Bosch Ersatzakku Test: Taugen die 18V-Nachbauten mit 5000 & 6000 mAh?

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Original-Akkus für Boschs grüne 18V-Welt, das „Power for All“-System (PBA), das du aus PSB-, PSR- und Co.-Geräten kennst und das auch in vielen Gardena-Geräten steckt, sind nicht gerade günstig. Schnell zahlst du für einen Ersatzakku mit hoher Kapazität locker das Doppelte oder mehr von dem, was dir Drittanbieter auf Amazon und AliExpress versprechen. Hier findest du 3.-Anbieter Akkus mit 5 Ah oder sogar 6 Ah für um die 30€.

Klingt verlockend, oder? Genau deshalb habe ich mir zwei dieser No-Name-Ersatzakkus geschnappt: einen mit beworbenen 5 Ah und einen mit 6 Ah, beide angeblich kompatibel mit der kompletten grünen Bosch „Power for All“-Serie.

Aber wie sieht es in der Praxis aus? Bieten diese Akkus wirklich so viel Kapazität wie versprochen? Finden wir es im Test heraus!

 

Die Bosch Ersatzakkus im Test

Für diesen Test habe ich zwei Bosch „grün“ Ersatz-Akkus bei Amazon gekauft.

Verkauft von Surkibat Akku Store

Verkauft von Junwood-us

Beide Akkus sehen auf den ersten Blick identisch aus, abseits vom Aufdruck „6.0 AH“ und „5.0 AH“. So nutzen beide das gleiche Design und das gleiche Gehäuse.

Es ist klar, dass dieses vom selben Fertiger stammt. Dieser scheint „Huizhou Rong Hui Technology“ zu sein, laut Aufdruck auf beiden Akkus. Der Importeur wiederum ist anscheinend die Apex CE Specialists GmbH. http://apex-de.com/

Erster Eindruck der Nachbau Akkus

Verglichen mit den originalen Bosch „grün“ Akkus sind diese etwas einfacher gefertigt. So haben die originalen Bosch Akkus beispielsweise eine Gummierung an den unteren Kanten, welche hier komplett fehlt.

Die Akkus sind zu 100% aus Kunststoff.

Das Kunststoff Gehäuse ist auch einfacher gestaltet, beispielsweise fehlen die „Kühlrippen“ der aktuellen Bosch Grün Akkus.

 

Gute Passform

Pluspunkte gibt es für die Passform. Beide Akkus lassen sich problemlos einsetzen und auch wieder lösen. Genau genommen lassen sich diese sogar etwas leichter entfernen als die originalen Bosch Akkus, welche nach meiner Erfahrung oftmals etwas störrisch sind.

 

Gewicht

Ein interessanter Punkt ist immer das Gewicht von Akkus. Zwar kann man nicht pauschal sagen, dass schwerere Akkus mehr Kapazität haben, aber erfahrungsgemäß ist das Gewicht doch ein Indiz.

Gewicht
Nachbau 5 Ah 600
Nachbau 6 Ah 600
Bosch 4 Ah 628
Bosch 2,5 Ah 360

 

Verdächtigerweise haben beide Nachbau Akkus genau 600 g. Eigentlich wäre zu erwarten, dass der 6 Ah Akku etwas schwerer ist.

Spannenderweise ist der originale Bosch 4 Ah Akku mit 628 g schwerer als beide Nachbau Modelle.

 

Das Testsystem

Um die Akkus zu testen, nutze ich eine etwas „wissenschaftlichere“ Methode. So nutze ich hier eine elektronische Last, mit welcher ich die Akkus gezielt bei verschiedenen Laststufen entladen kann und entsprechend die Kapazität mitlogge.

Ich führe hier 3 Zyklen durch, bei 2 A Last, 5 A Last und 10 A Last. Ich entlade die Akkus auf eine Spannung von 15 V, 3 V pro Zelle.

Für ein paar Vergleichswerte schicke ich auch einen alten originalen Bosch 4 Ah durch den gleichen Test. Da dieser Akku etwas älter ist, kann es sein, dass dieser nicht mehr 100% der Neukapazität liefert, aber als +- Vergleichsobjekt sollte das passen.

 

Wie hoch ist die Kapazität der Ersatzakkus?

Kommen wir zum wirklich spannenden Punkt, wie hoch ist die Kapazität wirklich?

2 A 5 A 10 A Im Schnitt
Nachbau 5 Ah 3,19 3,107 2,995 3,1
Nachbau 6 Ah 3,193 3,186 3,039 3,14
Bosch 4 Ah 3,918 3,882 3,816 3,87

 

Das war wohl nichts! So können wir die Messwerte zusammenfassen. Zunächst bieten beide Nachbau Akkus +- die gleiche Kapazität. Es gibt hier also keinen relevanten Unterschied zwischen dem 5 Ah und 6 Ah Akku.

Beide bieten aber eine schlechtere Kapazität als mein alter Bosch 4 Ah Akku …

So erreichen beide Nachbau Akkus eine Kapazität von 3,1 Ah im Schnitt. Der originale Bosch Akku erreichte 3,87 Ah.

 

Ein absolut enttäuschendes Ergebnis … Nach meinen Tests lässt sich hier ein Etikettenschwindel festhalten: Beide Nachbau-/Ersatzakkus haben nicht die beworbenen 5 Ah und noch weniger 6 Ah.

 

Spannungsverlauf bei 5 A Last

Werfen wir noch einen Blick auf den Spannungsverlauf bei 5 A Last, hier siehst du das Ergebnis der Kapazitätsmessung quasi „live“.

Auffällig ist zunächst, dass beide Nachbau-Akkus nahezu deckungsgleich verlaufen. Zwischen dem „5 Ah“- und dem „6 Ah“-Modell gibt es also auch im Kurvenverlauf praktisch keinen Unterschied. Spannend ist der Vergleich zum originalen Bosch 4 Ah: Alle drei starten bei rund 20,7 V, doch die Spannung der Nachbauten knickt in der zweiten Hälfte deutlich früher ein. Beide erreichen die Abschaltgrenze von 15 V schon nach gut 36 bis 37 Minuten, der Bosch hält dagegen knapp 46 Minuten durch, also rund ein Viertel länger. Auch unter Last bestätigt sich damit das Bild: Der alte Original-Akku liefert trotz „nur“ 4 Ah klar mehr als beide vermeintlich größeren Nachbauten.

 

Ein Blick ins Innere

Schauen wir uns die Akkus einmal von innen an. Im Inneren finden wir jeweils zehn Zellen im 18650-Format, verschaltet als 5S2P – also fünf Zellen in Reihe für die 18 V und davon je zwei parallel für die Kapazität. Die Zellen tragen die Aufschrift „RH yg18650 … 3,6 V“. Markenzellen von Samsung, LG oder Panasonic sind das nicht. Das Kürzel „RH“ deutet vielmehr auf den Fertiger der Akkus selbst hin, vermutlich Huizhou Rong Hui Technology.

Richtig interessant wird es, wenn wir die gemessene Kapazität auf die einzelnen Zellen herunterrechnen. Da bei einer 2P-Verschaltung die Pack-Kapazität der von zwei Zellen entspricht, ergeben sich aus den rund 3,1 Ah des gesamten Akkus nur etwa 1550 mAh pro Zelle. Das ist für eine 18650 ausgesprochen wenig. Selbst einfache Neuzellen liegen üblicherweise bei mindestens 2000 bis 2200 mAh.

Woher diese schwache Kapazität kommt, lässt sich von außen nicht zweifelsfrei sagen. Denkbar sind günstige Low-Grade-Neuzellen, aussortierte B-Ware oder recycelte Zellen aus alten Akkupacks. Und auch wenn die Zellen auf den ersten Blick sauber und neuwertig aussehen: Recycelte Ware schließt das nicht aus, denn solche Zellen werden vor dem Wiederverkauf in der Regel neu umwickelt und bedruckt.

 

Fazit

Nicht kaufen! Es mag zwar verlockend sein, einen 6 Ah Nachbau Akku für gerade einmal 30€ zu kaufen, aber zumindest in diesem Fall lohnt es sich nicht.

Die hier getesteten 5.000 mAh bzw. 6.000 mAh Ersatzakkus vom Fertiger „Huizhou Rong Hui Technology“ enttäuschten bei der Kapazität.

Beide Akkus erreichten +- 3,1 Ah (3.100 mAh). 3,1 Ah für 30-35€ ist plötzlich kein guter Deal mehr!

Du bekommst den 4 Ah Akku original von Bosch zum Zeitpunkt des Artikels für rund 33€! Und dieser hält sein Kapazitätsversprechen.

Ja, die Ersatzakkus funktionieren, übertreiben aber bei der Kapazität maßlos und die Haltbarkeit ist fragwürdig. Schade …

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Michael Barton
Michael Barton
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2 Kommentare

  1. Leider viel zu häufig anzutreffen bei Werkzeugakku-Nachbauten! Habe mehrfach ähnliche Erfahrungen mit Makita-Akku-Nachbauten gemacht. Zu wenig Kapazität, nach wenigen Monaten meist unbrauchbar, da die ohnehin niedrige Kapazität auf ein Minimum zusammengebrochen war. Kaufe nur noch die Originale, die sind zwar teuer, aber machen alles mit und halten ohne Ende. Selbst die ältesten Akkus (13 Jahre) habe ich noch in Betrieb, und sie funktionieren immer noch sehr gut. Hier gilt wirklich: Wer billig kauft, kauft zweimal (und beim zweiten Mal eben doch das teure, aber hochwertige Original).

  2. Das ist ein interessantes Thema. Original-Akkus sind extrem teuer und zudem ist das Thema Kompatibilität ein Problem.
    Gerne mehr Tests davon.

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