UGREEN hat den Markt für NAS-Systeme mächtig aufgemischt! Das habe ich bereits in meinem großen Überblick Anfang 2025 hier auf Techtest geschrieben. Damals war mein Fazit: Der erweiterte Kern ist da, Docker und Virtualisierung laufen, aber bei den Backup-Anwendungen ist noch Luft nach oben, und eine echte Verschlüsselung fehlte komplett.
Seitdem ist aber einiges passiert! UGREEN hat UGOS Pro in etwa einem Jahr von Version 1.8 auf 1.19 gehoben, und das im Monatsrhythmus. Dabei sind Funktionen dazugekommen, auf die Nutzer teilweise seit dem Kickstarter-Start warten, es gab aber auch mindestens einen ordentlichen Rückzieher.
Wollen wir uns also einmal ansehen, was sich zwischen Mitte 2025 und September 2026 in UGREENs NAS-Betriebssystem getan hat und ob sich das Bild von damals verschoben hat.
Der Update-Rhythmus
Schauen wir uns zunächst einmal an, wie oft Updates gekommen sind, denn dies zeigt uns, wie „ernst“ UGREEN es mit seinen NAS-Systemen meint.
UGREEN liefert seit über einem Jahr im Schnitt monatlich ein Update aus. Dabei wechseln sich größere Feature-Releases mit kleineren Bugfix- und Security-Updates ab. Für ein Betriebssystem, das erst 2024 gestartet ist, ist das ein sehr ordentliches Tempo.
Die wichtigsten Stationen im Zeitraum:
- 1.8.20.0012 (August 2025) – Kernel-Sprung auf 6.12
- 1.10.0.0112 (Oktober 2025) – Feinschliff bei Energieplan und Sitzungsverwaltung
- 1.12.0.0095 (Dezember 2025) – Datenschutz-Verbesserungen in der Benutzerverwaltung
- 1.15.0.0127 (Mai 2026) – überarbeitete Suche, Berechtigungslogik, CVE-Fix
- 1.16.0.0089 (Juni 2026) – Notizen-App, Btrfs-Speicherrückgewinnung
- 1.17.0.0095 (Juli 2026) – Apps verschiebbar, Benutzerrollen, Docker 29.4.3
- 1.18.1.0098 (August 2026) – Ordner-Verschlüsselung, OneDrive-Mount
- 1.19.1.0126 (August 2026) – Kernel 6.18 LTS, Docker 29.6.2
Die Verschlüsselungs-Saga
Wenn du in den letzten zwei Jahren irgendwo über UGREEN-NAS-Systeme diskutiert hast, kam garantiert das Thema Verschlüsselung auf. Stand Anfang 2025 war das der mit Abstand meistgenannte Kritikpunkt an UGOS Pro.
August 2025: Die Ankündigung
UGREEN bestätigt im Rahmen des System Update Plans, dass eine Volume-Verschlüsselung in der Planungsphase ist und für die zweite Jahreshälfte vorgesehen wird.
Februar 2026: Die Kehrtwende
UGREEN stellt klar, dass eine echte Volume- oder vollständige Festplattenverschlüsselung nach aktuellem Stand nicht mehr zum Entwicklungsplan gehört. Stattdessen ist eine Ordnerverschlüsselung geplant, mit der sich einzelne Verzeichnisse absichern lassen.
August 2026: Geliefert (zum Teil)!
Mit Firmware 1.18.1.0098 unterstützt UGOS Pro die Verschlüsselung von freigegebenen Ordnern und Benutzerordnern der ersten Ebene.
Du legst bei der Aktivierung ein Passwort fest, und das System generiert eine Schlüsseldatei und lädt sie lokal auf deinen Rechner herunter. Beides kann genutzt werden, um den Ordner zu entschlüsseln.
Solange der Ordner nicht gemountet ist, bleiben die Daten geschützt. Selbst wenn jemand die Festplatten ausbaut und in ein anderes Gerät steckt, kommt er ohne Schlüssel nicht an die Daten. Neue freigegebene Ordner kannst du direkt beim Anlegen verschlüsseln, bestehende nachträglich über das Kontextmenü.
Wie bewerte ich das? Gemischt. Dass die Funktion überhaupt kam, ist wichtig und war überfällig. Dass es aber „nur“ Ordnerverschlüsselung ist und keine Volume-Verschlüsselung, nachdem ein Jahr vorher etwas anderes in Aussicht gestellt wurde, hinterlässt einen Beigeschmack. Für den typischen Heimanwender reicht die Ordnerlösung in den meisten Fällen völlig aus. Wer aber aus dem Synology- oder QNAP-Umfeld kommt und eine bestimmte Erwartungshaltung hat, wird hier weiterhin die vollständige Verschlüsselung vermissen. Dies ist auch für Unternehmenskunden sicherlich ein Punkt.
Die KI-Offensive und wer sie überhaupt bekommt
Das zweite große Thema des Zeitraums ist KI. Und hier musst du beim Lesen von Pressemeldungen sehr genau hinschauen, denn es betrifft längst nicht jedes UGREEN-NAS.
UGREEN hat UGOS Pro um fünf lokale KI-Funktionen erweitert: eine KI-gestützte Suche, den Chatbot „Uliya“, ein AI-Album, Voice Memos und AI File Organization.
- Uliya nutzt ein integriertes Sprachmodell, das Fragen zu deinen lokalen Daten beantwortet, Zusammenfassungen erstellt und eine lokale Wissensdatenbank aufbauen kann.
- Das AI-Album lässt dich Bilder per natürlicher Sprache suchen, erkennt Gesichter, Tiere, Objekte und Szenen und sortiert automatisch in Kategorien.
- Voice Memos transkribiert Sprachaufnahmen und fasst sie zusammen.
Der Haken an der Sache
Klingt gut, aber das hängt größtenteils an der neuen iDX-Serie, also den Modellen iDX6011 und iDX6011 Pro mit ihren Intel-Mobilprozessoren und entsprechend viel RAM.
Technisch steckt hinter Uliya eine für Intel-GPUs optimierte Ollama-Variante mit Qwen3. Das Kontextfenster ist derzeit auf 32.000 Token limitiert. Die Ollama-Ports sind von außen nicht zugänglich, und eigene Modelle lassen sich aktuell nicht einbinden. Das Ganze ist also, freundlich formuliert, noch ein ziemlich geschlossenes System, welches aber schon ein Pluspunkt sein kann!
Für andere Systeme
Seit Mai 2026 lässt sich OpenClaw direkt über das App Center installieren. Damit kommt erstmals offiziell eine lokale KI-Umgebung auf ausgewählte DXP-NASync-Systeme, ohne dass du dir das selbst über Docker zusammenbauen musst. Allerdings ist bei lokalen KI-Anwendungen die Hardware schon ein hartes Limit.
Wenn du also ein DH2300, DH4300 Plus oder ein klassisches DXP-Modell hast, betreffen dich viele KI-Features leider nicht. Die bestehende Objekt- und Personenerkennung in UGREEN Fotos gab es ja schon vorher, wurde aber schon mit Updates nochmals verbessert.
Neue Apps im App Center
Hier war UGREEN im Zeitraum richtig fleißig. Dazugekommen sind unter anderem:
- Notizen (Juni 2026) – UGREENs eigene Notiz-App. Sie unterstützt Block-Bearbeitung und Markdown-Syntax und arbeitet mit einer dreistufigen Struktur aus Notizbuch, Abschnitt und Notiz.
Exportieren kannst du nach Markdown, PDF oder ins hauseigene .ugnote-Format. Die Synchronisierung läuft über mehrere Geräte hinweg. - Überwachung (Juni 2026) – die eigene Surveillance-Lösung. Vorher gab es mit EasyNVR bereits einen Ansatz, der aber im europäischen App Center nie offiziell erschienen ist. Die neue App ist direkt in UGOS Pro integriert. Du kannst kompatible Kameras einbinden, Live-Bilder ansehen und Aufzeichnungen zentral auf dem NAS speichern. Ganz ohne Cloud.
- Sicherheitsmanager – ein Virenscanner auf Basis der ClamAV-Engine.
Er prüft System- und Benutzerdaten auf Schadsoftware, unterstützt geplante Scans und kann neu erstellte oder geänderte Dateien überwachen. - Online-Office – gemeinsames Bearbeiten von Dokumenten, wobei die Dateien vollständig auf dem NAS bleiben.
- Comics – für alle mit privatem Comic- oder Manga-Archiv.
Dazu kommt der Tresor, der eine geschützte Ablage innerhalb der Dateien-App bietet und lange Zeit die einzige Verschlüsselungsoption war.
Dateien, Suche und Berechtigungen
Das ist der unspektakuläre Teil, der im Alltag aber am meisten bringt.
Mit Version 1.15 im Frühjahr 2026 hat UGREEN die Suche deutlich überarbeitet. Es gibt jetzt eine unscharfe Suche nach Dateinamen mit Wort-Segmentierung sowie die Suche nach Dateien anhand von Tags. Dazu kam die „Universelle Suche“, über die sich Medieninhalte auf dem NAS durchsuchen lassen, mittlerweile in Version 2.0.
Ebenfalls in 1.15: Die Berechtigungslogik für freigegebene Ordner wurde geradegezogen. Bei widersprüchlichen Rechten gilt jetzt eine klare Reihenfolge, nämlich Zugriff verweigern vor Nur-Lesen vor Lesen/Schreiben. Hat ein Nutzer gleichzeitig Lese-/Schreibrechte und Nur-Lese-Rechte, greift aus Sicherheitsgründen die restriktivere Variante. Außerdem gibt es endlich einen Zugang zum Papierkorb direkt auf dem Web- und PC-Desktop.
Version 1.16 brachte die Vorschau von Dateieigenschaften sowie das schnelle Bearbeiten von Dateinamen und Tags direkt im Vorschaufenster.
Mit 1.17 kannst du die Apps Theater, Fotos und Musik auf einen anderen Speicherort verschieben. Klingt banal, ist aber praktisch, wenn du eine SSD als System-Volume nutzt und die App-Daten woanders haben möchtest. Für weitere Apps soll das nachgereicht werden.
Bei den Cloud-Anbindungen ist Dropbox dazugekommen, ebenso Cloud-Speicher-Aliase, und seit 1.18 lässt sich OneDrive als Netzwerkordner einbinden. Amazon S3 und Google Drive stehen weiterhin auf der Roadmap.
Speicher, Kernel und Docker
Unter der Haube hat sich ebenfalls einiges getan.
Der Kernel ist im August 2025 auf Version 6.12 gewechselt. Ein Jahr später, mit 1.19.1.0126 vom 31. August 2026, folgte der Sprung auf Kernel 6.18. Das ist ein LTS-Release, das bis Dezember 2027 unterstützt wird, und bringt bessere Hardware-Kompatibilität, verbessertes Power-Management und eine solidere Sicherheitsbasis mit.
Die Docker Engine wurde in 1.17 auf 29.4.3 aktualisiert und in 1.19 auf 29.6.2. Damit gehört UGREEN zu den aktuelleren NAS-Plattformen, wenn es um Container geht. Für alle, die ihr NAS primär als Docker-Host nutzen, ist das ein handfestes Argument.
Beim Speicher ist in 1.16 die Funktion „Speicherplatz zurückgewinnen“ für Btrfs-Volumes dazugekommen. Version 1.18 erlaubt es, von Drittanbietersystemen erstellte RAID-Verbünde als externen Speicher zu mounten. Das ist Gold wert, wenn du von einem anderen NAS migrierst. Dazu kamen mehrere Fixes rund um den SSD-Cache.
Was weiterhin fehlt
Leider gibt es aber auch weiter einige Baustellen …
- Keine Volume-Verschlüsselung. Nach aktuellem Stand auch nicht geplant.
- Kein ZFS. UGOS Pro setzt auf Btrfs mit Snapshots, daher nicht so tragisch.
- Cloud-Backup weiterhin lückenhaft. Dropbox ist da, Amazon S3 und Google Drive sind angekündigt.
- Keine Verschlüsselung für Cloud-Backups. Backups zu „öffentlichen“ Cloud-Diensten lassen sich leider nicht automatisch verschlüsseln.
Fazit
Anfang 2025 habe ich geschrieben, dass du als Heimanwender, Fotograf oder Videograf ohne Sorgen zu einem UGREEN-NAS greifen kannst. Diese Aussage würde ich erneut tätigen.
UGREEN entwickelt sich zur Nummer 1 für Privatanwender, Fotografen und Content Creator.
Zwar ist das UGOS weiterhin nicht ganz perfekt, aber UGREEN bringt fleißig Updates für alte Modelle und neue Modelle.
UGREEN hat also nicht einfach NAS-Systeme auf den Markt geworfen und dann links liegen gelassen, sondern updatet diese fleißig. Mich würde zwar nochmal so eine „große“ Feature-Welle freuen, ein dickes Update auf „V2″ mit vielen tollen neuen Funktionen usw., aber auch so hat UGREEN fast im Monatstakt kleine, aber sinnvolle Updates geliefert.
Lediglich für Unternehmen mag z. B. QNAP noch die bessere Wahl sein, aufgrund der besseren Verschlüsselungs-Optionen und professionellen Features.
Für Privatnutzer ist UGREEN aber stark!
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