Die Crucial P1 SSD im Test, schnell, günstig und sparsam?

Mit der P1 wagt sich Crucial endlich in den Markt für besonders schnelle PCIe/NVME SSDs. Dabei versucht man ein ähnliches Rezept zu nutzen wie bei der sehr erfolgreichen MX500.

Eine gute und vernünftige Leistung zu einem sehr fairen Preis.

Die Crucial P1 soll keine Geschwindigkeitsrekorde aufstellen, aber einen kleinen Leistungsschub verglichen mit SATA SSDs bieten, zu einem geringen Aufpreis.

Hierfür nutzt Crucial unter anderem den neuen QLC Speicher, welcher auch für den günstigen Preis verantwortlich ist.

Geht die Rechnung auf? Ist die Crucial P1 eine gute SSD? Finden wir dies im Test heraus!

An dieser Stelle vielen Dank an Crucial für das Zurverfügungstellen der P1 für diesen Test.

 

Die Crucial P1 im Test

Crucial setzt bei der P1 SSD auf den mittlerweile gängigen M.2 2280 Formfaktor, wie auch die PCIe bzw. NVME Schnittstelle/Protokoll.

Damit ist die P1 die erste SSD von Crucial die den Schritt auf die schnellere Anbindung via PCIe wagt. Wobei dies nicht ganz richtig ist, vor X Jahren gab es bereits eine NVME PCIe SSD von Crucial, welche aber recht schnell wieder vom Markt verschwunden war.

Die P1 ist hier ein deutlich ernsthafterer Versuch auf dem Markt Fuß zu fassen.

Die P1 von Crucial soll sich natürlich primär über den günstigen Preis und die vergleichsweise hohe Leistung für diesen Preis verkaufen.

Dabei bietet Crucial die P1 in 500GB, 1TB und 2TB Größen an. Wie üblich bieten die Größeren Version leicht höhere Schreib/Leseraten als die 500GB Version.

LesenSchreiben
Crucial P1 500GB1900 MB/s950 MB/s
Crucial P1 1TB2000 MB/s1700 MB/s
Crucial P1 2TB2000 MB/s1750 MB/s

Mit 2000MB/s (1900MB/s) leseraten ist die Crucial P1 sicherlich keine absolute Top SSD, gehört aber auf dem Papier zu den flotteren Modellen.

Sehr Ähnliches gilt auch für die Schreibraten. Die 950MB/s der 500GB Version sind zwar etwas „unspektakulär“, aber 1700MB/s der größeren Versionen ist durchaus ordentlich!

Bei der 1TB Version setzt Crucial auf eine einseitige Bestückung der SSD. Es befinden sich lediglich auf der Oberseite zwei Flash Speicher Module welche mit 8QA22 NW947 beschriftet sind. Es handelt sich hier natürlich um Micron QLC Speicher Chips. Crucial ist eine Tochterfirma von Micron.

Bei der 2TB Version scheinen zwei weitere Chips auf der Rückseite zum Einsatz zu kommen, wo hier nur freie Pads sind.

Beim Controller setzt Crucial auf den Silicon Motion SM2263EN. Hierbei handelt es sich um einen PCIe Gen3 x4 NVMe 1.3 Controller mit vier Speicher Kanälen, welcher zwar als kosteneffizient, aber nicht als „billig“ Controller vermarktet wird. So verfügt der SM2263EN über einen DRAM Cache, welcher bei einigen günstigen SSDs mittlerweile schon eingespart wurde.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die hohe Leistung und vor allem starke Energie Effizienz welche von Silicon Motion beworben wird.

Gepaart wird Silicon Motion SM2263EN mit 512MB, 1GB oder 2GB DRAM, passend zur jeweiligen Kapazität.

Bonuspunkte gibt es für Crucial für das schickere schwarze PCB. Auf einen Kühlkörper oder Kupfer-Aufkleber hat der Hersteller allerdings verzichtet.

 

QLC Speicher in der Crucial P1

Die Crucial P1 ist eine der ersten SSDs auf dem Markt welche QLC Speicher nutzt.

  • SLC = 1 Bit pro Zelle
  • MLC = 2 Bits pro Zelle
  • TLC = 3 Bits pro Zelle
  • QLC = 4 Bits pro Zelle

QLC hat zwei wichtige Vorteile und zwei wichtige Nachteile. Starten wir mit den Vorteilen, QLC Speicher ist theoretisch günstiger als TLC in der Produktion und somit können die jeweiligen SSDs auch etwas günstiger im Handel angeboten werden. Zudem kann QLC Speicher noch dichter gepackt werden, wodurch mittelfristig größere SSDs im Handel auftauchen werden.

Klingt doch soweit ganz gut, allerdings hat QLC auch Nachteile. Zum einen ist die Performance, gerade beim Schreiben von QLC Speicher aktuell noch ein gutes Stück schlechter als bei TLC und vor allem MLC.

Auch die Lebensdauer von QLC Speicher ist niedriger als der anderen Speichertypen. Umso mehr Bits pro Zelle gespeichert werden umso mehr wird eine Zelle belastet, was ihre Lebensdauer reduziert.

Dies spiegelt sich bei der Crucial P1 auch bei der TBW Angabe wieder. TBW = die Menge an Terabyte die sich garantiert auf die SSD schreiben lässt vor einem Ausfall.

Crucial P1 gibt bei der 1TB Version nur 200TB und bei der 512GB Version nur 100TB an, was verglichen mit den meisten anderen SSDs relativ wenig ist.

Ist dies problematisch wenig? Jein, wenn Ihr Youtuber seid, die den ganzen Tag Videos hin und her schiebt, solltet Ihr eine andere SSD wählen. Aber als normal Nutzer würde ich mir keinen zu großen Kopf machen.

200TB = jeden Tag 54GB geschriebene Daten für 10 Jahre. Ich als intensiv Nutzer komme nicht auf 54GB Schreibvorgänge pro Tag!

Zudem handelt es sich hier in der Regel um eine grobe Angabe. Bei QLC Speicher muss sich natürlich noch die Zuverlässigkeit etwas zeigen, aber auch bei TLC konnte man meist schon das X fache an Daten schreiben wie angegeben.

 

Benchmarks der Crucial P1, Runde 1

Starten wir mit den ersten synthetischen Benchmarks. Folgendes Testsystem habe ich für alle Benchmarks in diesem Test genutzt:

  • Intel Core i7-5820K
  • 16GB RAM
  • ASRock X99 Extreme6/3.1
  • Nvidia GTX 1060
  • Windows 10

Bei der hier getesteten SSD handelt es sich um die Crucial P1 in der 1TB Version! Die 500GB Version wird tendenziell etwas langsamer sein und die 2TB Version tendenziell etwas schneller. Die Unterschiede sollten aber in der Praxis nicht all zu groß ausfallen.

Beginnen wir mit dem Klassiker unter den Speicher Benchmarks, CrystalDiskMark.

Mit 1987MB/s unterschreitet die P1 minimal die Herstellerangabe von 2000MB/s. Verglichen mit anderen NVME SSDs ist dies kein überragender Wert. Sicherlich gibt es einige NVME SSDs in der unteren Preisklasse die noch einiges schneller sind, aber mit den High End SSDs kann sich die Crucial P1 hier auf dem Papier nicht messen.

Außer wir schauen uns die Werte bei kleineren Dateigrößen an. Gerade bei den Q32T1 und 4KiB Q1T1 kann die Crucial P1 sich sogar mit den „Großen“ messen und oftmals schlagen. Gerade die 4KiB Q1T1 Werte, die beim Laden von Programmen sehr wichtig sind, stimmen mich sehr hoffnungsvoll für positive praktische Benchmarks.

Auch die Schreibwerte sehen im allgemeinem sehr gut aus! Beim Sequential Write Test erreicht die SSD 1723MB/s, was etwas mehr als die beworbenen 1700MB/s sind. Wichtiger sind hier aber die, wenn nicht herausragenden Werte bei kleineren Dateigrößen. Bei 4K Dateien liefert die Crucial P1 sogar bessere Werte als eine Samsung 970 Pro!

Diese durchaus positiven Werte werden im Übrigen auch vom AS SSD Benchmark bestätigt.

Crucial P1 CrytalDiskMark Crucial P1 AS SSD

 

Schreibcache?

Wenn Ihr den Test bis hier komplett gelesen habt, wird Euch sicherlich eine Ungereimtheit aufgefallen sein. Im Abschnitt QLC spreche ich von der niedrigen Schreibperformance um dann die Schreibwerte in CrystalDiskMark zu loben.

Wie passt das zusammen?

Die Crucial P1 nutzt einen SLC Cache. Es gibt also so zu sagen einen „schnellen“ Bereich auf der SSD, in welchen zunächst alle Daten geschrieben werden. Der SLC Cache wird im Hintergrund immer wieder freigeschaufelt. Sofern auf Eurer SSD genug freier Speicherplatz ist, erhaltet Ihr auch immer wieder das volle Tempo.

Aber was passiert, wenn der SLC Cache voll ist?

Ja….. Nach dem SLC Cache sinkt die Schreibgeschwindigkeit von rund 1700MB/s auf rund 75MB/s. Nach dem Cache ist die Crucial P1 langsamer beim sequenziellen Schreiben als die meisten USB Sticks.

Dies klingt im ersten Moment natürlich sehr böse, 75Mb/s bei einer SSD. Allerdings praktisch ist dies meist weniger wild. Der SLC Cache wird immer wieder freigeräumt, daher werdet Ihr diese 75Mb/s nur sehen wenn Ihr eine große Datei am Stück auf die SSD kopiert.

Wie groß ist der SLC Cache? Bei der 1TB SSD scheint dieser großzügige 120GB zu sein. Also erst wenn Ihr eine Datei auf die SSD kopiert die über 120GB hat, bricht das Tempo ein.

Ich nehme mal an, dass der Cache bei der kleineren 500GB SSD bei 60GB und bei der 2TB Version bei 240GB liegen wird.

Viele TLC SSDs verfügen auch über einen Schreibcache, aber über 100GB sieht man hier auch nicht überall.

 

Benchmarks der Crucial P1, Runde 2

Kommen wir von den synthetischen zu den praktischen Benchmarks.

Starten wir hier mit einem WinRAR Test. Für diesen Test wurde auf die Crucial P1 zwei .rar Archiv kopiert, mit einmal 41GB und 47.000 Dateien und einmal mit 25GB und 2.000 Dateien. Bei Archiv NR.1 handelt es sich um meine gepackte Lightroom Bibliothek, bei Archiv NR.2 um Bioshock Infinite.

Test-Paket 1 hat sehr viele kleine Daten, Paket 2 ist etwas gemixter. Es wurde die Zeit gestoppt, bis der Entpackvorgang komplett abgeschlossen war.

Diese Testergebnisse haben mich durchaus ein gutes Stück überrascht. Die Crucial P1 kann hier die Toshiba RD400 oder Corsair MP500 bei den ersten Testdateien schlagen und das obwohl die SSDs eigentlich eine Klasse über der P1 liegen.

Dies bestätigt die guten Ergebnisse bei kleinen Dateigrößen aus dem Crystaldiskmark Test.

Da die hier getesteten Archive nur 41GB bzw. 25GB groß sind, gab es auch genug Platz im Cache der P1.

Das Entpacken eines Archivs ist ein recht schreibintensiver Vorgang, wie sieht es aber bei einem lese intensiven Einsatz aus? Beispielsweise bei einem AV-Scanner? Für diesen Test habe ich mithilfe des Windows Defenders den zuvor entpackten Lightroom Ordner gescannt und die Zeit gestoppt.

Hier ist die Crucial P1 auch nicht schlecht dabei, sackt aber verglichen mit den „großen“ Modellen doch ein Stück ab.

Hier zeigt sich die Lesegeschwindigkeit von „nur“ 2000MB/s, verglichen mit den teils vorhandenen 3000MB/s+. Allerdings ist der Unterschied auch eher als minimal zu bezeichnen.

Zwar ist eine Neuinstallation von Windows 10 nichts Alltägliches, aber durchaus ein interessanter Test. Für diesen habe ich Windows 10 von einem originalen Windows 10 USB Stick auf dem Test-PC neu installiert.

Hierbei habe ich die Zeit vom Weiterklicken in den Partitionseinstellungen bis hin zur ersten erzwungenen Nutzerinteraktion gestoppt.

Erneut ein sehr vernünftiges Ergebnis! Die Crucial P1 liegt vor den klassischen SATA SSDs und knapp hinter den High End NVME SSDs.

Wie steht es aber um das Starten von Windows?

Windows startet grundsätzlich mit allen SSDs sehr schnell. Bei der hier erreichten 33,29 Sekunden sind über 50% reine BIOS Zeit, für welche die SSD nichts kann.

Allerdings schneidet in diesem Test die P1 etwas schlechter ab als ich dies erwartet habe. Wobei dies bei einer Spanne von 31-34 Sekunden Startzeit kaum nennenswert ist.

Gilt selbiges für Spiele? (Angegeben ist der Mittelwert aus drei Test-Durchläufen)

Auch hier liegen alle SSDs +-2 Sekunden beieinander. Die Crucial P1 scheint zwar hier nicht zu den Top Performern zu gehören, aber in der Praxis halte ich es für wenig relevant ob nun CS GO nun 31,6 Sekunden bei der Crucial P1 benötigt, oder 30,49 Sekunden bei einer Samsung 970 EVO.

 

Stromverbrauch

Leider ist das Messen des Stromverbrauchs bei M.2 SSDs etwas nicht ganz triviales. Ich muss mich hier eines Tricks bedienen. Ich verbaue die SSDs in ein externes NVME fähiges USB C 3.1 Gehäuse (Jmicron JMS582) und messe hier den Stromverbrauch dieses Gehäuses inklusive SSD. Ich kann hier das leere Gehäuse in einem gewissen Rahmen herausrechnen, aber die so erhaltenen Werte werden nicht 100%ig genau sein!

Allerdings, eine SSD die tendenziell mehr Strom benötigt, wird auch dies in der Tabelle zeigen. Achtet also weniger auf die absoluten Werte und mehr auf den Vergleich zu den anderen Modellen um einzuschätzen ob nun eine SSD eher mehr oder weniger Energie benötigt.

Erfreulicherweise scheint die Crucial P1 eine sehr sparsame SSD zu sein! Gerade im Leerlauf benötigt diese nur sehr wenig Energie.

Damit bietet sich die Crucial P1 für Notebooks und Ultrabooks an!

 

Fazit

Die Crucial P1 hinterlässt einen sehr positiven Eindruck im Test. Zwar muss man ganz klar sagen, dass die P1 nicht die schnellste SSD auf dem Markt ist, aber sie ist vernünftig schnell.

Grundsätzlich bietet die Crucial P1 eine gute Leseleistung bzw. Geschwindigkeit beim Starten von Programmen und eine sehr gute Schreibgeschwindigkeit, für eine SSD dieser Klasse. Bei letzterer gibt es allerdings eine Einschränkung.

Wie die meisten günstigen SSDs arbeitet auch die Crucial P1 mit einem Cache. Dieser ist bei der 1TB Version +-120GB groß. Schreibt Ihr innerhalb von sehr kurzer Zeit mehr als diese 120GB, sinkt die Geschwindigkeit der SSD massiv auf bis zu 75MB/s!

Allerdings wann schreibt man mal mehr als 120GB am Stück? Sofern Ihr keinen großen 4K Videoschnitt betreibt vermutlich gar nicht. Ich denke 95% der Nutzer werden bei der 1TB oder 2TB SSD niemals etwas von der niedrigeren Schreibgeschwindigkeit außerhalb des Caches mitbekommen.

Auch die theoretisch niedrigere Lebensdauer des QLC Speichers wird im Alltag kaum negativ auffallen. Crucial gibt die Lebensdauer der 1TB Version mit 200TBW an, was über 50GB pro Tag über 10 Jahren entspricht. Erneut denke ich dies als für 95% der Nutzer ist dies mehr als ausreichend.

Was die generelle Leistung im Alltag angeht, kann man die Crucial P1 über eine klassische SATA SSD setzen, aber zu einer High End SSD wie der Samsung 970 Pro ist natürlich auch noch ein gewisser Abstand vorhanden.

Dies aber weniger in der Praxis, wo es teils um wenige ms Unterschied geht, dafür mehr in theoretischen Benchmarks und Preis.

Kurzum, die Crucial P1 ist eine flotte und Strom sparende NVME SSD für alle Nutzer die ein Stück weit mehr Leistung wollen als eine SATA SSD bieten könnte, aber dafür auch keinen dicken Aufpreis zahlen möchten.

Für absolute intensiv Nutzer gibt es bessere SSDs, aber für das Notebook, für den normalen Gamer oder auch Office PC ist die Crucial P1 eine absolut empfehlenswerte SSD*!

Michael Barton

Vielen Dank fürs Lesen! Sollte mein Bericht euch geholfen haben würde ich mich über einen erneuten Besuch meiner Webseite und/oder dem Folgen meines Twitter freuen! Vielen Dank!

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