Mittlerweile nutze ich auf sehr vielen meiner PCs und Notebooks Linux als Betriebssystem. Vermutlich würde ich sogar mit allen meinen Systemen auf Linux wechseln, wären da nicht die Adobe-Anwendungen.
Ich habe mir nun vor Kurzem das Dell XPS 16 DA16260 gekauft.
Zwar bietet Dell normalerweise einen recht guten Linux-Support, dies sogar sehr oft offiziell. Leider gilt das aber nicht für die 2026er XPS-Modelle, welche laut Dell kein Linux unterstützen.
Aber das ist nur die offizielle Aussage. Wie sieht es in der Praxis aus? Gibt es hier Probleme oder laufen die bekannten Distributionen alle problemlos?
Exotische Hardware
Ich habe die meisten meiner Tests am XPS 16 DA16260 durchgeführt. Allerdings ist das XPS 14 DA14260 sehr ähnlich, so ähnlich, dass ich davon ausgehe, dass viele meiner Schlüsse 1 zu 1 auf dieses angewendet werden können.
Beide XPS-Modelle nutzen in vielen Punkten etwas „exotischere“ Hardware. Zum einen sind die Intel Panther Lake CPUs noch recht neu, zum anderen haben wir gerade beim Trackpad und den Lautsprechern ein etwas exotischeres Setup.
Und wenn es um Linux-Support geht, ist „Standard-Hardware“ meist das Beste und Einfachste.
Live-Test
Ich habe mir folgende Linux-Distros im „Live“-Modus angesehen, um zu schauen, ob passende Treiber von Haus aus mitgebracht werden:
Ubuntu 26.04 LTS, sieht gut aus!
Erfreulicherweise kann ich berichten, dass Ubuntu 26.04 LTS und die XPS-Modelle soweit weitestgehend funktionieren.
- WLAN funktioniert
- Trackpad funktioniert
- Lautsprecher funktionieren
- Webcam funktioniert nicht
Zunächst ließ sich Ubuntu problemlos starten und alle wichtigen „Basis-Treiber“ sind da. Heißt, Display, Trackpad, Tastatur, WLAN usw. funktionieren „out of the Box“.
Auch die Lautsprecher und das Audio-Setup funktionierten grundsätzlich. Es scheinen alle 4 Lautsprecher zu laufen und auch die Lautstärke ist voll da.
Allerdings ist der Klang weniger gut als unter Windows. Ich nehme an, dass unter Windows automatisch ein EQ und andere Sound-Verbesserer angewendet werden. Das ist unter Linux nicht der Fall.
Ich halte es allerdings für möglich, dass du mit einem manuellen EQ über diverse Apps den Klang +- auf das Windows-Level bekommen kannst. Die Hardware wird anscheinend korrekt angesprochen.
Auffällig war allerdings, dass das Trackpad nicht ganz so weich (von der Zeiger-Animation) läuft, aber das halte ich für kein Drama.
Das Einzige, was gar nicht „Out of the Box“ wollte, war die Webcam. Diese wurde von Ubuntu 26.04 LTS nicht erkannt.
Abseits von der Webcam halte ich Ubuntu 26.04 in Kombination mit dem XPS 14 und 16 2026 für nutzbar.
Fedora 43
Das 2026 Dell XPS 14 oder 16 und Fedora 43 ist keine gute Idee. Hier haben wir einige Baustellen.
- WLAN funktioniert nicht
- Trackpad funktioniert nicht
- Lautsprecher funktionieren nicht
- Webcam funktioniert nicht
Vielleicht lassen sich einige dieser Punkte fixen, aber das erfordert einiges an Arbeit, um das XPS nutzbar mit Fedora 43 zu machen.
Fedora 44 (Beta 1)
Fedora 44 ist schon etwas besser als Fedora 43.
- WLAN funktioniert
- Trackpad funktioniert
- Lautsprecher funktionieren nicht
- Webcam funktioniert nicht
So funktionieren hier die Basis-Features, WLAN, Eingabegeräte usw. Allerdings funktionieren die Lautsprecher und die Webcam nicht.
Manjaro (Ende April)
Bei Manjaro sehen wir ein sehr ähnliches Bild wie bei Fedora 44.
- WLAN funktioniert
- Trackpad funktioniert
- Lautsprecher funktionieren nicht
- Webcam funktioniert nicht
Die „Basis-Hardware“ läuft, aber Lautsprecher und Webcam werden nicht erkannt.
In der Praxis mit Ubuntu
Nach den ersten Tests mit Live-„Installationen“ habe ich mich klar für Ubuntu 26.04 LTS entschieden. Wie läuft dieses in der Praxis mit den neuesten Updates (Anfang Mai)?
Hier gibt es Licht und Schatten. Grundsätzlich läuft Ubuntu 26.04 LTS auf dem XPS 16, aber es gibt kleinere Kinderkrankheiten.
So wird die Webcam weiter nicht erkannt und ich habe jetzt keine Möglichkeit gefunden, diese zum Laufen zu bringen. Für mich ist das jetzt aber nicht soo tragisch.
Abseits davon läuft Ubuntu 26.04 LTS erst einmal problemlos. Ich konnte keine Abstürze oder Ähnliches beobachten, mit einer Ausnahme, dem Standby-Modus.
Der Standby-Modus funktioniert an sich auch, aber nach diesem kann es passieren, dass das Notebook „unsauber“ läuft, als würde das Display des XPS auf 20 Hz hängen bleiben.
Ich habe die OLED-Version des XPS 16, welche ein OLED mit variabler Bildrate zwischen 20 und 120 Hz mitbringt. Nach dem Standby laufen Animationen und der Mauszeiger einfach „ruckeliger“, als wäre das Display auf 20 Hz eingefroren.
Ähnliches gibt es auch in den Live-Starts von den USB-Sticks, aber das Problem war nach einem Update/Upgrade eigentlich verschwunden.
Ich habe die Vermutung, dass dies eventuell mit der Intel Arc GPU zusammenhängt, welche ja noch sehr neu ist. Ich bin da also recht zuversichtlich, dass dieses Problem verschwindet mit zukünftigen Updates.
Denn abseits davon (und der Webcam) läuft es gut unter Ubuntu.
Fazit
Die 2026er Dell XPS-Modelle, also das XPS 14 DA14260 und das XPS 16 DA16260, sind nicht optimal für Linux. Das ist die ehrliche Wahrheit, und das sagt Dell selbst auch so. Offiziell gibt es für diese Generation keinen Linux-Support, und das spürt man in der Praxis auch.
Allerdings ist die Situation längst nicht hoffnungslos. Mit Ubuntu 26.04 LTS hast du eine Distribution, die auf den XPS-Modellen schon heute weitgehend nutzbar ist. WLAN, Trackpad, Tastatur und sogar die Lautsprecher laufen out of the Box. Das ist mehr, als man bei so neuer und teils exotischer Hardware erwarten durfte.
Klar, es gibt Baustellen: Die Webcam funktioniert bisher nicht, und der Standby-Modus kann nach dem Aufwachen für ruckeliges Display-Verhalten sorgen. Wer auf Fedora 43 oder Manjaro setzt, hat deutlich mehr Probleme zu lösen. Das ist nichts für Linux-Einsteiger.
Aber der entscheidende Punkt ist dieser: Die Hardware ist neu, die Treiber-Entwicklung läuft, und gerade bei Ubuntu 26.04 LTS sieht man, dass die Community schnell reagiert. Es ist gut möglich, ich würde sogar sagen: wahrscheinlich, dass viele der aktuellen Probleme in den nächsten Monaten durch Updates verschwinden werden.
Wenn du also unbedingt ein XPS 14 oder 16 aus dem Jahr 2026 mit Linux betreiben willst, dann wähle Ubuntu 26.04 LTS, bring etwas Geduld mit, und halte das System aktuell. Dann bekommst du ein sehr leistungsfähiges Notebook mit einem gut nutzbaren Linux, auch wenn es noch kein absolut reibungsloses Erlebnis ist.





