Wärmebildkameras waren viele Jahre lang eine sehr teure und professionelle Anschaffung. Entsprechend waren diese im Hobby- oder Heim-Umfeld kaum vertreten, auch wenn sie in vielen Bereichen durchaus Sinn machen, gerade für Bastler und Schrauber.
Selbst viele professionelle Nutzer haben auf diese verzichtet, selbst wenn sie im jeweiligen Umfeld, wie bei Elektrikern, Fensterbauern usw., durchaus Sinn machen würden.
Erfreulicherweise sind aber Wärmebildkameras deutlich günstiger geworden, vor allem als Ansteck-Module für Smartphones. Einer der treibenden Hersteller ist hier unter anderem Thermal Master.
Thermal Master hat mit der P3 nun ein neues Modell auf den Markt gebracht. So verfügt diese über eine maximale Auflösung von 512 x 384 Pixeln und ein Objektiv, das fokussierbar ist. Letzteres macht die P3 sowohl für kleine Objekte wie PCBs, wie aber auch für große Aufnahmen wie beim Bau interessant.
Dabei ist der Preis mit 299 € Liste auf den ersten Blick fair.
Aber wie gut ist die Thermal Master P3 in der Praxis? Finden wir es im Test heraus!
An dieser Stelle vielen Dank an Thermal Master für das Zurverfügungstellen der P3 für diesen Test.
Die Thermal Master P3 im Test
Bei der Thermal Master P3 handelt es sich um ein ca. 59 x 27 x 17 mm großes Modul. Dieses verfügt über einen USB-C-Stecker auf der Oberseite und wird so mit deinem Smartphone verbunden.
Zudem haben wir auf der Front eine recht große Linse, mit einem drehbaren „Ring“. Dieser erlaubt das manuelle Fokussieren auf 8 mm bis 30 m entfernte Objekte.
Abseits davon finden sich an der P3 keine weiteren Tasten, Anzeigen oder Displays.
Die Stromversorgung läuft auch über den USB-C-Stecker. Einen integrierten Akku gibt es nicht und braucht es auch nicht.
Mit im Lieferumfang liegt neben dem Modul eine kleine Tasche, ein 50 cm „Verlängerungskabel“ und ein Lightning-Adapter.
Für Windows, Android und iOS
Die Thermal Master P3 ist sowohl für Android- wie auch iOS-Smartphones geeignet. In meinem Test funktionierte diese problemlos an einem Xiaomi 17 Ultra, wie auch an einem iPhone 17 Pro Max.
Neben Smartphones ist aber auch eine Nutzung mit Windows-PCs möglich! Hier musst du dann die USB-C-Verlängerung nutzen.
Starke technische Daten
Werfen wir einen Blick auf die technischen Daten der Thermal Master P3. Diese hat hier nämlich einiges zu bieten!
So setzt die P3 auf einen VOx-Sensor mit einer nativen Auflösung von 256 x 192 Pixeln und einer Pixelgröße von 12 µm. Per X³ IR Upscaling werden daraus dann 512 x 384 Pixel. Das ist eine hervorragende Auflösung, gerade für eine Wärmebildkamera in dieser Preisklasse! Zum Vergleich: meine 1.250 € Bosch Professional GTC 400 C bietet hier „nur“ 160 x 120 Pixel, also deutlich weniger.
Bei dem Sensor handelt es sich übrigens um den klassischen 256 x 192 VOx-Sensor, wie er auch bei vielen anderen USB-C-Wärmebildkameras zum Einsatz kommt. So beispielsweise bei der Thermal Master P2, der HIKMICRO Mini2 V2 wie auch der HIKMICRO Mini2Plus V2. Sehr wahrscheinlich liefern alle diese Kameras auch das gleiche oder ein ähnliches Wärmebild.
Auch beim Temperaturbereich kann sich die P3 sehen lassen. So deckt diese den Bereich von -20 bis 600 Grad ab und das mit einer Genauigkeit von ±2 Grad bzw. ±2 %.
Besonders spannend ist aber die thermische Empfindlichkeit (NETD), welche der Hersteller mit unter 35 mK angibt. Damit liegt die P3 sogar leicht vor der P2 und den HIKMICRO Mini2 Modellen, welche jeweils mit ≤ 40 mK spezifiziert sind. Bei der P3 zahlt sich dies vor allem im Makro-Bereich, beispielsweise bei PCBs, aus. Hier soll die P3 sogar Leckströme ab 1 mA sichtbar machen können.
Die Bildrate liegt bei 25 Hz, was für ein flüssiges Live-Bild sorgt und auch bei bewegten Motiven keine unangenehme Slideshow-Optik erzeugt. Dazu gibt es ein 15-faches Digitalzoom und ein Sichtfeld von 40° x 30,2°.
Die Brennweite des Objektivs liegt bei 4,3 mm. Der manuell drehbare Fokusring deckt dabei einen Bereich von 8 mm bis 30 m ab, womit du sowohl winzige Bauteile als auch ganze Räume scharf bekommst. Damit positioniert sich die P3 ähnlich wie die HIKMICRO Mini2Plus V2, welche ebenfalls einen manuellen Fokus bietet. Die normale Mini2 V2 und die Thermal Master P2 setzen hingegen auf ein fest fokussiertes Objektiv.



Beim Stromverbrauch gibt sich die P3 ebenfalls genügsam. Mit 0,32 W zieht diese kaum nennenswert am Akku deines Smartphones.
Auf dem Papier sind die Daten der Thermal Master P3 also durchaus beeindruckend, gerade für 299 €!
| Spec | Thermal Master P3 | Thermal Master P2 | Bosch GTC 400 C |
| Preis (Liste) | 299 € | ~250 € | ~1.259 € |
| Sensor-Typ | VOx, 12 µm | VOx, 12 µm | k. A. |
| Native Auflösung | 256 x 192 Pixel | 256 x 192 Pixel | 160 x 120 Pixel |
| Upscaled Auflösung | 512 x 384 (X³ IR) | 512 x 384 (X³ IR) | – |
| NETD | < 35 mK | ≤ 40 mK | < 50 mK |
| Bildrate | 25 Hz | 25 Hz | ~9 Hz (nicht offiziell) |
| Temperaturbereich | -20 bis 600 °C | -20 bis 600 °C | -10 bis 400 °C |
| Messgenauigkeit | ±2 °C / ±2 % | ±1,5 °C | ±3,0 °C |
| FOV | 40° x 30,2° | 56° x 42,2° | 53° x 43° |
| Fokus | Manuell, 8 mm – 30 m | Fix | Fix, ab 0,3 m |
| Brennweite | 4,3 mm | – | – |
| Digital-Zoom | 15x | 15x | – |
| Display | Smartphone / PC | Smartphone / PC | 3,5″ integriert |
| Anschluss | USB-C | USB-C | MicroUSB, WLAN |
| Stromversorgung | über Smartphone (0,32 W) | über Smartphone (0,3 W) | 12 V Akku / 4x AA |
| Kompatibilität | Android, iOS, Windows | Android (iOS via Adapter) | Standalone |
| Größe | 59 x 27 x 17,2 mm | 27 x 18 x 9,8 mm | Handgerät |
| Gewicht | ~26 g | ~10 g | 540 g |
| Schutzklasse | – | – | IP53 |
| Eigener Akku | Nein | Nein | Ja |
App
Zwar hat die Thermal Master App in den App Stores eher mäßig gute Bewertungen, aber bei mir funktionierte diese an sich problemlos.
Optisch könnte die App zwar etwas aufpoliert werden, funktional gibt es aber nichts zu meckern.
So bietet die App den üblichen Funktionsumfang. Wir haben ein Gelb/Lila-Wärmebild, auf welchem von Haus aus der wärmste, kälteste und Mittelpunkt mit der Temperatur markiert sind.
Du kannst auch weitere Flächen und Punkte für eine Temperatur-Messung hinzufügen.
Ebenso lässt sich das Farbschema und der Temperatur-Bereich anpassen.
Neben der Live-Ansicht kannst du Fotos wie aber auch Videos anfertigen. Angefertigte Fotos lassen sich auch im Nachhinein bearbeiten, beispielsweise kannst du weitere Messpunkte usw. zu bereits angefertigten Bildern hinzufügen.
Verstellbarer Fokus
Ein sehr wichtiger Punkt bei der Thermal Master P3 ist der verstellbare Fokus.
Dieser hebt die P3 stark von anderen Konkurrenten ab. So ist die P3 sowohl für feinere Elektronik, PCBs, wie auch für Wohnungen, Räume und bauliche Dinge nutzbar.
Hierdurch liefert die P3 generell ein sehr scharfes und klares Wärmebild! Dieses ist deutlich detaillierter und klarer als z. B. von der Bosch GTC 400 C.
Wie genau ist die Messung?
Um die Messgenauigkeit zu beurteilen, vergleiche ich die Thermal Master P3 mit der Bosch GTC 400 C und der HIKMICRO Mini2 V2.
Für diesen Test habe ich die Druckplatte meines BambuLab H2S auf 40 Grad, 60 Grad, 80 Grad und 100 Grad erwärmt.
Natürlich ist diese Einstellung auch nicht 100 % genau und, wie wir sehen werden, ist die Erwärmung auch alles andere als gleichmäßig, aber dies gibt uns eine gewisse Referenz.
📸 Alle Einzelbilder der Messung anzeigen
Beachtet bei den Wärmebildern immer den Maximal-Wert. Der Punkt der höchsten Temperatur sollte bei allen 3 Kameras theoretisch identisch und somit nicht ganz so von meiner Ausrichtung abhängen.
Zunächst ist klar zu sehen, dass die HIKMICRO Mini2 V2 klar nach oben wegdriftet. Die Tendenz stimmt zwar, aber konstant misst die HIKMICRO Mini2 V2 die Temperatur merkbar über der eingestellten Temperatur und auch höher als die anderen Modelle.
Die Bosch GTC 400 C und die Thermal Master P3 liegen dichter beieinander. Die Bosch misst tendenziell etwas höher als die P3. Allerdings stimmen die gemessenen Werte am dichtesten mit der von mir eingestellten Temperatur überein.
Daher würde ich die Thermal Master P3 durchaus als sehr akkurat einschätzen. Allerdings sind Wärmebildkameras nie 100 % genau, aber nach dem, was ich hier sehe, passen die Messungen der Thermal Master P3 gut!
Fazit zur Thermal Master P3
Die Thermal Master P3 ist eine richtig starke kleine Wärmebildkamera. Für 299 € bekommst du hier ein Modul, das bei Auflösung, thermischer Empfindlichkeit und Funktionsumfang locker mit deutlich teureren Profi-Geräten mithält – und diese in einigen Punkten sogar überholt.
Das absolute Highlight ist für mich der verstellbare Fokus. Während viele Konkurrenten wie die HIKMICRO Mini2 V2 oder auch die Thermal Master P2 auf ein fest fokussiertes Objektiv setzen, deckst du mit der P3 alles von winzigen PCBs (ab 8 mm) bis hin zu ganzen Räumen und Gebäuden (bis 30 m) ab. Genau das macht die P3 so vielseitig und sorgt für ein wirklich scharfes, detailliertes Wärmebild – deutlich klarer als bei meiner Bosch GTC 400 C.
Auch bei der Messgenauigkeit muss sich die P3 nicht verstecken. Im Vergleich mit meiner 1.250 € Bosch Professional GTC 400 C und der HIKMICRO Mini2 V2 lag die P3 am dichtesten an meinen Referenztemperaturen. Klar, eine Wärmebildkamera misst nie zu 100 % exakt, aber die Werte der P3 passen für mich sehr gut.
Dass die App optisch etwas in die Jahre gekommen wirkt und in den Stores eher mäßige Bewertungen einfährt, ist verschmerzbar. In meinem Test lief sie problemlos und bietet den vollen Funktionsumfang, den du dir wünschst.
Du suchst eine kompakte Wärmebildkamera, die sowohl feine Elektronik als auch bauliche Dinge scharf abbildet, dabei eine hohe Auflösung liefert und genau misst? Dann ist die Thermal Master P3 ihr Geld absolut wert.
Volle Empfehlung meinerseits für die Thermal Master P3!


























