miene auf die Kamera zugehe, wird erkannt, dass ich „Angry“ bin.
Auch die generelle Gesichtserkennung funktioniert gut, wie so oft üblich ist aber im besten Fall ein recht direkter Blick in die Kamera nötig, damit das Gesicht sauber erkannt und zugeordnet werden kann.
Generell ist aber die Gesichtserkennung klar ein Highlight am TVR-AI200.
Es lassen sich auch Berichte anzeigen/erstellen und exportieren, wann wer wie wo gesehen wurde. Praktisch!
Neben der Gesichtserkennung haben wir auch eine „Personen-Erkennung“ und Zählung.
So kannst du eine virtuelle Linie erstellen und alle Personen zählen, welche diese überschreiten. Praktisch für Events oder wenn du mitzählen willst, wie viele Besucher dein Geschäft hatte.
Auch dies lässt sich in Logs exportieren, inklusive Statistiken usw.
Maximal 2x KI
Wichtig! Es lassen sich aber nur zwei KI-Anwendungen beim TVR-AI200 anlegen! Heißt, du kannst nur bei 2 Kameras die Gesichtserkennung aktivieren bzw. 1x Gesichtserkennung + 1 Personenerkennung usw.
Dies wird eine Limitierung der Rechenleistung des SoCs sein. Schade.
Lokale Konsole
Du kannst einen HDMI-Monitor, Maus und Tastatur mit dem TVR-AI200 verbinden. Dann kannst du deine Aufnahmen bzw. die Live-Ansicht auch direkt am Gerät betrachten und verwalten.
Du hast hier dann den QVR Pro Client, nur dass dieser direkt auf dem NVR läuft ohne zusätzlichen PC.
Stromverbrauch und Lautstärke
Der Stromverbrauch des QNAP TVR-AI200 schwankt je nach verbauten Festplatten/Laufwerken und welche PoE-Geräte du angeschlossen hast.
Ich habe das TVR-AI200 mit einer SATA-SSD getestet, wir sehen hier also den „Basis-Verbrauch“. Dieser lag bei mir bei ca. 15 – 16 W. Das ist akzeptabel für ein Gerät dieser Klasse.
Im TVR-AI200 sind Lüfter verbaut. Im Normalbetrieb erzeugt das NVR konstant ein hörbares Surren. Dieses ist aushaltbar, aber ich würde mir das NVR jetzt auch nicht auf meinen Schreibtisch stellen.
Fazit zum QNAP TVR-AI200
Das QNAP TVR-AI200 richtet sich klar an dich, wenn du eine zentrale, herstellerunabhängige Videoüberwachung suchst und dabei Wert auf stabile NVR-Funktionalität legst. Besonders der integrierte 16-Port-PoE-Switch ist ein echtes Highlight: Kameras lassen sich direkt und sauber anbinden, ohne zusätzliche Switches oder Netzteile, das spart Platz und Kabel, vor allem bei kleineren Geschäften.
Die klassische NVR-Funktionalität ist solide, aber eher konservativ umgesetzt. Aufnahme, Verwaltung und Kamera-Kompatibilität funktionieren zuverlässig, die Web-Oberfläche wirkt jedoch bei der Auswertung der Aufnahmen etwas komplizierter. Der QVR Pro Client ist hier praktisch Pflicht, wenn du effizient arbeiten möchtest. Positiv ist, dass QNAP diese Möglichkeit überhaupt bietet. Allerdings ist auch der QVR Pro Client nicht die „schönste“ Lösung, die ich jemals gesehen habe.
Die KI-Funktionen sind das spannendste Merkmal des TVR-AI200. Vor allem die Gesichtserkennung überzeugt im Test mit guter Erkennungsrate, umfangreichen Auswertungen und sinnvollen Benachrichtigungsoptionen. Auch die Personenzählung ist praxisnah umgesetzt. Die harte Limitierung auf maximal zwei gleichzeitige KI-Analysen bremst das System allerdings deutlich aus.
Wichtig zu wissen: Das TVR-AI200 ist kein NAS. Wenn du zusätzliche Speicher- oder Serverfunktionen erwartest, bist du hier falsch. QNAP geht bewusst den Weg eines dedizierten Überwachungssystems. Dafür punktet das Gerät mit ordentlichem Stromverbrauch, stabiler Software und der Möglichkeit, es auch direkt per HDMI zu bedienen.
Unterm Strich ist das QNAP TVR-AI200 ein leistungsfähiges, aber spezialisiertes NVR, das vor allem in kleinen bis mittleren Installationen, Büros oder Geschäften seine Stärken ausspielt. Wenn du mit den KI-Limits leben kannst und eine saubere, zentrale Überwachungslösung im klassischen Gewand suchst, bekommst du hier ein durchdachtes Gesamtpaket mit klaren Stärken, aber auch klaren Grenzen.
























