Shelly Camera im Test: Günstige Überwachungskamera aus Europa – ohne Cloud-Zwang, mit RTSP & MQTT

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Shelly hat endlich eine Überwachungskamera auf den Markt gebracht. Diese nennen sie einfach „Shelly Camera“.

Die Shelly Camera wird dabei zu einem recht aggressiven Preis von nur 40€ angeboten. Dies von einem europäischen Hersteller mit europäischer Server-Infrastruktur ist schon eine Ansage!

Aber was kann die Shelly Camera? Welche Funktionen werden mitgebracht? Wie bindet sich die Kamera in dein Netzwerk und App ein?

Finden wir dies im Test heraus!

 

Die Shelly Camera im Test

Bei der Shelly Camera handelt es sich um eine Innen-Überwachungskamera. Was mich bei dieser doch deutlich überrascht hatte, waren die Abmessungen.

So ist die Kamera winzig!

Das Kameramodul selbst ist eine kleine „Kugel“, welche auf einem Sockel angebracht ist. Diese Kamera-Kugel hat einen Durchmesser von 52 mm. Dabei lässt sich die Kugel etwas auf dem Sockel anwinkeln.

Die Stromversorgung der Kamera läuft über USB C. Wichtig, es ist KEIN USB C Netzteil mit im Lieferumfang!

Mit im Lieferumfang ist neben der Kamera nur ein USB C Kabel und eine Wandhalterung.

 

Magnetisch

Die Basis der Shelly Camera ist magnetisch! Diese kann also einfach an Metalloberflächen angehängt werden.

 

Die bekannte Shelly App

Die Shelly Camera lässt sich einfach in die bekannte Shelly App einbinden. Diese unterstützt neben WLAN auch Bluetooth, was den Einrichtungsprozess beschleunigt.

Dieser hat bei mir absolut problemlos funktioniert.

Die Shelly App selbst hat ihre Vorzüge, aber auch Nachteile. Grundsätzlich ist die Shelly Smart Home App eine der funktional umfangreichsten Apps am Markt! Diese bietet viele erweiterte Funktionen, die du so bei anderen Smart Home Systemen nicht findest. Dies geht so weit, dass du sogar benutzerdefinierte Scripts anlegen kannst usw.

Allerdings ist die App im Gegenzug zum Teil auch recht unübersichtlich und verschachtelt. Das fällt jetzt gerade bei der Überwachungskamera auf.

Es könnten hier ganz klar die „Kern“-Punkte einer Überwachungskamera herausgearbeitet werden.

Dennoch, gerade leicht erweiterte Nutzer werden viel Freude an dem Funktionsumfang haben.

 

WebUI

Wie bei Shelly üblich, musst du aber nicht zwingend die App für den Zugriff auf die Kamera nutzen! Diese ist nur für den Remote-Zugriff erforderlich.

Im lokalen Netzwerk kannst du einfach über die Eingabe der IP-Adresse der Kamera in deinem Webbrowser auf diese zugreifen.

Hier findest du die typische Shelly WebUI, welche aber gut für die Kamera angepasst wurde.

So findest du auf der Startseite direkt den Live-Stream der Kamera inklusive der Möglichkeit, manuell Fotos und Videos aufzunehmen.

 

Cloud und Remote Zugriff abschaltbar

Wichtig, auch bei der Shelly Camera ist die Cloud komplett abschaltbar! Machst du dies, kannst du zwar von unterwegs nicht mehr auf die Kamera zugreifen (oder du musst einen VPN nutzen), aber gerade aus Sicht der Sicherheit kann dies natürlich ein großer Pluspunkt sein.

 

MQTT, RTSP und Co.

Shelly-typisch lässt sich auch die Camera problemlos in eine Vielzahl erweiterter Systeme oder NVRs einbinden.

So unterstützt die Kamera MQTT und RTSP für den Video-Stream. Willst du die Kamera also in ein NAS-NVR-Setup einbinden, steht dir nichts im Wege, ganz im Gegenteil! Hier ist die Shelly ideal!

Auch ein Einbinden in den Home Assistant ist möglich, allerdings scheint die Shelly-Integration hier noch nicht so weit zu sein. So wird die Kamera erkannt und du kannst auch den Status der Bewegungserkennung übermittelt bekommen, aber der Video-Stream ist noch nicht verfügbar. Den müsstest du manuell über RTSP einbinden.

 

Speicherung der Aufnahmen

Grundsätzlich speichert die Shelly Camera alle Aufnahmen auf einer eingesetzten microSD-Speicherkarte. Diese ist nicht mit im Lieferumfang und muss von dir separat erworben werden.

Die Shelly Camera stellt hier aber keine besonderen Anforderungen an die Speicherkarte. Ich habe hier einfach eine alte 32-GB-Karte genommen, die bei mir rumlag.

 

Cloud Abo

Shelly bietet für die Camera aber auch ein Cloud-Abo an. Dieses kostet rund 36€ im Jahr und erlaubt eine verschlüsselte Cloud-Speicherung deiner Aufnahmen, wie auch erweiterte Funktionen wie eine KI-Auswertung usw. Das Ganze ist aber komplett optional.

 

Keine integrierte KI!

95% aller aktuellen Überwachungskameras haben KI-Features integriert. Heißt, diese können bei Bewegungen z.B. zwischen Mensch, Tier, Fahrzeug usw. unterscheiden. Einige High-End-Modelle wie die Reolink OMVI 3i PoE haben auch virtuelle Grenzen usw.

Dies bietet die Shelly Camera nicht (bzw. nur über das Cloud-Abo)! Die Shelly Camera hat eine ganz klassische Bewegungserkennung, welche du in mehreren Stufen steuern kannst.

Hier schlagen in mir zwei Herzen.

Auf der einen Seite denke ich, dass gerade bei einer Innen-Überwachungskamera diese Unterscheidungen zwischen Mensch, Tier, Fahrzeug usw. nicht ganz so essenziell sind. Zudem muss auch nicht überall krampfhaft KI integriert werden.

Auf der anderen Seite ist solch eine KI einfach praktisch! Diese minimiert auch Fehlalarme, wenn z.B. eine Motte gegen die Kamera fliegt und macht das Auswerten der Aufnahmen leichter.

 

Bildqualität

Die Shelly Camera liefert ein einfaches Full-HD-Bild mit 30 FPS. Dabei haben wir einen Blickwinkel von „110° horizontal / 70° vertikal“.

Die Bildqualität der Kamera würde ich als solide einstufen. Diese sticht hier nicht heraus. Es ist nicht die beste Bildqualität, die ich jemals bei einer Überwachungskamera gesehen habe, aber auch nicht die schlechteste.

Die Shelly Camera ist hier bei Tag wie auch bei Nacht „unauffällig“.

 

Stromverbrauch

Die Shelly Camera wird einfach via USB C mit Strom versorgt. Ein Netzteil liegt nicht bei, aber die Kamera benötigt einfach 5V/1A oder mehr.

Wie viel Strom benötigt diese?

  • 1,1 – 1,3 W am Tag
  • 1,7 – 1,8 W mit Nachtsicht

Der Stromverbrauch der Kamera ist erfreulich niedrig! Wir bleiben in der Regel gut unter 2 W.

 

Fazit

Für sich alleine gestellt ist die Shelly Camera keine Kamera, die aus der Masse heraussticht. Sie liefert eine solide Full-HD-Bildqualität, eine klassische Bewegungserkennung und einen erfreulich niedrigen Stromverbrauch, mehr aber auch nicht.

Schaust du dich auf dem Markt um, findest du Modelle von z.B. TP-Link, die für das gleiche Geld grundsätzlich mehr bieten. Eine integrierte KI zur Personen- und Objekterkennung suchst du hier (ohne Cloud-Abo) vergebens.

Dennoch hat die Shelly Camera ihre ganz eigene Daseinsberechtigung!

Denn das Besondere steckt hier nicht in einem einzelnen Feature, sondern im Gesamtpaket. Du bekommst eine Überwachungskamera von einem europäischen Hersteller mit europäischer Server-Infrastruktur, für gerade einmal 39€.

Eine Kamera, die sich dank RTSP und MQTT problemlos in nahezu jedes NVR- oder NAS-Setup einbinden lässt.

Eine Kamera, bei der du Cloud und Internet-Zugriff komplett deaktivieren kannst und die Aufnahmen einfach lokal auf einer microSD-Karte landen.

Und genau hier wird es für eine ganz bestimmte Zielgruppe spannend.

Bist du ein sehr datenschutzsensibler Mensch, der die volle Kontrolle über seine Daten behalten und diese am liebsten gar nicht erst das eigene Netzwerk verlassen lassen möchte, dann ist die Shelly Camera für dich eine absolute Empfehlung!

Shelly Camera
Positiv
Europäischer Hersteller mit europäischer Server-Infrastruktur
günstiger Preis von nur 39€
Cloud und Internet-Zugriff komplett deaktivierbar
Lokaler Zugriff über WebUI (nur IP-Adresse im Browser nötig)
RTSP & MQTT - ideal für die Einbindung in NVR-/NAS-Setups
Erfreulich niedriger Stromverbrauch (unter 2 W)
kompakte Bauweise, magnetische Basis
Umfangreiche Shelly App mit vielen erweiterten Funktionen (Scripts etc.)
Negativ
Keine integrierte KI (Personen-/Objekterkennung nur über Cloud-Abo)
Bildqualität nur solide, sticht nicht heraus
Kein USB C Netzteil im Lieferumfang
Shelly App teils unübersichtlich und verschachtelt
82
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Michael Barton
Michael Barton
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4 Kommentare

  1. Ah, noch ein Punkt: KI-Auswertung bekommt man also mit dem Abo. Aber das hieße, dass entweder die KI-Möglichkeiten schon in die Kamera eingebaut sind und nur freigeschaltet werden oder dass dann die Daten auf deren Server nicht verschlüsselt sein können. (Ja, es gibt so etwas wie „Fully Homomorphic Encryption“, aber das habe ich bisher nur theoretisch oder experimentell gesehen.)

  2. Danke für den interessanten Test.

    Was mich noch interessieren würde: Lässt sich die Shelly Camera auch ohne Nutzung der Shelly App ins WLAN einbinden? Die Shelly App startet nämlich leider gar nicht erst, wenn man ihr per Firewall das nach Hause telefonieren verbietet. Bei anderen Shelly-Produkten ist es m.W. so, dass diese einen Hotspot aufmachen, in dem man dann auf die WebUI zugreifen und dort die Zugangsdaten zum Ziel-WLAN eintragen kann. Kannst du bestätigen, ob das mit der Shelly Camera auch so funktioniert?

    Eine lokale Steuerung per WebUI und/oder Einbindung in einen lokalen NVR wäre für datenschutztechnisch vorsichtige Menschen halt nicht mehr besonders reizvoll, wenn man für die Einrichtung der Kamera zwingend die App nutzen und nach Hause telefonieren lassen müsste.

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