Crucial bietet mit der P310 eine sehr interessante SSD an. So handelt es sich bei der P310 an sich um eine „Mittelklasse“-SSD, welche aber eine Besonderheit mitbringt.
So gibt es die P310 wahlweise im klassischen 2280er-Format oder im kleinen 2230er-Format. So ist die Crucial P310 grundsätzlich auch für Konsolen wie das Steam Deck geeignet, wenn du das kleinere Format wählst.
Wollen wir uns die Crucial P310 einmal im Test ansehen, auch wie diese sich gegen andere 2230er-SSDs so schlägt.
An dieser Stelle vielen Dank an Crucial für das Zurverfügungstellen der P310 für diesen Test.
2280 oder 2230
Crucial bietet die P310 nicht nur in verschiedenen Kapazitäten an, sondern auch in zwei Formfaktoren.
Einmal im klassischen 2280er-Format für Desktop-PCs, die PS5 usw. oder alternativ im kleineren 2230er-Format, für Konsolen wie das Steam Deck.
Beide Modelle sind technisch identisch! Die 2280er-Version besitzt einfach ein längeres PCB, welches aber am hinteren Ende einfach keine Komponenten mehr hat.
Die 2280er P310 im Test
Ich habe hier die große 2280er-Version der Crucial P310 im Test. Diese setzt auf die übliche M.2-Schnittstelle und PCIe 4.0 x4-Verbindung zu deinem PC/Notebook usw.
Auffällig ist dabei vor allem, wie “leer” die SSD ist. So besitzt diese lediglich zwei Chips, den Controller und genau einen NAND-Speicherbaustein. Dies liegt natürlich daran, dass die SSD für den 2230er-Formfaktor designt ist.
Erfreulicherweise setzt Crucial aber auf ein schickes schwarzes PCB. Einen Kühler oder Ähnliches haben wir wiederum nicht. Allerdings gibt es die P310 auch in einer Version mit Kühlkörper, für die PS5.
Technik der Crucial P310
Die Crucial P310 ist, wenn du so willst, eine größere Version der Crucial P3 Plus. So nutzen beide SSDs QLC-NAND, aber die P310 nutzt neueren QLC-NAND und einen besseren Controller.
- Crucial P310 – QLC Micron NAND, 232 Layer (RG NAND Generation 3)
- Crucial P3 Plus – QLC Micron NAND, 176 Layer (RG NAND Generation 2)
So nutzt die P310 den neueren und schnelleren RG NAND Generation 3 QLC-NAND aus dem Hause Micron.
Beim Controller kommt der Phison PS5027-E27T zum Einsatz. Dieser soll folgende Datenraten ermöglichen:
- 7100 MB/s lesend
- 6000 MB/s schreibend
Dies sind ordentliche Werte, aber wir haben hier auch keine absolute High-End-SSD vor uns.
Testsystem
Folgendes Testsystem wurde für die Benchmarks verwendet:
- AMD Ryzen 5 7600X
- ASUS ROG Strix X670E-E Gaming WIFI
- 16 GB RAM
- Windows 11 Pro 22H2
Es handelt sich hierbei um das gleiche Testsystem wie bei anderen SSDs.
Benchmarks der Crucial P310 (CrystalDiskMark, AS SSD, Anvil’s Storage Utilities)
Beginnen wir den Test mit CrystalDiskMark. CrystalDiskMark ist derzeit der beste Test, um die maximale Leistung eines Speicherlaufwerks zu testen. CrystalDiskMark ist nicht immer ganz alltagsnah, aber es ist der beste Test, um die SSD unter „optimalen“ Bedingungen voll auszureizen und somit die Herstellerangaben zu überprüfen.
Sowohl lesend wie auch schreibend konnte die Crucial P310 ihre Herstellerangabe ein Stück weit übertreffen. So schaffte diese lesend beachtliche 7233 MB/s. Damit ist diese zwar etwas hinter den absoluten High-End-Modellen, aber für eine solch kompakte SSD, welche es auch im 2230er-Formfaktor gibt, ist das sehr stark!
Fast noch besser sieht es schreibend aus, wo die SSD 6359 MB/s schaffte. Auch dies ist ein sehr gutes Abschneiden für eine SSD, die eigentlich eher in der Mittelklasse angesiedelt ist.
Damit wird die Western Digital WD_BLACK SN770M doch deutlich übertroffen.
CrystalDiskMark bietet auch die Möglichkeit, IOPS und die Zugriffszeit zu messen. Dieser Test ist etwas speziell und scheint gewisse Hersteller zu bevorzugen. So schneiden hier Samsung-SSDs beispielsweise immer ungewöhnlich schlecht ab.
Auch die P310 schneidet in diesem Teil von CrystalDiskMark vergleichsweise schlecht ab. Aber erneut muss dieser Test mit etwas Vorsicht betrachtet werden.
AS SSD wiederum liebt die Crucial P310. Hier erreicht diese einen Score von 10079 Punkten, was deutlich besser ist, als es eigentlich bei einer SSD dieser Klasse zu erwarten wäre.
In Anvil’s Storage Utilities sehen wir ebenfalls ein sehr gutes Abschneiden der P310, welches auf mich auch sehr plausibel erscheint.
Unterm Strich lässt sich nach diesen ersten Benchmarks ein sehr positives Fazit ziehen.
3DMark: Storage Benchmark
Im Gegensatz zu anderen Benchmarks simuliert 3DMark das Laden von Spielen realitätsnah, anstatt nur theoretische Werte anhand der Datenrate zu liefern. Der 3DMark-SSD-Test prüft folgende Szenarien:
- Spiele laden: Start von Battlefield V, Call of Duty: Black Ops 4 und Overwatch bis zum Hauptmenü.
- Gameplay-Aufnahme: Aufzeichnen eines 1080p-Videos mit 60 FPS in Overwatch während des Spielens.
- Spieleinstallation: Installation von The Outer Worlds über den Epic Games Launcher.
- Spielstand speichern: Speichern des Spielfortschritts in The Outer Worlds.
- Dateikopie: Kopieren des Steam-Ordners von Counter-Strike: Global Offensive von einer externen SSD auf das Systemlaufwerk.
Erfreulicherweise schneidet die P310 im 3DMark Storage Benchmark extrem gut ab! Hier konnte diese sich auf Platz 6 aller bisher getesteten SSDs platzieren, was ein deutlich besseres Abschneiden ist, als ich erwartet hätte.
Allerdings passt dieses gut zu den hohen Datenraten in den “Lese-Tests” bisher.
PCMark
Der PCMark-Test zielt darauf ab, alltägliche Anwendungen wie Bürosoftware und Spiele zu simulieren, was ihn alltagsnäher macht als reine Benchmarks.
Drei Testoptionen stehen zur Verfügung: die „Quick“-Variante, „Data“ und die „volle“ Version. Die „volle“ Version verwendet größere Dateigrößen, was SSDs mit langsameren Schreibgeschwindigkeiten oder aggressiven Schreibcaches schlechter abschneiden lässt.
Auch der PC Mark Speicher-Benchmark mag die Crucial P310 sehr! So schneidet diese in allen Bereichen des Benchmarks wirklich hervorragend ab. Egal ob nun im Quick-, Full- oder auch Data-Drive-Test.
Praxis-Test: Kopier- und Entpack-Leistung im Detail
Zum Abschluss kopieren wir zwei große Archive auf die SSD und entpacken sie dort. Dieser Test ist repräsentativ für das Installieren von Spielen und Programmen.
- Datei-Paket A – Installation von Tiny Tina’s Wonderlands, ca. 52 GB
- Datei-Paket B – Installation von Tiny Tina’s Wonderlands, Total War: Warhammer 3 und GW2, ca. 231 GB
Und hier sehen wir erste Limitierungen der Crucial P310. Beim kleineren Datei-Paket A sehen wir ein sehr gutes Abschneiden. So konnte dieses in 33 Sekunden entpackt werden, was das gleiche Tempo ist wie bei den besten PCIe 4.0-SSDs.
Das zweite größere Dateipaket hingegen dauerte fast ewig zum Entpacken! Hier zeigte die SSD das zweitschlechteste Abschneiden, das ich bisher in meinen Tests gesehen habe.
Woher kommt dieser starke Unterschied? Vermutlich ist dieser auf den QLC-NAND / den SLC-Cache zurückzuführen.
Performance bei konstanter Last (SLC Cache)
Ein wichtiger Punkt ist der SLC-Cache. Moderner NAND ist schreibend oft langsamer, als man erwartet. Kaum eine SSD erreicht konstant mehr als 2000 MB/s; alles darüber ist meist dem SLC-Cache zu verdanken.
Die meisten aktuellen SSDs nutzen TLC- oder QLC-NAND mit 3 oder 4 Bit pro Zelle. Je mehr Bits pro Zelle, desto komplexer und langsamer wird der Schreibvorgang, insbesondere bei QLC-SSDs, die nach dem Cache sehr langsam sein können.
Daher nutzen SSDs hier einen Trick: Ein Teil des NANDs wird „nur“ mit einem Bit pro Zelle beschrieben, um eine höhere Leistung zu erzielen. Allerdings ist dies natürlich nicht über die gesamte Kapazität möglich.
In diesem Diagramm können wir die Datenrate sehen, die ich beim konstanten Beschreiben der SSD erreichen konnte.
So kannst du hier sehen, dass die Datenrate bei der Crucial P310 recht schnell auf +- 330 MB/s fällt. Dieses Abfallen der Datenrate ist ein normales Verhalten bei modernen SSDs aufgrund des zuvor angesprochenen SLC-Caches.
Ca. 330 MB/s nach dem SLC-Cache ist weniger schlecht, als ich befürchtet habe! Viele QLC-SSDs wie die Crucial P3 oder auch die Lexar NQ790 schaffen nach dem SLC-Cache nur noch weniger als 100 MB/s.
Entsprechend sehen wir, dass die P310 einen besseren QLC-NAND nutzt. Allerdings ist dies dennoch ein schlechteres Abschneiden als bei den meisten SSDs mit TLC-NAND.
Der Cache bei der Crucial P310 mit 2 TB hatte knapp 400 GB, also etwas weniger als 1/4 der freien Restkapazität.
Entsprechend dauert auch das Vollschreiben der SSD etwas länger. Hier kannst du sehen, wie lange H2TestW brauchte, die SSD zu füllen.
Leistungsaufnahme und Hitzeentwicklung
Die Ermittlung des Stromverbrauchs von M.2-SSDs stellt eine Herausforderung dar. Um dies zu bewerkstelligen, wende ich eine besondere Methode an: Ich verbaue die SSDs in ein externes NVME-SSD-Gehäuse mit USB-C 3.1 und messe den Gesamtstromverbrauch dieses Gehäuses, der auch den Verbrauch der SSD einschließt. Eine exakte Messung ist zwar aufgrund der Limitierung der SSD-Leistung auf 1000 MB/s nicht möglich, aber die Ergebnisse bieten dennoch einen Überblick über den Energiebedarf verschiedener SSDs. Es empfiehlt sich daher, weniger auf absolute Werte zu fokussieren, sondern eher einen Vergleich zwischen verschiedenen Modellen anzustellen, um einzuschätzen, ob eine SSD tendenziell mehr oder weniger Energie benötigt. Für den Einsatz in einem Desktop-Computer spielt dieser Test kaum eine Rolle, da eine Abweichung von etwa +- 1 Watt kaum Auswirkungen auf die Stromrechnung hat. Doch in einem Ultrabook kann eine Differenz von nur +- 1 Watt die Akkulaufzeit um fast eine Stunde beeinflussen.
Erfreulicherweise ist die Crucial P310 eine sehr sparsame SSD! Dies bestätigt sich auch beim Messen des Stromverbrauchs über Zeit, während eines CrystalDiskMark-Benchmarks.
Auch hier ist die P310 eine der sparsamsten SSDs, was gerade wichtig ist, wenn du planst, diese in einem Steam Deck oder Ahnlichem einzusetzen.
Fazit
Suchst du eine “Gaming”- oder generelle System-SSD, ist die Crucial P310 eine gute Wahl!
Im Test zeigte sich die SSD erfreulich stark, vor allem wenn es um das Lesen von Daten und auch das Starten von Programmen geht.
Beispielsweise im Gaming-Benchmark von 3DMark schnitt die P310 extrem gut ab, für eine SSD ihrer Klasse.
Das Einzige, was du bedenken musst, ist, dass wir hier eine QLC-SSD haben. Heißt, bei konstanter Schreiblast bricht hier die Datenrate recht stark ein, im Worst Case auf lediglich +- 330 MB/s.
Spielt dies in der Praxis eine Rolle? Nutzt du die SSD als reguläre System-SSD oder für Spiele-Installationen, nein! Nutzt du die SSD für das Importieren von großen Video- oder Bilder-Dateien usw., dann ja!
Hier musst du schauen, für welche Anwendung die SSD bei dir zum Einsatz kommt.