Überwachungskameras mit zwei Linsen, die entweder gemeinsam ein breiteres Bild oder unterschiedliche Zoomstufen abdecken, sind absolut nichts Neues mehr.
Gerade Reolink hat hier einige Modelle im Sortiment. Mit der OMVI 3i PoE setzt Reolink nun nochmal eins drauf.
So haben wir hier gleich 3 Kameralinsen und Sensoren. Zwei Linsen verbinden sich zu einem 180-Grad-Panorama-Bild, während die 3. Linse unabhängig als Tracking/Zoom arbeitet.
Klingt doch interessant! Hinzu kommen einige KI-Features, die auf der Kamera selbst berechnet werden, und Reolinks typischer Verzicht auf ein Abo oder Ähnliches.
Wollen wir uns also einmal das Flaggschiff Reolink OMVI 3i PoE im Test ansehen!
An dieser Stelle vielen Dank an Reolink für das Zurverfügungstellen der OMVI 3i PoE für diesen Test.
Die Reolink OMVI 3i PoE im Test
Bei der Reolink OMVI 3i PoE handelt es sich um eine vergleichsweise große und mächtige Überwachungskamera.
Dies liegt am Aufbau der 3x Kameralinsen.
Im Kern vereint die Reolink OMVI 3i PoE zwei Konzepte miteinander. So haben wir im oberen Bereich einen „Balken“ mit zwei Sensoren und LED-Lampen.
Die Sensoren sind so angebracht, dass diese zusammen 180 Grad abdecken und sich in der Mitte leicht überlappen. Die Kamera setzt die Bilder beider Sensoren zu einem extra breiten Bild zusammen. Dieser Kamerabalken lässt sich auch noch leicht nach unten winkeln, falls du die Kamera sehr hoch aufhängst.
Kombiniert wird dies mit einem Kugelkopf am unteren Ende der Kamera, in welchem ein weiterer Kamerasensor angebracht ist. Dieser lässt sich drehen und schwenken mithilfe eines integrierten Motors.
Beide Module sollen miteinander arbeiten. Während die beiden oberen Sensoren die komplette Fläche statisch abdecken, soll die untere Kamera Objekte durchs Bild verfolgen, mit einer „gezoomten“ Ansicht. Dieses Prinzip kennst du eventuell schon von der Reolink Trackmix.
Die Kamera muss an einer Wand verschraubt werden. Hierfür liegen Metall-Montagematerial, Schrauben, Dübel usw. bei.
Angeschlossen wird die Kamera über einen kurzen, fest montierten Kabelstrang. Offen gesagt halte ich es immer für etwas schwierig, diesen sauber zu „verstecken“, und hier würde ich mir wünschen, dass sich Reolink etwas anderes überlegt.
An dem Kabelstrang finden wir einen Anschluss für ein DC-Kabel und den LAN-Port.
Stromversorgung
Wichtig: Die Reolink OMVI 3i PoE wird, wie es der Name vermuten lässt, via PoE mit Strom versorgt.
Eine Stromversorgung via Netzteil ist auch über einen DC-Port möglich, aber das entsprechende Netzteil (12V/2A) liegt NICHT bei.
Kamera-Aufbau
Die beiden oberen Kamera-Sensoren der Reolink OMVI 3i PoE werden automatisch von der Kamera zu einem Bild zusammengesetzt.
- 5120 x 1920 Pixel – Blickwinkel H: 180°, V: 65° – 1/2,7″ Sensor
Da wir hier zwei Bilder zusammensetzen, erhalten wir eine recht ungewöhnliche Auflösung von 5120 x 1920 Pixeln. Erfreulicherweise funktioniert das Zusammensetzen der beiden Bilder extrem gut! Es ist im Normalfall nicht erkennbar, wo die Aufnahmen zusammengesetzt werden.
Lediglich wenn jemand komplett quer durchs Bild läuft, sind in der Mitte kurz einmal „Artefakte“ erkennbar.
Die untere Kamera, welche sich via Motor drehen und schwenken kann, setzt auf ein deutlich engeres Blickfeld.
- 3840 x 2160 Pixel – Blickwinkel H: 55°, V: 30° – 1/2,8″ Sensor
Diese Kamera kann von dir manuell für Detailaufnahmen ausgerichtet werden oder Personen automatisch folgen, die von der oberen Weitwinkelkamera entdeckt wurden.
Die bekannte Reolink App
Die Reolink OMVI 3i PoE nutzt die bekannte Reolink App, welche sich seit Jahren gefühlt kaum verändert hat. Reolink ist einer der letzten Hersteller, bei dem eine Registrierung noch keine Pflicht ist.
Du kannst die App einfach herunterladen, den QR-Code der Kamera scannen, dann verbindet sich dein Smartphone automatisch mit der Kamera, wenn diese im gleichen Netzwerk sind.
Reolink versucht dich zwar auch immer mehr etwas zu dem optionalen Reolink-Konto zu treiben, aber dieses ist weiterhin „optional“.
Du musst bei der Erstellung des lokalen Kontos keine persönlichen Daten angeben oder Ähnliches. Die Kamera wird ausschließlich über ein von dir festgelegtes lokales Passwort gesichert. Es ist hier sehr wichtig, dass dieses Passwort sehr sicher ist!
Grundsätzlich ist die Reolink App sehr einfach und übersichtlich aufgebaut.
Du findest auf der Startseite eine Übersicht über alle verbundenen Kameras und Geräte. Tippst du die Kamera an, landest du direkt in der Live-Ansicht.
Dort siehst du beide Kamerastreams, kannst manuell Fotos und Videos aufzeichnen, die Zwei-Wege-Kommunikation starten, die Scheinwerfer einschalten und natürlich auch die Kamera drehen und schwenken.
Die beiden Bilder der „Weitwinkel-Kamera“ werden dabei automatisch zusammengesetzt.
Zudem kommst du von dieser Ansicht auch in die weiteren Einstellungen und Aufnahmen.
In den Einstellungen kannst du viele Optionen anpassen, angefangen bei den Scheinwerfern über das Tracking bis hin zur Objekterkennung.
Im Allgemeinen machte die Reolink App bei mir einen guten Eindruck, und ich gehe davon aus, dass sich auch Neueinsteiger hier zurechtfinden werden.
Kein Abo nötig
Leider ist dies mittlerweile nicht mehr selbstverständlich, aber es ist kein Abo nötig, um alle Funktionen der Reolink OMVI 3i PoE zu nutzen!
Auch die ganzen KI-Funktionen sind „lokal“ und somit auch inklusive.
Lediglich Dinge wie eine Cloud-Speicherung der Aufnahmen sind hinter einer Paywall, was aber auch zu 100 % verständlich und optional ist.
Smarte Erkennung
Natürlich verfügt die Reolink OMVI 3i PoE auch über eine „KI“-/Smart-Erkennung von Personen und Objekten, wie auch über einige weitere KI-Modi.
Diese Smart-Erkennung wird lokal von der Kamera ausgeführt und erfordert keine Cloud. So kann die Kamera zwischen folgenden Objekten unterscheiden:
- Generellen Bewegungen
- Personen
- Fahrzeugen
- Tieren
Diese Smart-Erkennung ist auch gerade bei Personen und größeren Tieren (Hunden/Katzen) sehr akkurat!
Aber wofür ist das Ganze da?
Du kannst dich nur bei bestimmten Typen von Bewegungen benachrichtigen lassen, z. B. nur bei Menschen. Aufnahmen lassen sich nach der erkannten Bewegung filtern.
In der Praxis ist dies extrem hilfreich!
Die OMVI 3i PoE verfügt auch über erweiterte KI-Modi, welche Reolink bei seinen neueren Modellen eingefügt hat.
- Vergessene Gegenstände
- Entfernte Gegenstände
- Alarm für Linienüberschreitung
- Alarm für Eindringungszone
- Alarm für Verweilungszone
Du kannst beispielsweise einen Bereich im Bild festlegen: Wenn dort ein Gegenstand abgelegt wird, erhältst du eine Nachricht, bzw. auch dann, wenn dort ein Gegenstand entfernt wird.
Funktioniert, wenn die Objekte groß genug sind oder dicht genug an der Kamera.
Ansonsten kann die Kamera auch „virtuelle Grenzen“ ziehen und beispielsweise Alarm/Benachrichtigungen senden, wenn jemand diese Grenze überschreitet oder dort verweilt.
Dies funktioniert tendenziell noch besser als die Gegenstandserkennung. Das Ganze ist nicht 100 % perfekt, funktioniert aber im Generellen gut.
AI Tracking
Ein wichtiges Feature der Reolink OMVI 3i PoE ist das automatische Tracking von Personen.
Sofern eingestellt, erkennt die Überwachungskamera automatisch, wenn eine Person in das Bild der Weitwinkelkamera läuft. Diese Person wird dann automatisch von der unteren motorisierten Kamera verfolgt. Diese liefert dann entsprechend eine Detailansicht der Person, während die Weitwinkelkamera eine „Totale“ liefert.
Das Ganze funktioniert auch gut, vor allem wenn nur eine Person im Bild ist.
Verlässt eine Person das Bild, setzt sich die motorisierte Kamera wieder zurück.
Wo werden Aufnahmen gespeichert? Maximale Flexibilität
Reolink-Kameras bieten eine hervorragende Flexibilität beim Speichern von Aufnahmen:
- Interne microSD-Karte
- FTP-Server
- Reolink Cloud (kostenpflichtig)
- Reolink Home Hub
In der Regel empfiehlt es sich, eine microSD-Speicherkarte in der Überwachungskamera einzusetzen. Dies ist einfach und sicherlich die günstigste Lösung.
Da wir hier eine recht hohe Auflösung haben, wie auch zwei „Streams“, würde ich dir eine etwas größere Speicherkarte empfehlen. 128 GB oder 256 GB sind hier empfehlenswert.
Alternativ bzw. zusätzlich kannst du auch einen lokalen FTP-Server hinterlegen oder z. B. den Reolink Home Hub nutzen.
Bildqualität
Aber was ist mit der Bildqualität? Hier gibt es absolut nichts zu bemängeln.
Beide Kamera-Streams liefern eine sehr hohe Auflösung und hohe Bitrate. Hierdurch ist das Bild sehr klar und detailliert.
- 5120 x 1920 Pixel
- 3840 x 2160 Pixel
Auch bei Nacht liefert die Reolink OMVI 3i PoE ein sehr sauberes Schwarz-Weiß-Bild, vor allem bei der Weitwinkelkamera. Die Zoom-Kamera ist tendenziell bei Nacht etwas schwächer, was primär an der Ausleuchtung liegt.
Dennoch: Die Bildqualität ist ein starker Punkt der Reolink OMVI 3i PoE. Vor allem Das Weitwinkel Bild ist extrem gut!
Fazit
Das Fazit zur Reolink OMVI 3i PoE fällt bei mir sehr positiv aus. Reolink zeigt hier eindrucksvoll, wie viel Sinn die Kombination aus einer statischen 180-Grad-Weitwinkelkamera und einer beweglichen Tracking-Kamera in einem Gehäuse ergeben kann.
Die beiden oberen Sensoren setzen sich nahezu nahtlos zu einem breiten Panoramabild zusammen, während die untere, motorisierte Kamera automatisch Personen verfolgt und dir gleichzeitig eine Detailansicht liefert. In der Praxis funktioniert dieses Zusammenspiel wirklich gut, gerade wenn sich nur eine Person im Bild befindet.
Auch bei der Bildqualität gibt es nichts zu meckern. Beide Streams liefern eine hohe Auflösung und liefern selbst nachts noch ein sauberes Bild, wobei die Zoom-Kamera aufgrund der Ausleuchtung hier minimal schwächer abschneidet als die Weitwinkelkamera.
Positiv ist zudem, dass Reolink seiner Linie treu bleibt. Du brauchst kein Abo, um die smarten KI-Funktionen wie Personen-, Fahrzeug- oder Tiererkennung sowie die erweiterten Modi wie Linienüberschreitung oder Verweilzonen zu nutzen. Auch ein Reolink-Konto bleibt optional, was ich sehr begrüße.
Ein Wermutstropfen ist der fest montierte Kabelstrang, den du beim Verlegen ordentlich verstecken musst, sowie die Tatsache, dass ein Netzteil für den Betrieb ohne PoE nicht im Lieferumfang enthalten ist.
Pro ✓
- Sehr gute Bildqualität bei Tag und Nacht
- 180-Grad-Panoramabild durch zwei Sensoren, sehr gut zusammengesetzt
- Zusätzliche Tracking-Kamera mit automatischer Personenverfolgung
- Umfangreiche, lokal berechnete KI-Erkennung (Personen, Fahrzeuge, Tiere, Zonen)
- Kein Abo nötig, Konto weiterhin optional
- Flexible Speicherung (microSD, FTP, Home Hub, Cloud optional)
- Stromversorgung via PoE
Kontra ✗
- Fest montierter Kabelstrang lässt sich schwer verstecken
- Netzteil für DC-Betrieb liegt nicht bei
- hoher Preis
Wenn du eine Überwachungskamera suchst, die eine große Fläche lückenlos abdeckt und gleichzeitig automatisch Details zu Bewegungen liefert, ist die Reolink OMVI 3i PoE aktuell eine der spannendsten Lösungen am Markt und zurecht das „Flaggschiff“-Modell von Reolink.
