Die meisten NP-FZ100 Nachbauten sehen sich ziemlich ähnlich. Ein schwarzer Klotz, eine Kapazitätsangabe drauf, fertig.
Der PHOTOOLEX BB Battery Pro will da bewusst ausbrechen. Er bringt einen USB C Port mit, ein kleines Display und eine Kapazitätsangabe von satten 2600 mAh.
Damit ist er einer der Akkus mit der höchsten Herstellerangabe, die mir bisher untergekommen sind. Die große Frage ist also: Steckt hinter den 2600 mAh auch wirklich Kapazität? Oder wurde hier mal wieder großzügig „gerundet“?
Ich habe den PHOTOOLEX auf meine elektrische Last gepackt und nachgemessen.
Der PHOTOOLEX BB Battery Pro im Test
Rein optisch ist der PHOTOOLEX erst einmal ein echter Hingucker. Das weiß-schwarze Design hebt sich deutlich von den üblichen schwarzen Klötzen ab. Das gefällt mir.
Spannender ist aber, was er sonst noch mitbringt:
So haben wir einen USB C Port direkt am Akku. Du kannst ihn also ohne separates Ladegerät an jedem Handy-Netzteil laden.
Auch haben wir ein kleines Display, das Dir den Ladestand anzeigt – und beim Laden sogar die Eingangsleistung in Watt. Verrückt, aber cool!
In Kombination mit der PHOTOOLEX BB Pro Powerbank lassen sich zudem die Ladezyklen auslesen.
Gerade der letzte Punkt ist clever. Bei einem gebraucht gekauften Akku würdest Du sonst nie erfahren, wie viele Zyklen er schon hinter sich hat. Hier bekommst Du die Info direkt.
2600 mAh – eine mutige Ansage
Kommen wir zur Kapazität. 2600 mAh sind eine Hausnummer.
Zur Einordnung: Der originale Sony Akku wird mit 2280 mAh angegeben. Der PHOTOOLEX will diese Angabe also deutlich übertreffen.
Und ehrlich? Bei so einer Zahl werde ich sofort skeptisch. Ich habe schon zu viele Akkus getestet, deren Herstellerangabe mit der Realität wenig zu tun hatte. Der ENEGON Akku aus meinem letzten NP-FZ100 Vergleich mit seinen angeblichen 2800 mAh lässt grüßen.
Schauen wir also, was übrig bleibt, wenn man wirklich misst.
Der Testaufbau
Falls Du meine anderen Akku-Tests kennst, kannst Du diesen Abschnitt überspringen. Für alle anderen kurz erklärt:
Ich entlade die NP-FZ100 Akkus mit einer elektrischen Last kontrolliert bis auf 6,0 V. Im Akku stecken zwei in Reihe geschaltete Lithium-Ionen-Zellen, macht 7,2 V nominal. 6,0 V entsprechen 3,0 V pro Zelle, das ist ungefähr die normale Entladeschlussspannung und deckt sich auch mit dem Punkt, an dem die Kamera den Akku als leer meldet.
Ich fahre mindestens zwei Durchläufe: einen mit 0,2 A (langsames Fotografieren) und einen mit 1,5 A (das entspricht +/- der maximalen Last beim Filmen).
So sehe ich nicht nur, wie viel Kapazität wirklich drinsteckt, sondern auch, wie gut sich der Akku unter Last schlägt. Und genau das wird beim PHOTOOLEX noch wichtig.
Welche Kapazität hat der PHOTOOLEX wirklich?
Jetzt wird’s interessant. Meine Messwerte:
- Bei 0,2 A: 2047 mAh
- Bei 1,5 A: 1898 mAh
Von den beworbenen 2600 mAh bleiben bei gemütlicher Entladung also rund 2047 mAh übrig. Das sind knapp 79 % der Herstellerangabe.
Damit ist eines klar: Die 2600 mAh sind Wunschdenken. Genau wie beim ENEGON wurde hier nach meinen Tests ordentlich zu hoch gegriffen. Das kann ich so nicht gutheißen.
Aber es gibt auch Positives! Die meisten Nachbauten brechen unter der höheren Last spürbar ein. Der PATONA Premium zum Beispiel fällt von 1963 mAh auf 1485 mAh, das sind fast 25 % weniger.
Der PHOTOOLEX? Fällt nur von 2047 auf 1898 mAh. Das sind gerade einmal gut 7 % Verlust.
Das ist mit Abstand der geringste Kapazitätsverlust unter Last im gesamten Testfeld. Kein anderer NP-FZ100 Akku hält seine Kapazität bei hoher 1,5 A Last so stabil. Heißt, die verwendeten Akkuzellen scheinen schon etwas besser zu sein als bei den meisten Nachbauten.
Schön sieht man das auch an der Entladekurve. Die beiden Linien für 0,2 A und 1,5 A liegen ungewöhnlich dicht beieinander – der PHOTOOLEX hat also einen niedrigen Innenwiderstand und knickt unter Last kaum ein.
Und das hat Folgen für die Platzierung. Bei 0,2 A landet der PHOTOOLEX mit 2047 mAh nur im Mittelfeld. Bei 1,5 A dagegen klettert er auf Platz 3 – direkt hinter dem Sony (1988 mAh) und dem Patona 2400 (1910 mAh).
Heißt für Dich: Wenn Du viel filmst, also mit hoher Last unterwegs bist, spielt der PHOTOOLEX seine eigentliche Stärke aus. Die geschönte Kapazitätsangabe fällt beim Filmen deutlich weniger ins Gewicht.
Warum schlägt der Sony immer noch alle Nachbauten?
Diese Frage stelle ich mir bei jedem NP-FZ100 Test aufs Neue. Auch beim PHOTOOLEX kommt der originale Sony Akku bei 0,2 A mit 2267 mAh außer Reichweite.
Ich konnte das in der Vergangenheit selbst kaum glauben und hatte mir extra einen zweiten Sony Akku gekauft und nachgemessen – gleiches Ergebnis. Der Sony hat einfach die bessere Kapazität, so bitter das für die günstigere Konkurrenz ist.
Beim PHOTOOLEX sieht man aber etwas Spannendes, das zumindest einen Teil der Sache erklärt. Bei 0,2 A liegt der Sony rund 11 % vorne. Bei 1,5 A schrumpft dieser Vorsprung auf keine 5 % zusammen.
Der Sony hat also die höhere reine Kapazität, aber der PHOTOOLEX hat den geringeren Innenwiderstand. Beide setzen offensichtlich auf unterschiedliche Zellen: Sony auf maximale Kapazität, PHOTOOLEX eher auf gute Belastbarkeit.
Für langsames Fotografieren gewinnt damit weiter der Sony. Beim Filmen rücken die beiden aber eng zusammen. So ganz uneinholbar ist das Original also nicht mehr.
Laden per USB C
Der USB C Port ist für mich das eigentliche Highlight des PHOTOOLEX. Kein Suchen nach dem passenden Ladegerät mehr, kein extra Ladeschacht. Handy-Netzteil dran und fertig.
Ich habe auch den Ladevorgang mitgeloggt. Der PHOTOOLEX holt sich seinen Strom per USB C Power Delivery und zieht dabei bis zu knapp 14 W (rund 9 V).
Voll war der Akku nach etwa 2 Stunden und 20 Minuten. Dabei sind rund 19,6 Wh in den Akku geflossen. Die ersten gut 60 % der Ladezeit lädt er mit voller Leistung, danach drosselt er wie üblich Stück für Stück, um die Zellen zu schonen.
Gewicht
Das Gewicht ist bei NP-FZ100 Akkus für mich immer ein spannender Punkt, weil schwerere Akkus oft etwas mehr Kapazität mitbringen.
Beim PHOTOOLEX geht diese Faustregel aber nicht auf. Mit 85,9 g ist er der schwerste Akku im gesamten Testfeld, schwerer sogar als der originale Sony mit 82,65 g. Und trotzdem hat er bei 0,2 A eben nicht die höchste Kapazität.
Die Erklärung liegt auf der Hand: Das zusätzliche Gewicht steckt nicht in dickeren Zellen, sondern in der USB C Ladeelektronik und dem Display.
Fazit
Die PHOTOOLEX BB Battery Pro ist ein zwiespältiger Kandidat und trotzdem einer, den ich mag.
Fangen wir mit dem Ärgerlichen an: Die 2600 mAh sind schlicht zu hoch gegriffen. Real waren es bei mir im Test rund 2047 mAh, also keine 79 % der Angabe. Und mit 85,9 g ist er der schwerste Akku im Feld. Wer maximale Kapazität bei möglichst wenig Gewicht will, sollte weitersuchen.
Es gibt aber auch einige Pluspunkte:
- Die PHOTOOLEX hält seine Kapazität unter Last besser als jeder andere Akku in meinem Test. Für Vielfilmer ist das ein echtes Argument.
- Der USB C Port spart Dir das extra Ladegerät.
- Das Display mit Ladestand- und Watt-Anzeige ist praktisch.
- Die Ladezyklen lassen sich auslesen. Das kann sonst kaum ein NP-FZ100 Akku.
- Und er sieht einfach gut aus.
Suchst Du den Akku mit der absolut höchsten Kapazität fürs langsame Fotografieren, bleibt der originale Sony die erste Wahl. Willst Du aber einen richtig gut ausgestatteten Akku, der beim Filmen zu den Stärksten im Feld gehört und Dir mit USB C und Display den Alltag erleichtert, dann ist die PHOTOOLEX BB Battery Pro eine klare Empfehlung.














